Anatoliens soghafte Stille

Fazil Say und das Orchestre National de Belgique in Alter Oper

Frankfurt - Fazil Say fasziniert sein Publikum: Wie kaum einem zweiten Interpreten, den Münchner Klarinettisten und Komponisten Jörg Widmann vielleicht ausgenommen, gelingt es dem 1970 in Ankara geborenen Pianisten zur Zeit, mit seinen eigenen Werken das klassische Konzertpublikum für sich zu begeistern. Von Axel Zibulski 

Der starke Beifall nach der Frankfurter Aufführung von Says eigenem dritten Konzert für Klavier und Orchester sprach für sich: Mit diesem 2002 in Paris uraufgeführten Werk hatten er, das Orchestre National de Belgique und dessen Chefdirigent Andrey Boreyko das jüngste „Pro Arte“-Konzert in der Alten Oper eröffnet. Die Frankfurter Konzertdirektion hat Fazil Say in der laufenden Saison zu ihrem „Artist in Residence“ ernannt. Residenzkünstler war der Pianist bereits vor zwei Jahren beim Rheingau Musik Festival, wo seine Programme das musikalisch so affirmative Verhältnis zu seinem Heimatland dokumentierten.

„Silence of Anatolia“, die „Stille Anatoliens“, mit der er sein drittes Klavierkonzert untertitelte, bekräftigte das nun in der Alten Oper. Mit seiner nahöstlichen Harmonik, seinen Harfen- und Lautenanklängen, die Say durch das Zupfen der Klaviersaiten mit den Händen erzielte, auch mit seinen volksliedhaften Passagen klang Fazil Says bislang jüngstes Klavierkonzert bei allem perkussiven Treiben und Reiben ganz überwiegend eingängig, soghaft.

Fazil Say, der mit seinen Äußerungen zu Politik und Religion in seiner türkischen Heimat auf teils absurde Widerstände stößt, und zwar bis hin zu einem laufenden Prozess wegen angeblicher „Verunglimpfung religiöser Werte“, gibt als Interpret klassischer Werke seine freigeistige Haltung natürlich nicht auf. Das mag nicht immer jedem Hörer gefallen, und auch das Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel hat er in der Vergangenheit schon arg frei im Umgang mit dem Notentext interpretiert. Beim Konzert des Orchestre National de Belgique hingegen konnte er in damit vollends überzeugen, indem er immer wieder die flüchtigen, klassizistischen, lyrischen, am Ende auch grellen Facetten des Werks ideal ausleuchtete.

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Das klanglich stark an der französischen Tradition orientierte Belgische Nationalorchester begleitete Ravels Klavierkonzert schlank und elegant. Dagegen setzte Chefdirigent Boreyko im zweiten Programmteil mit Nikolai Rimski-Korsakows Orchestersuite „Scheherazade“ auf farbkräftige, plakative bis illustrative Effekte der programmhaft vertonten „Geschichten aus 1001 Nacht“, samt einem eher unprätentiösen Erzählton des ersten Geigers. Die Orchesterzugabe verwies auf Boreykos russische Heimat: Es war der „Blumenwalzer“ von Peter Tschaikowski.

Quelle: op-online.de

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