Altstadt ist baureif

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Das Haus „Zur Goldenen Waage“ soll rekonstruiert werden. 

Frankfurt - Es wird eine waghalsige Operation, aber danach dürfte Frankfurts Herz wieder am rechten Fleck schlagen - dort, wo einst eines der prächtigsten Altstadtensembles Europas zu finden war. Von Christian Riethmüller

Zwischen Dom und Römerberg soll nach dem Willen der Stadt in Teilen die im Zweiten Weltkrieg am 22. März 1944 zerstörte Altstadt wiederaufgebaut werden. Wie diese Neubebauung aussehen könnte, steht seit gestern mehr oder minder fest. Da wurden in der Commerzbank-Arena die Gewinner-Entwürfe des Architektenwettbewerbs „DomRömer Bebauung“ vorgestellt.

Rund 190 Entwürfe waren von den am Wettbewerb beteiligten, in einer Vorauswahl bestimmten 56 Architekturbüros eingereicht worden. Das Preisgericht, dem Vertreter aus Politik, Verwaltung und Architektur angehörten, bedachte 24 Entwürfe mit ersten Preisen, zwölf Entwürfe mit zweiten Preisen und sprach außerdem noch 13 Anerkennungen aus.

Oberbürgermeisterin Petra Roth, Architekt Christoph Mäckler und Planungsdezernent Edwin Schwarz (von links).

Wie Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der städtischen DomRömer GmbH, gestern sagte, sollen die mit ersten Preisen bedachten Entwürfe auch in dieser Form umgesetzt werden. Die mit zweiten Preisen oder Anerkennungen ausgezeichneten Vorschläge gehen zur Optimierung an die jeweiligen Büros zurück, doch dürften auch diese Architekten damit rechnen, mit dem Bau von Häusern beauftragt zu werden. Auf dem Areal sollen 27 Häuser gebaut werden. Zudem lässt die Stadt Frankfurt insgesamt acht Gebäude wie den „Rebstockhof“ oder die „Goldene Waage“ originalgetreu rekonstruieren.

„Architektonische Ego-Trips" ausschließen

Diesen Anspruch der Originaltreue müssen die im Wettbewerb bewerteten Entwürfe nicht erfüllen. Die Häuser, die auf teilweise winzig anmutenden Parzellen mit Grundflächen zwischen 44 und 291 Quadratmetern entstehen, erhalten aber alle historische Fassaden, die im Kontext zum gesamten Ensemble stehen.

Wie Guntersdorf sagte, wurden vom Preisgericht deshalb auch etliche Entwürfe gewählt, die auf den ersten Blick recht schmucklose Häuserfronten präsentieren. Im durch altstadt-typische Häuserdichte und kleinteilige Struktur geprägten Quartier solle der Betrachter aber nicht von einer Flut von Verzierungen getroffen und auch „architektonische Ego-Trips“ ausgeschlossen werden, hieß es.

Wie der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler als Vorsitzender des Preisgerichts sagte, solle erst bei genauem Hinsehen erkennbar sein, ob ein Haus nach neuen oder alten Plänen gebaut sei. Außerdem sollten Entwürfe gewählt werden, die für Häuser bürgen, die auch noch in 200 Jahren auf dem Areal stehen könnten.

Quadratmeterpreis von 3300 Euro

Mäckler, der auch Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst an der Technischen Universität Dortmund ist, zeigte sich erfreut, dass etliche junge Architekten sich an dem Wettbewerb beteiligten. Gerade bei Bewerbern aus Leipzig und Dresden sei zudem die Erfahrung zu erkennen, die sie in diesen Städten bei der Rekonstruktion historischer Viertel erworben hätten.

Mit dem Bau der neuen „alten Häuser“ soll vor allem Wohnraum entstehen. Über die Hälfte des rund 21.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassenden Areals soll auf Wohnungen entfallen. Etwa 6000 Quadratmeter sind für Gewerbe und Gastronomie vorgesehen sowie 3000 Quadratmeter für eine kulturelle Nutzung.

Den Quadratmeterpreis bei Eigentumswohnungen auf dem Gelände taxiert Michael Guntersdorf auf etwa 3300 Euro, ähnlich zu anderen begehrten Wohngebieten in Frankfurter Innenstadtlage. Aber schließlich wollen ja auch die rund 100 Millionen Euro gegenfinanziert sein, die das Wiederaufbauprogramm kosten dürfte. Mit dem Projekt soll im nächsten Jahr begonnen werden. Ende 2015 könnte das neue Herzstück der Stadt fertiggestellt sein.

Quelle: op-online.de

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