Verdacht politischer Rücksichtnahme

Alte Freundschaften: War früher mehr Dalai Lama?

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Wiesbaden - An Hessen führt kein Weg vorbei, auch nicht für den Dalai Lama. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter war schon oft im Land - mit kleinem oder großem Programm. Von Friedemann Kohler

Der diesjährige Besuch des Dalai Lama in Hessen fällt protokollarisch schlichter aus als frühere Visiten. Das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten will kommende Woche in einer Sporthalle in Frankfurt sprechen, außerdem mit dem katholischen Bischof Stephan Ackermann aus Trier diskutieren. Politisch ist nur ein Treffen mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Frankfurter Tibethaus.

Die Landesregierung wehrt sich aber gegen den Verdacht, das kleinere Protokoll sei ein Zugeständnis an China. Es sei nie etwas anderes geplant gewesen als das Treffen im Tibethaus, sagte Bouffier. Ende März hatte Frankfurt zusammen mit London den Zuschlag erhalten, als europäisches Handelszentrum der chinesischen Währung Renminbi (Yuan) zu dienen. Bei früheren Besuchen des Dalai Lama in Hessen haben chinesische Diplomaten interveniert - wie sie es weltweit immer wieder tun. Die Volksrepublik wirft dem Gottkönig von Tibet, der 1959 ins indische Exil flüchtete, Separatismus vor.

Blättert man im Kalender zurück, hat der Friedensnobelpreisträger von 1989 seit Jahrzehnten Hessen alle ein, zwei Jahre besucht. Dabei fiel das Programm mal kleiner, mal größer aus, mal politisch, mal eher spirituell. Der Dalai Lama würdigte die Johanniter-Unfallhilfe (2002) und predigte vier Tage vor 50.000 Menschen in der Commerzbank-Arena (2009). 1995 sprach der Dalai Lama zum ersten Mal im hessischen Landtag. Das enge politische Verhältnis zu ihm geht auf Roland Koch zurück. Schon Mitte der 80er Jahre traf der damalige Bundes-Vize der Jungen Union den Tibeter. Es entwickelte sich eine eher ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem oft harten Machtpolitiker Koch und dem verschmitzten, friedfertigen Buddhistenmönch in der roten Robe.

2001 empfing Koch erstmals als hessischer Ministerpräsident den Dalai Lama. Bei seinen Besuchen in China setzte sich der CDU-Politiker für die Rechte der Tibeter ein - und musste sich von offizieller Seite belehren lassen, wie gut es den Tibetern unter chinesischer Herrschaft gehe.

Als der Dalai Lama 70 wurde, bereitete Koch ihm in Wiesbaden einen Geburtstagempfang, der einem Staatsbesuch glich. Vor der Staatskanzlei wehte die Tibetfahne, im Kurpark lauschten 20.000 Menschen dem Dalai Lama, im Kurhaus feierten ihn 1300 geladene Gäste. Zuletzt war Seine Heiligkeit 2011 drei Tage auf Einladung des Landes in Hessen. Bei einem Empfang in Seligenstadt nannte ihn Ministerpräsident Bouffier einen „großen Freund Hessens“. Dessen gewaltloser Kampf für die Autonomie des zu China gehörenden Tibets sei vorbildhaft. Erneut sprach der Dalai Lama im Landtag.

dpa

Quelle: op-online.de

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