Rückgang um 0,5 Prozent

Arbeitslosenzahl in Hessen sinkt weiter

Wiesbaden/Frankfurt - Die Arbeitslosenzahl in Hessen geht weiter zurück. Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres ist die Quote um 0,5 Prozent gesunken. Trotzdem gibt es keinen Grund für übertriebenen Optimismus.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im September wie erwartet gesunken, doch die Anzeichen für eine Eintrübung der Lage mehren sich. 172.680 Männer und Frauen waren in dem Monat auf Arbeitssuche, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit heute in Frankfurt mitteilte. Das waren 4,0 Prozent weniger als im August und 0,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote Hessens sank in der Monatsfrist um 0,2 Punkte auf 5,5 Prozent.

Eine Belebung des Arbeitsmarktes nach den Sommerferien ist absolut normal. Saisonbereinigt ergab sich laut Agentur keine Änderung. Stattdessen mehrten sich die Anzeichen für eine weitere Stagnation des Arbeitsmarktes, der durch die anstehende Massenentlassung beim insolventen Versandhändler Neckermann noch weiter belastet wird.

Die Dynamik am Arbeitsmarkt verliere weiterhin deutlich an Tempo, stellte Direktionschef Frank Martin fest. Dies zeige sich daran, dass Menschen nach einem Jobverlust nicht mehr so schnell eine Anschlussbeschäftigung finden. Seit April steigt im Jahresvergleich die Zahl der Arbeitslosen an, die Arbeitslosengeld I als Versicherungsleistung erhalten. Mit fast 55.000 Menschen war diese Gruppe im September fast 10 Prozent größer als vor einem Jahr. Gleichzeitig hielten sich die Betriebe wegen der konjunkturellen Unsicherheiten bei Neueinstellungen zurück.

Neckermann-Pleite verschärft Situation

„Die aktuellen Entwicklungen beim Neckermann-Konzern können die Situation weiter verschärfen", erklärte Martin. Der traditionsreiche Versandhandel wird zum 1. Oktober abgewickelt und entlässt etwa rund 1700 häufig nicht optimal ausgebildete Beschäftigte auf den hessischen Arbeitsmarkt. Der hessische DGB-Chef Stefan Körzell verlangte eine verstärkte Unterstützung für die von der Pleite Betroffenen. Sie dürften nicht auf Dauer erwerbslos bleiben und in Hartz IV abrutschen.

Mit Blick auf den diagnostizierten Fachkräftemangel verlangte der Gewerkschafter, das Arbeitskräfteangebot insgesamt zu steigern. Dem sich andeutenden Konjunktureinbruch müsse mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten wirksam begegnet werden. Hierzu gehören Fort- und Weiterbildung sowie die Kurzarbeit.

Die Zahl der unbesetzten Stellen in Hessen sei kontinuierlich auf zuletzt rund 35.500 zurückgegangen, berichtete die Arbeitsagentur weiter. Das sind 14 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der für September typische Zuwachs an offenen Stellen sei ausgeblieben und es sei in diesem Jahr auch nicht mehr mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen. Die hessischen Unternehmerverbände halten die genannte Zahl der offenen Stellen für zu niedrig angesetzt. Es würden mehr als doppelt so viele Leute gesucht, aber längst nicht alle Stellen an die Agenturen gemeldet.

Unternehmer fordern mehr Flexibilität

Bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung blieb Hessen hinter dem Bundesschnitt zurück. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Juli im Vergleich zu 2011 nur um 1,6 Prozent (Bund 1,9 Prozent/ Westen 2,1 Prozent) auf 2,27 Millionen. Am stärksten wuchsen Gastgewerbe, Industrie und Logistik, während die Leiharbeitsfirmen als einzige Branche weniger Menschen beschäftigten als ein Jahr zuvor.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) sprach sich für weiterhin flexible Einstiegsmöglichkeiten für Arbeitslose und Geringqualifizierte in den Arbeitsmarkt aus. Dann müsse einem um die Zukunft des Arbeitsmarktes nicht bange sein, meinte der VhU-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender. Nach einem ersten Schritt in einen Job sei der Aufstieg in besser bezahlte Arbeit unendlich leichter als aus der Arbeitslosigkeit.

Auch deutschlandweit ist die Zahl der Erwerbslosen zurückgegangen.

dpa

Quelle: op-online.de

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