Suche nach verlorener Zeit

Anja Silja mit Melodramen in der Oper Frankfurt

+
Empfindsam: Andrej Hoteev und Anja Silja

Frankfurt - Immer wieder für Überraschungen sorgt Anja Silja. Machte die große Dame des Operngesangs unlängst noch als irrwitzige Mumie in Aribert Reimanns „Gespenstersonate“ Furore, so widmet sie sich jetzt einem eher vernachlässigten Genre. Von Klaus Ackermann 

Unter dem Titel „Abschied von den Rosen“ gastierte „La Silja“ mit Melodramen in der Oper Frankfurt. Auch als Rezitatorin begnadet bei Stimme, wurde sie vom russischen Altmeister Andrej Hoteev am Klavier begleitet, der die melodramatischen Fundstücke ausgegraben hat. Sprechen ohne genau vorherbestimmte Tonhöhen bei instrumentaler Assistenz – das kennzeichnet ein Melodram, vor allem in der Romantik entwickelt und zumeist empfindsames Stimmungsbild. Franz Schuberts „Abschied von der Erde“ ist da düsterer Rückblick und Lebewohl gleichermaßen, von Silja bar jeder pastoralen Anmutung gesprochen und vom Wiener Komponisten strophenweise variiert.

Eigenständiger wirkt der Klavierpart bei Robert Schumanns „Schön Hedwig“, auch musikalisch die Anmut in Person. Eine empfindungsreiche, von Silja mit vielen Ausdrucksfacetten versehene Ballade. Eine neue Farbe bringt der erst 16-jährige Richard Wagner mit seinen sieben „Faust“-Vertonungen. „Ach neige du Schmerzensreiche“ – Gretchens große Not bringt Siljas Sprechstimme auf den Punkt, während die Musik seelische Befindlichkeiten dramatisch weiterschreibt. Am weitesten nach vorn prescht Franz Liszt in der Schauergeschichte vom „Traurigen Mönch“ (Nikolaus Lenau), hochspannend und mit großem Atem nacherzählt. Liszt fegt sogar kühn tonale Grenzen hinweg.

„Thriller - live“ in der Alten Oper

Mehr in der stimmigen Auswahl als in der etwas holprigen Ausführung gefallen Hoteevs Soloeinlagen, von Schuberts „6 Walzern für Klavier“ mit slawischem Zungenschlag bis zum Prokofjew-Präludium C-Dur. In seinem Element ist der russische Pianist dagegen bei dem Melodramen-Triptychon von Anton S. Arenski (1861-1906) auf Turgenjew-Gedichte. Gedankenlyrik auf Leben und Tod, die im titelgebenden „Wie waren einst so schön, so frisch die Rosen“ gipfelt, vom Opernweltstar so bittersüß vorgetragen, dass man spontan an die Hofmarschallin in Strauss' „Rosenkavalier“ denken muss: „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“ …

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare