Ein Apfel am Tag den Doktor spart

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Wer ernten will, muss sägen und schneiden: Josef Weimar beim Baumschnitt.

Schaafheim - Der Frühling ist da und in den Baumkronen summt und brummt es vor Insekten. Und es duftet nach den Blüten, die ihre Träger schmücken. Von Katrin Görg

„Von ihnen hat jede Sorte ihren eigenen Geruch“, weiß Gärtnermeister und Obstbauer Josef Weimar aus Schaafheim. Ihm haben es besonders die Landschaftsobstbäume angetan. Seit Jahren beschäftigt sich der 56-Jährige intensiv mit dem Thema. Sein Augenmerk gilt dabei besonders dem Apfelbaum und seiner Frucht.

„Der Landschaftsobstbaum ist wenigstens noch ein richtiger Baum mit Stamm und Gerüst. In Plantagen findet man häufig nur bewurzelte Triebe vor“, erklärt er seine Passion, „und der Apfel ist nun einmal eine Hauptfrucht in unserem Kulturkreis. Er steht auf Platz eins der meistgegessenen Früchte.“ Der gelernte Gärtner folgt in seiner Freizeit der selbst aufgetragenen Mission „Rückbesinnung auf den Landschaftsobstbaum“. Denn dieser gerate zunehmend in Vergessenheit. Dabei gibt es ihn noch gar nicht allzu lange, so Weimar.

Der Obstbaum an sich ist stolze 60 Millionen Jahre alt, sein gezielter Anbau allerdings, beschränkte sich bis ins 17. Jahrhundert auf den heimischen Garten. „Jedenfalls wurde er stets in Hausnähe gehalten“, weiß Weimar. Seither wurde der Baum allmählich über den Straßenobstbau und Anpflanzungen auf Viehweiden und eigens ausgewiesenen Baumäckern in die freie Landschaft ausgelagert.

Seminare zur Baumpflege

Plantagen gebe es erst seit den 60er Jahren des vorletzten Jahrhunderts. Neben ihnen wurde der Landschaftsobstbaum zum Außenseiter: „Er wurde ignoriert und unbedacht gerodet. Innerhalb von dreißig Jahren schrumpfte sein Bestand in Deutschland von zwölf Millionen auf zwei Millionen einzelne Bäume.“

Die Überbleibsel aus dieser Zeit sind Weimars Steckenpferd geworden. „Sie sind heute verwahrlost“, sagt er. Es gelte, sie aufzupäppeln. Dies wagt er nicht im Alleingang, sondern erteilt als Gartenbaulehrer Seminare rund um die Baumpflege und bildet eigenhändig Landschaftobstbauer im Main-Kinzig-Kreis aus.

Was er seinen Lehrlingen beibringt, hat er selbst zu Genüge erprobt. Auf einer „Lehr- und Versuchswiese“, wie er sie nennt, in Kirchzell im Odenwald, Josef Weimars Heimatgemeinde, stehen 180 Obstbäume: in der Mehrzahl Apfelbäume, aber auch Pfirsich-, Quitten-, Aprikosen-, Birnen-, Kirschen- und Zwetschgenbäume.

An ihnen testet der Besitzer beispielsweise unterschiedliche Schnittarten oder er untersucht, wie sich Baumkronen mit und ohne Pflege ausbilden. Vor einigen Wochen erteilte Josef Weimar sogar Tipps übers Fernsehen. „Ich war im ZDF und habe über Baumschnitttechniken gesprochen“, erzählt er.

Buch über Geschichte des Apfels geschrieben

Über seine Lieblingsfrucht, von der weltweit an die 6000 verschiedene Sorten wachsen, hat der Obstbauer ein eigenes Buch verfasst. „Vom Wildapfel zum Kulturapfel“, erschienen im Selbstverlag, beschreibt er als „eine begeisternde Kurzgeschichte über die Entwicklung des Apfels“. Doch diese rund hundert Seiten sind nicht Weimars einziges Produkt. „Mit dem Apfel bietet sich eine ganze Palette an Verwendungsmöglichkeiten“, sagt Weimar begeistert und zählt auf, was er bisher hergestellt hat: „Marmelade und Kompott, Saft, Kuchen, Suppe, Trockenobst, Kraut, Cidre, Essig und Möbel.“

Ja, seinen Küchentisch habe er aus Apfelbaumholz gezimmert und das sei nicht das einzige Möbelstück aus Apfelbaumholz, das sich in seinem Haus finde, erzählt er stolz. Einfachere Apfelerzeugnisse wie Saft, produziert der studierte Waldorfschullehrer nicht nur zuhause, sondern auch mit seinen Schülern der Rudolf-Steiner-Schule in Dietzenbach, wo er das Fach „Gartenbau“ unterrichtet.

Die wichtigste Verwendungsmöglichkeit bleibe jedoch die ganze Frucht an sich, meint Josef Weimar. Er glaube fest an den Spruch „Ein Apfel am Tag den Doktor spart“. Er sagt: „Ein Apfel ist mehr als nur eine Menge Fruchtzucker und ein paar Vitamine. Äpfel wirken nachweislich darmreinigend und sollen sogar Stoffe enthalten, die Krebszellen eliminieren.“ Als Apfel-Fan isst Weimar die Frucht „voll und ganz mit allem drum und dran“.

Quelle: op-online.de

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