Nervosität und Wachsamkeit bei Polizei und Politik

Angst vor Terroranschlag in Hessen angekommen

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Frankfurt - Nach den Terroranschlägen in Paris herrscht in Hessen Angst. Wir zeigen einen Überblick über die heutigen Ereignisse.

Binnen weniger Stunden sind aus Furcht vor einem Terrorangriff der Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen und die Eingangshalle am Hauptbahnhof vorübergehend gesperrt worden. Beide Male konnte rasch Entwarnung gegeben werden. Keine Entwarnung hingegen gibt es beim Blick auf radikalislamische Strömungen im Land, wie der Verfassungsschutzbericht zeigt. Ein Überblick über die heutigen Ereignisse:

Bahnhöfe

Wegen zweier verdächtiger Gepäckstücke wurde die Eingangshalle des Frankfurter Hauptbahnhofs am Mittag vorübergehend gesperrt. Nach gut einer halben Stunde gab es aber Entwarnung, wie die Bundespolizei mitteilte. Der Zugverkehr war von der Sperrung nicht betroffen, auch U- und S-Bahnen fuhren weiter. Aufmerksame Reisende hatten laut Polizei eine herrenlose Aktentasche und einen abgestellten Rucksack gemeldet. Der Eigentümer der Aktentasche habe sich aber bald gemeldet, und in dem Rucksack sei nichts Verdächtiges gefunden worden, sagte ein Sprecher. Am Morgen wurde wegen eines verdächtigen Snackwagens in einem ICE der Fernbahnhof am Flughafen vorübergehend komplett geräumt. Die Reisenden mussten den Zug, der von Darmstadt nach Köln unterwegs war, verlassen, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Die alarmierten Ermittler konnten aber relativ schnell feststellen, dass er ungefährlich war.

Salafisten

Hessen verstärkt seinen Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. "Die feigen Anschläge in Paris haben gezeigt, dass von radikalen Salafisten und islamistischen Terroristen eine hohe Gefahr für die innere Sicherheit ausgeht", sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) bei Vorlage des Verfassungsschutzberichtes 2014. Es gebe nun eine neue Qualität von islamistischen Terrorismus in Europa. Die Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover habe gezeigt, dass aus einer abstrakten schnell eine konkrete Gefahrenlage werden kann. In Hessen nahm die Zahl der Salafisten von 1200 im Jahr 2013 auf 1500 im Vorjahr und aktuell etwa 1650 zu. Mit 69 sei die Zahl der islamistischen Straf- und Gewalttaten zum Vorjahr (55) leicht gestiegen, sagte Beuth. Derzeit lägen Erkenntnisse zu etwa 125 Islamisten aus Hessen vor, die in Richtung Syrien und den Irak gereist sind, um dort aufseiten der die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an Kampfhandlungen teilzunehmen.

Paris verlängert Ausnahmezustand

Hacker

Für Aufregung sorgte ein mutmaßlicher Angriff islamistischer Hacker auf die Seite eines Weihnachtsmarktes. Eine Gruppe "Mujahidin Cyber Army" hinterließ eine Drohbotschaft auf der Startseite des Weihnachtsmarktes Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) und behauptete, der Terrororganisation Al-Kaida nahezustehen. Statt der normalen Startseite war eine schwarze Seite mit weißer und roter Schrift erschienen. Die Botschaft richtete sich nicht gegen den Weihnachtsmarkt. Stattdessen fordert die Seite Leser auf Englisch dazu auf, Muslime in Syrien in Ruhe zu lassen. "Sagt das der Regierung!" Die Urheber bezeichnen sich als "Soldaten Allahs. Wir unterstützten nicht ISIS." Die Seite wurde gesperrt. Ähnlich wie bei den Alarmen an den Bahnhöfen gab es auch bei diesem Vorfall bald Entwarnung: Verfassungsschutz-Chef Robert Schäfer wertete die Drohbotschaft nicht als konkrete Gefährdung. Nach Einschätzung der Sicherheitsexperten handele es sich dabei um einen wahllosen technischen Angriff im Internet, sagte er. Dabei werde ohne konkretes Ziel nach Seiten im Netz gesucht, die technisch anfällig sind. Das zeige sich auch daran, dass sich die Botschaft nicht direkt gegen den Weihnachtmarkt gerichtet habe. Der Bürgermeister von Friedrichsdorf wollte sich nicht zu dem Hackerangriff äußern. Der Weihnachtsmarkt in der Taunusgemeinde soll in diesem Jahr vom 18. bis 20. Dezember stattfinden.

Fahndung

Mit einer Schleierfahndung warf die Polizei in Mittelhessen abermals das Netz nach verdächtigen Personen aus. Die Beamten kontrollierten auf der Autobahn 45 bei Dillenburg Fahrzeuge und Insassen, wie ein Polizeisprecher in Gießen berichtete. Ausgesucht würden diese "nach bestimmten Kriterien". Die Aktion blieb ohne greifbares Ergebnis. Nach den Terroranschlägen von Paris hatte Hessens Innenminister Beuth stärkere Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen im Land angekündigt. Bereits am Dienstag hatte es eine Schleierfahndung auf der A5 bei Homberg (Ohm) gegeben, am Montag war in Frankfurt kontrolliert worden.

Polizei

Angesichts von Terrorgefahr und Flüchtlingsstrom dringt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf die Schaffung von bis zu 1000 neuen Stellen in Hessen. Der GdP-Landesvorsitzende Andreas Grün begrüßte zwar die Ankündigung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), im kommenden Jahr 300 neue Polizistenstellen zu schaffen. "Das muss allerdings jedes Jahr fortgesetzt werden. Deswegen halte ich auch daran fest, dass wir insgesamt 800 bis 1000 neue Stellen brauchen", sagte Grün der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei in Hessen sei schon vor der Zunahme der Flüchtlingszahlen und der verschärften Sicherheitslage in einer kritischen Situation gewesen, sagte Grün weiter.

dpa

Quelle: op-online.de

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