Apfelwein-Messe

Von „Appléretif“ bis „Äbbeläbedeiser“

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Das Beste was ein Apfel werden kann.

Frankfurt - Apfelwein in aller Munde? Darüber würden sich nicht nur die Kelterer in aller Welt, sondern vor allem auch die Macher der Messe „Apfelwein im Römer“ freuen. Von Ingrid Schick

Bei deren fünfter Auflage präsentierten sich diesmal gut 40 Keltereien aus sechs Nationen, die über 200 Apfel- und Obstweinspezialitäten vorstellten. Stark vertreten waren wie immer die Hessen mit ihrem „Stöffche“, aber auch am Niederrhein, in Baden-Württemberg, in Bayern, im Saarland oder im europäischen Ausland wie Frankreich, Spanien, der Schweiz oder Tschechien werden Apfelweine mit ganz besonderem, eigenen Charakter hergestellt.

„Für uns vom Niederrhein ist es ganz besonders aufregend, in der Apfelweinmetropole mit einem Ehrenpreis wie dem Pomme d´Or ausgezeichnet zu werden“, sagt Thea Clostermann vom Biobsthof Clostermann in Wesel-Bislich. Prämiert wurde der feinperlende alkoholfreie „Applèretif“ aus Demeter-Äpfeln, der mit eleganter Rosennote die Sinne verwöhnt und mit feiner Perlage überzeugt.

Sehr elegant ist der stille, sortenrein aus Cox Orange gekelterte Apfelwein aus der Frankfurter Kelterei Nöll. Ein leicht-herber Apfelwein mit austariertem Spiel von Zucker und Säure, der an einen Weißburgunder erinnert und sich als Begleiter für kräftige Wild- und Fleischgerichte sowie Steaks eignet.

Interessant waren die Apfelweine von zwei Neulingen auf der Apfelweinmesse: Im Taunusstädtchen Kronberg keltert Dieter Krieger erst seit einem Jahr seine Streuobstwiesenäpfel und macht daraus fruchtige-kompakte Apfelweine wie den sortenreinen „Alte Gelbe Goldparmäne“. Der auf den ersten Blick unscheinbare Apfel ergibt einen kräftigen Wein mit nussig-würzigem Aroma und wurde auf Anhieb mit einem Pomme d´Or ausgezeichnet. Familie Krieger betreibt in Kronberger Ortsrandlage seit 2012 auch eine Schoppenwirtschaft, wo man alle Apfelweine probieren kann.

Ganz anders präsentiert sich die Manufaktur „Cider z cerstvého“ aus dem tschechischen Rossbach nahe der deutschen Grenze. Ungewöhnlich die Flaschen: dieser Cider nach englischem Vorbild wird in kleine, dickbauchige, braune 0,33-Liter-Bierflaschen gefüllt. Der tschechischen Biertradition sei diese Flaschenwahl geschuldet, erzählen die Macher, die mit diesen Flaschen besonders junge Leute ansprechen wollen. Den süffigen, für den hessischen Geschmack sehr lieblichen Cider darin gibt’s mit fünf und sieben Prozent Alkohol.

Auch der Obsthof am Steinberg von Messe-Organisator Andreas Schneider war mit einem neuen Gewächs am Start: einem sortenreinen Apfelwein, gekeltert aus einem modernem Apfel holländischer Herkunft mit beinahe unaussprechlichem Namen: Karmijn de Sonnaville. Die Bäume sind in 15 Jahren auf dem Obsthof am Steinberg herangewachsen und haben in 2012 zum ersten Mal so viele Früchte geliefert, dass Schneider daraus ein Fass Apfelwein machen konnte. Fruchtig, beinahe lieblich hat der Wein von diesem Apfel das Potential ein beliebter Damen-Schoppen zu werden.

Ein feinaromatischer, aber trockener Wein aus Äpfeln für fortgeschrittene „Schoppeklopper“ ist das „Sachsenhäuser Lebenswasser“, von „Buchscheer“-Wirt Robert Theobald gekeltert aus Streuobstwiesenäpfel aus dem Taunus, der Wetterau, dem Spessart und aus den benachbarten Gärten rund um die Buchscheer.

Mit einem roten Apfelwein aus Boskop, Goldparmäne und zehn Prozent Holundersaft verführt Jürgen Schuch (Schuchs Restaurant) seine Gäste. Im Barriquefass gereift und mit kräftiger Säure, macht dieser gehaltvolle, rubinrote Apfelwein mit komplexem Fruchtaroma manchem roten Traubenwein Konkurrenz

Edelbrenner Arno Dirker aus Mömbris-Niedersteinbach, dessen Brände, Geister und Wässer auf allen internationalen Prämierungen mit zahlreichen Medaillen ausgezeichnet werden, widmet sich nun auch dem hessischen Sherry, der hier aber als von der EU geschützter Begriff nicht so heißen darf. Dirker nennt ihn zungenbrecherisch „Äbbeläbedeiser“. Der Saft von kleinen, sauren Holzäpfel reifte seit 2005 in gebrauchten Sherryfässern. Nun ist er erstmals anlässlich der Messe auf Flaschen gezogen worden. Er präsentiert sich zunächst mit einem holzigen Oberton im Glas, der sich aber nach angemessener Zeit und Sauerstoffzufuhr in einen wunderbaren Duft wandelt. Und auf der Zunge dominieren feine und fruchtige Apfelaromen.

Quelle: op-online.de

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