Apfelwein statt Champagner

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So sieht ein Sieger aus: Michael Korwisi, der neue OB der Kurstadt.

Bad Homburg - Die Millionärs-Hochburg Bad Homburg mit dem Motto „Champagnerluft und Tradition“ hat bei der Oberbürgermeister-Wahl ihr „grünes Wunder“ erlebt. Den Vorsprung von 20 Prozent gegenüber der Amtsinhaberin kann Wahlsieger Michael Korwisi auch einen Tag später kaum fassen. „An meinen Sieg habe ich natürlich geglaubt. Von Sabine Maurer (dpa)

Aber dass er so deutlich wird?“, sagt der 57- Jährige, der als unabhängiger Kandidat ins Rennen gegangen war und am 18. September als erster Oberbürgermeister in Hessen mit einem Parteibuch der Grünen sein Amt antreten wird.

Bei der CDU in Bad Homburg saß der Schock auch gestern noch tief. Die unterlegene Ursula Jungherr will sich nicht äußern. „Die Niederlage ist bitter“, sagt der Parteichef Thorsten Bartsch. 61 Jahre lang hat seine Partei ohne Unterbrechung das Stadtoberhaupt in der konservativ geprägten Kurstadt mit seinen 52 000 Einwohnern gestellt. Die stets distanziert wirkende Juristin Jungherr ist seit 2003 im Amt. Der Wahlkampf sei „hoch emotionalisiert“ gewesen und auf die Persönlichkeiten der Kandidaten zugespitzt worden, sagt Bartsch. Dabei sei es der CDU nicht gelungen, mit Sachthemen zu punkten. „Jetzt muss man abwarten, ob sich die Versprechen von Herrn Korwisi in die Realität umsetzen lassen. Da kann es schnell Unmut geben.“

Der Apfelwein-Kiebhaber, der vom heimischen Wohnzimmer aus den Wahlkampf geführt hat, will im Rathaus einiges ändern. Es soll mehr informiert und kommuniziert werden. „Einsame Entscheidungen am Schreibtisch“ wie bei seiner Vorgängerin sollen der Vergangenheit angehören. Korwisi hofft auch, dass er bei den oft turbulenten Sitzungen der zerstrittenen Bad Homburger Stadtverordnetenversammlung als unabhängiger Oberbürgermeister für Ruhe sorgen kann. „Die Streitereien resultieren aus der mangelhaften Kommunikation seitens der Oberbürgermeisterin. Das führte dazu, dass sich einige ausgegrenzt fühlten“, sagt der gebürtige Bad Homburger, für den das Amt des Oberbürgermeisters ein „Traumjob“ ist.

Auf die Frage, ob es ein drängendes Problem in der Stadt gibt, antwortet er mit „Nein“. Im Gegensatz zu vielen seiner künftigen Amtskollegen hat er den großen Vorteil, nicht sparen zu müssen. Seiner Vorgängerin war angesichts der Rücklage von über 100 Millionen Euro in der Stadtkasse sogar Knauserigkeit vorgeworfen worden. „Frau Dr. Jungherr hat sehr gut gewirtschaftet, das muss man ihr lassen“, meint Korwisi. Unter seiner Regie soll kräftig investiert werden.

Quelle: op-online.de

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