Schwebend durch die Tanzwelt

Das „Alvin Ailey American Dance Theatre“ ist zu Gast in Frankfurt

Hart erarbeite Schwerelosigkeit: Was auf der Bühne wunderbar leicht aussieht, ist das Ergebnis von langem Training. Unter den strengen Augen des künstlerischen Leiters Robert Battle üben die Tänzer des „Alvin Ailey American Dance Theatre“ für ihre Auftritte. J  Foto: Paul Kolnik
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Hart erarbeite Schwerelosigkeit: Was auf der Bühne wunderbar leicht aussieht, ist das Ergebnis von langem Training. Unter den strengen Augen des künstlerischen Leiters Robert Battle üben die Tänzer des „Alvin Ailey American Dance Theatre“ für ihre Auftritte.

Frankfurt - Federleicht springen die Tänzerinnen und Tänzer des „Alvin Ailey American Dance Theatre“ über die Bühne. Schon seit 50 Jahren gibt es die bekannte New Yorker Kompanie, die das afroamerikanische Lebensgefühl in hochästhetische Körpersprache übersetzt. Von Thomas Ungeheuer

Ab heute Abend bis Samstag gastiert das Ensemble für sechs Auftritte in der Alten Oper in Frankfurt. Es ist ein wahnsinniges Repertoire: 200 Werke von 80 Choreografen haben die Tänzerinnen und Tänzer des New Yorker „Alvin Ailey American Dance Theatre“ im Programm. Im Mittelpunkt der Show, die von heute Abend bis Samstag in der Alten Oper zu sehen ist, steht das Stück „Revalations“ (1960), das der Namensgeber des Ensembles, Alvin Ailey (1931-1989), im Alter von 29 Jahren choreografierte.

Ailey ließ sich dabei von seinen Kindheitserinnerungen inspirieren. Als Sohn einer Baumwollpflückerin hatte er Gottesdienste einer texanischen Baptistengemeinde besucht. In „Revalations“ (Offenbarungen) spiegeln sich somit Elemente der afroamerikanischen Kultur und traditioneller Spirituals.

Es ist ein Tanz durch die menschliche Gefühlswelt: Momente tiefer Melancholie bis hin zu größter Freude bestimmen das Geschehen. Erzählt wird der steinige Weg zur Selbstbestimmung.

Wie der Tänzer Clifton Brown erklärt, könne man diese Erfahrungen, die Ailey beschreibt, als junger Afroamerikaner nicht mehr teilen. „Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, in den Südstaaten unter massiver Diskriminierung aufgewachsen zu sein“, sagt er. Deshalb sei es wichtig, das Stück bei jeder Aufführung mit neuem Leben zu füllen.

Eine andere Form des Feingefühls und der künstlerischen Flexibilität ist bei „Open Door“ (2015) gefragt, einem Stück, das in Frankfurt zum ersten Mal zu sehen ist. Angeregt wurde Ronald K. Brown zu seiner Choreografie für zehn Tänzerinnen und Tänzer auf Kuba. Dort entdeckte er ein vielfältiges, kraftvolles Bewegungsvokabular, das in verschiedenen südamerikanischen Paartänzen lebendig wird.

Die Musik dazu wird neu vom „Afro Latin Jazz Orchestra“ eingespielt. Auf Kompositionen von Luis Demetrio, Arturo O’Farrill und Tito Puente wird temperamentvoll getanzt.

Als Hommage an den Tango Argentino gilt „Piazzolla Caldera“ (1997) von Paul Taylor. Viele Elemente dieses Tanzes, der in den Nachtclubs des Hafenviertels von Buenos Aires um 1910 entstand, fügt Taylor in seine dramatische Choreografie ein. Allerdings mischt er sie mit Bewegungen des Modern Dance. Im schummerigen Licht performen Männer und Frauen, Männer und Männer sowie Frauen und Frauen zur Musik von Astor Piazzolla und Jerzy Peterburshski.

Jack White in der Alten Oper

Jack White in der Alten Oper Frankfurt: Bilder
Jack White in der Alten Oper Frankfurt: Bilder
Jack White in der Alten Oper Frankfurt: Bilder
Jack White in der Alten Oper Frankfurt: Bilder
Jack White in der Alten Oper

Zu Jazz-Klängen der ehemaligen britisch-indischen Sängerin Sheila Chandra hat Robert Battle, der heutige künstlerische Leiter des „Alvin Ailey Dance Theatre“, das Solo „Takademe“ (1999) kreiert. Humorvoll und in schnellen Bewegungen wird darin mit Bewegungen des indischen Kathak-Tanzes gespielt.

Zweifellos ist der moderne Tanz, den es in all diesen Stücken zu bestaunen gibt, mit afrikanischen Tanzelementen angereichert. Dabei stehen beim „Alvin Ailey American Dance Theatre“ schon seit Längerem auch weiße Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne. „Nicht die Hautfarbe entscheidet über die Aufnahme in die Kompanie, sondern, wie sehr sich jemand der afroamerikanischen Kultur verbunden fühlt“, erklärt Probenleiter Matthew Rushing.

„Alive and Swinging“ in der Alten Oper

„Alive and Swinging“ in der Frankfurter Alten Oper
„Alive and Swinging“ in der Frankfurter Alten Oper
„Alive and Swinging“ in der Frankfurter Alten Oper
„Alive and Swinging“ in der Frankfurter Alten Oper
„Alive and Swinging“ in der Alten Oper

Dabei erscheint alles wunderbar leicht, was unter seinen strengen Augen zu vollendeter Form gelangen soll. Farbenfroh gekleidete Tänzer bewegen sich in elegant über die Bühne. Federleicht wirken ihre Sprünge – eher einem Schweben nah. Mit ihnen entstehen bildgewaltige Szenen, verbunden mit einer poetischen Körpersprache.

Kaum ein Stück braucht Kulissen. Lediglich Scheinwerferlicht kommt zum Einsatz, das in Farben und in seiner Intensität die Stimmungen widerspiegelt. Ergebnis ist ein ästhetischer Zauber, der sich auf der Bühne entfaltet.

Von heute an bis Samstagabend, jeweils um 20 Uhr, sowie Samstag um 14.30 Uhr. Karten: www.alteoper.de

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