Arche als Rettungsanker

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Freude bei Kindern in Frankfurt-Griesheim: In der „Arche“ sollen sie ermutigt werden, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Frankfurt - 12.30 Uhr in der Berthold-Otto-Schule in Frankfurt-Griesheim: Die Unruhe bei der hungrigen Schar wächst - Schüler, die sich auf das warme Essen freuen. 110 Mahlzeiten werden kostenlos für die Grundschulkinder ausgegeben - und beinahe täglich wächst die Zahl der Interessenten. Von Peter Schulte-Holtey

Die Freude bei Daniel Schröder vom christlichen Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“ ist unübersehbar: „Wir sind erst vor wenigen Tagen in Frankfurt gelandet, aber bei den Kindern spricht sich das natürlich rasend schnell herum.“ Verwunderlich ist der große Zuspruch sicherlich nicht, denn die Mitarbeiter der „Arche“ haben viel zu bieten: Sie kämpfen gegen Kinderarmut, mit kostenlosem Mittagstisch - sowie präventiver Kinder- und Jugendarbeit.

Schröder und sein Team haben ihren Einsatzstart seit Monaten vorbereitet. Eine Zufluchtsstelle für arme Kinder soll es sein, genau wie in den „Arche“-Angeboten in anderen deutschen Großstädten. Gründer des vielfach ausgezeichneten Projektes ist Bernd Siggelkow, evangelischer Pfarrer und selbst Vater von sechs Kindern. 1992 tauschte er seine idyllische Pfarrstelle im Schwarzwald gegen die Jugendkirchenarbeit in einem der sozial härtesten Bezirke Berlins ein, in Hellersdorf. Gemeinsam mit seiner Frau begann er dann 1995 vernachlässigte Kinder zu betreuen, damals noch im heimischen Wohnzimmer. Heute werden bundesweit hunderte Kinder von „Arche“-Sozialarbeitern und Pädagogen betreut. Die Mädchen und Jungen bekommen Hilfe bei den Schulaufgaben, Musikunterricht, können spielen oder einfach nur reden.

20.000 Kinder unter 15 Jahren von Armut betroffen

Auf die Frage nach einer Konkurrenz zu Projekten von Wohlfahrtsorganisationen in Frankfurt antwortet Schröder: „Wir möchten unterstützen und unkompliziert helfen, dort wo Bedarf ist.“ Und er betont wie wertvoll der Einsatz in Griesheim ist: „In den Gesprächen mit der Berthold-Otto-Schule wurde deutlich, dass dort jedes dritte Kind keinen Platz in einem Hort hat. Aus diesem Grund hat uns die Schulleitung Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.“

Bernd Siggelkow, Gründer des „Arche“-Hilfswerks

Dass es in Frankfurt viel zu tun gibt für „Die Arche“, wird von niemandem bezweifelt. In der Stadt sind 20.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren von Armut betroffen, heißt es beim Jugendring. Eine bedrohliche Entwicklung, die auch im Kreis Offenbach längst spürbar geworfen ist; mehr als 8.000 Kinder leben dort von Arbeitslosengeld II.

Dabei wird immer wieder gefragt: Wo fängt denn Bedürftigkeit an? Wenn die Armut so groß ist, dass Kinder zuhause zu wenig zu essen bekommen, gehören zerrüttete Familienverhältnisse oft mit dazu, so die Erfahrung von Sozialarbeitern. Einige der betroffenen Mädchen und Jungen haben arbeitslose Eltern, die sozial verwahrlost sind, unfähig, für ihre Kinder zu sorgen, weil sie selber eine zerrüttete Jugend hinter sich haben. Oft ist es ein Teufelskreis: Das, was die jungen Eltern jetzt falsch machen, entspricht dem, was sie selber als Kinder erlebt haben.

„Ort sein, an dem Kinder Sorgen vergessen können“

Die Folgen sind prekär: Kinderarmut schränkt massiv Entwicklungschancen ein und zementiert Biografien. Sie wirkt sich auf die Gesundheit und Wohnverhältnisse aus; sie fördert aber auch soziale Ausgrenzung, etwa wenn Kinder aus Geldmangel nicht an Klassenfahrten teilnehmen können, keine Angebote von Ferienfreizeiten, Sportvereinen, Musikschulen oder für Ausflüge nutzen können. Hinzu kommen schlechtere Lern- und Bildungschancen, die verhindern, irgendwann aus Armut ausbrechen zu können.

„Arche“-Sprecher Schröder ist optimistisch: „Wir wollen auch in Frankfurt ein Ort sein, an dem die Kinder und Jugendlichen ihre Sorgen vergessen können, und wo sie viel Spaß und Freude mit anderen Kindern und den Mitarbeitern erleben.“ Das Ziel ist klar formuliert: „In der ,Arche’ sollen bedürftige Kinder gestärkt und dazu ermutigt werden, ihr Leben in die Hand zu nehmen und etwas aus sich zu machen.“ In seinen Berichten fällt immer wieder das Wort „Nestwärme“. Und er hat große Pläne: Ein eigenes Gebäude soll so bald wie möglich vor Ort gefunden werden, um das Betreuungsangebot weiter ausbauen zu können.

Die notwendigen Finanzspritzen fürs Frankfurter Projekt kommen vor allem von Bankern. Schröder: „Zur Zeit profitieren wir stark von einem Freundeskreis, der sich für die ,Arche’ gegründet hat. Dr. Martin Kohlhaussen, Ex-Vorstand der Commerzbank, und Graf Louis von Zech von der BHF Bank haben zusammen mit anderen Unterstützern die Finanzierung für die ersten drei Jahre sichergestellt. Neben diesem Freundeskreis sind wir auch immer auf der Suche nach Menschen, die uns neben der finanziellen Unterstützung auch aktiv mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Quelle: op-online.de

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