Konzert in der Alten Oper

Gonzales gratuliert in Moll

Frankfurt - Er ist nicht nur ein verdammt guter Pianist, sondern er bringt sogar die Leute zum Schunkeln. Der Kanadier Chilly Gonzales gastierte jetzt in der Alten Oper. Von Klaus Ackermann 

Und am Ende seiner mehr als zweistündigen Show mit dem Hamburger Kaiser Quartett, die sich weitgehend aus dem neuen Album „Chambers“ speiste, war das Publikum völlig aus dem Häuschen. Wenn er so im Morgenmantel vor dem Flügel Platz nimmt, meint man, der US-Kitschier Liberace sei wiedererstanden. Doch schon nach ein paar Takten romantischen Präludierens wird klar, der Kanadier hat mehr in den Fingern – und vor allem im Kopf, ob nun wieselflinker Jazz oder Klassik. Der so mozärtlich aufspielende Pianist ist ein Kraftwerk, das Tastenlieder förmlich explodieren lässt. In unbändigem Rhythmus und mit Akkord-Schlägen, die Magengrimmen verursachen können.

Jetzt hat er seine Liebe zur Kammermusik entdeckt, zwischen Beethoven und Strawinsky mit klassischen Versatzstücken kokettierend und diese druckvoll aufladend. Mit dem Kaiser Quartett, das zunächst nur einen Schlussakzent setzen darf, um mehr und mehr in Szene zu rücken und unbändigen Drive zu entwickeln, den Gonzales mit Rap-Passagen krönt. Natürlich alles in Moll, der bevorzugten Stimmungslage des Kanadiers, die er an „Happy Birthday“ expliziert: „Klingt doch in Moll viel schöner, melancholischer.“ Bei gefühlvollen Tönen lässt er das Licht löschen und den unterbeschäftigten Schlagzeuger Trompete spielen.

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Höhepunkte sind die gnadenlos gehackten „Advantage Points“, dem Tennis entlehnt und John McEnroe gewidmet, und „Prelude To A Feud“, virtuose Fehde zwischen Bach, Gonzales und der Synthesizer-Fraktion. Wenn der Comedian sein Publikum zum Summen bewegt und dazu singt, ist sogar der hessische Gospel perfekt. Ein durchweg „Easy Listening“. Deshalb kommt’s auch so gut an. Bei allen!

Quelle: op-online.de

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