Alte Hasen GmbH

Klare Absage an Provisionen

Gerhard Schuhmacher

Offenbach - Senioren brauchen oft eine andere Finanzberatung als diejenigen, die noch im Berufsleben stehen. Ihnen helfen die Experten der Alte Hasen GmbH. Von Marc Kuhn 

Solche Fälle machen Gerhard Schuhmacher richtig sauer. „Die Frau lebt im Pflegeheim und ist Baujahr 1948.“ Sie ist alleinstehend und hat keine Kinder. 2009 hatte die Seniorin eine Gehirnoperation, wie Schuhmacher weiter erklärt. Heute quälen sie epileptische Anfälle. Pflegestufe 2 wurde ihr zugebilligt. Schuhmacher spricht von einer begrenzten Lebenserwartung. Die Finanzberatung der Frau bringt ihn auf die Palme. Die Seniorin muss ihren Aufenthalt im Pflegeheim finanzieren. Sie hatte nach Immobilienverkäufen 420.000 Euro auf dem Konto, bezog aber nur eine kleine Rente. Die Experten hätten ihr geraten, 205.000 Euro in eine sofort beginnende Rentenversicherung zu stecken. Laufzeit 15 Jahre.

Zudem habe sie einen Rentenvertrag über 55.000 Euro abgeschlossen. Der Rest des Geldes sei in Fonds gesteckt worden. Das Finanzinstitut habe 17.000 Euro Provision kassiert, berichtet Schuhmacher. „Das ist keine faire Beratung“, klagt er. Auf seinen Rat hin habe die Frau alles gekündigt. Schuhmacher gehört zur Alten Hasen GmbH. Dabei handelt es sich um Senioren die Senioren beraten. „Ein Prozent plus Steuern, das ist fair“, gibt Schuhmacher das Ziel für Finanzberatungen vor. Und: Keine Provisionen.

Vor zehn Jahren gegründet

Die Alte Hasen GmbH ist vor zehn Jahren gegründet worden. Schuhmacher ist einer von drei Gesellschaftern. Elf Berater sind zurzeit für die Organisation tätig. Alle sind erfahrene Bankkaufleute im Ruhestand. Sie sind über das ganze Bundesgebiet verteilt. „Wir empfehlen keine Produkte oder Finanzdienstleister“, sagt Schuhmacher. Der 64-Jährige ist Bankkaufmann und Versicherungsberater. „Wir haben keine Einnahmen.“ Die Kosten müssen allerdings gedeckt werden. Das Erstgespräch mit den Alten Hasen kostet 65 Euro plus Steuern. Die folgenden Beratungen werden individuell berechnet. Die Stunde koste zwischen 150 und 250 Euro plus Steuern, erklärt Schuhmacher. Im Schnitt dauern die Gespräche zwei bis drei Stunden. Im Monat gibt es 20 bis 80 Anfragen bei den Senioren-Experten.

Fragt man den Rentner Schuhmacher nach dem Grund für sein Engagement, sagt er: „Ich habe das Helfersyndrom.“ Seit etwa 35 Jahren arbeite er auch bei der Caritas. Zu den Alten Hasen ist Schuhmacher gestoßen, „weil ich festgestellt habe, dass der Finanzdienstleistungsmarkt produktgesteuert ist“. Das gelte sowohl für Banken wie auch für Versicherungen. „Davon müssen wir unbedingt wegkommen.“ Da mitunter sehr stark provisionsbezogen verkauft werde, würden nicht immer die besten Produkte angeboten, erläutert Schuhmacher. Von dieser Entwicklung seien die Senioren sehr stark betroffen. Sie seien teils vermögend und würden nach interessanten Anlagemöglichkeiten suchen.

Was sich mit der Pflegereform ändern soll

Das ändert sich durch die Pflegereform

„Wir dürfen keine Empfehlungen abgeben“, sagt Schuhmacher. Zunächst würden die Anlagen von Senioren, die zu den Alten Hasen kommen, analysiert. Danach werde ein Konzept erarbeitet, in das die Lebensplanung des Betreffenden einfließt. Zur Umsetzung der Pläne wenden sich die Senioren an ihre Bank oder Vermögensverwalter. Ihnen werde der Hinweis mit auf den Weg geben, dass der Markt Produkte ohne Ausgabeaufschläge anbiete, erklärt Schuhmacher. Die Angebote der Institute können die Senioren dann auch von den Alten Hasen überprüfen lassen.

Die finanzielle Planung fürs Alter sollte geregelt werden, wenn die Kinder aus dem Haus sind, meint Schuhmacher, „spätestens mit 50.“ Dazu gehört nach seiner Ansicht auch das Thema Pflege. „Das ist mein Steckenpferd.“ Schuhmacher ist auch Mitglied im Bundesausschuss Pflege. Dieser hat die Änderungen in der Pflegeversicherung mitgestaltet. Im Durchschnitt sind die Deutschen nach den Worten von Schuhmacher acht Jahre auf Pflege angewiesen. Dabei fallen Kosten in Höhe von etwa 100 000 Euro an. Die durchschnittliche Rente liege beispielsweise in Offenbach zwischen 1 500 und 1 650 Euro, erklärt Schuhmacher. Koste der Pflegeplatz 4 000 Euro, so zahle die Versicherung in der Pflegestufe 3 rund 1 550 Euro. 2 450 Euro müssten von dem Betroffenen gezahlt werden. Schuhmacher rät zum Abschluss einer Pflegetagegeld- oder einer Pflegerentenversicherung, um die Belastung zu stemmen.

Quelle: op-online.de

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