Architektonischer Grenzgänger

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Die Großmarkthalle im Frankfurter Osten, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1934, ist das bekannteste Bauwerk des Architekten Martin Elsaesser, der von 1925 bis 1932 künstlerischer Leiter des Hochbauamtes der Stadt Frankfurt war.

Frankfurt - Der Frankfurter Volksmund dichtete einst „Alles nei macht der May, alles besser Elsaesser“ und spielte dabei auch subtil auf das nicht immer einfache Verhältnis zweier Groß-Architekten an. Von Christian Riethmüller

In den späten 1920er Jahren sollten die beiden - Ernst May und Martin Elsaesser - aber zusammenarbeiten, um das vom damaligen Oberbürgermeister Ludwig Landmann initiierte „Neue Frankfurt“ zu errichten. Elsaesser wollte den nachgerade radikalen, von einem erzieherischen Impetus befeuerten Plänen Mays aber nicht folgen, was auch zu jener beruflichen Isolation innerhalb der Frankfurter Bauverwaltung beigetragen haben dürfte, die Elsaesser schließlich den Job kostete.

Vertreter von Architektur zwischen Tradition und Moderne

Doch verschwand Elsaesser nicht nur etwas hinter der starken Persönlichkeit Mays, auch sein Schaffen geriet in der architekturhistorischen Betrachtung im Vergleich zu May ins Hintertreffen. Dabei hat Elsaesser in Frankfurt einige Großbauten hinterlassen, die den äußerst begabten Baumeister spiegeln, dem es gelang modernste Bauweisen mit der Tradition zu verknüpfen. Deshalb gilt Elsaesser heute als wichtiger Vertreter einer moderaten, zwischen Tradition und Moderne vermittelnden Architektur.

Auf diese Aspekte weist nun eine Elsaesser und seiner Tätigkeit in Frankfurt in den Jahren von 1925 bis 1932 gewidmete Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum hin. Im Mittelpunkt der sehenswerten Schau stehen dabei jene elf Bauten, die tatsächlich während Elsaessers Frankfurter Zeit realisiert wurden, von denen die Großmarkthalle sicher das weithin bekannteste Gebäude ist. Doch von dem gebürtigen Tübinger (1884-1957) stammen auch so prägnante Bauten wie die Pestalozzi-Schule im Riederwald oder die Gustav-Adolf-Kirche in Niederursel.

Schulen, Krankenhaus und Schwimmbad

Insgesamt vier Schulen, ein psychiatrisches Krankenhaus oder das Hallenschwimmbad in Fechenheim zeugen von Elsaessers Bauphilosophie, der seine Könnerschaft und seine künstlerischen Ansprüche nicht verhehlte, aber darüber nicht die Umgebung und auch nicht die Bedürfnisse seiner Bauherren vergaß. Der Kirchenbau in Niederursel ist dafür ein Beispiel: Aus der Zeit heraus geschaffen, in Materialwahl und Bautechnik dem Industriebau folgend, verströmt er doch eine schlicht-feierliche Atmosphäre.

Die Schau „Martin Elsaesser und das Neue Frankfurt“ ist bis 14. März 2010 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, Schaumainkai 43, zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Do-So 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Die mit etlichen Modellen, Skizzen, Fotos, Filmschnipseln, aber auch Originalrelikten aus der entkernten Großmarkthalle aufwartende Ausstellung ist die zweite Veranstaltung des Kooperationsprojekts „Phänomen Expressionismus“ des Kulturfonds FrankfurtRheinMain. Vor allem Elsaessers markante Backsteinbauten gelten als Zeugnisse des Expressionismus in der Region.

Quelle: op-online.de

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