Auch ein Job verhindert Abrutschen nicht

Armut trifft immer mehr Hessen

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Offenbach - Die Armut in Deutschland nimmt weiter zu. So sind inzwischen auch immer mehr Bürger mit einem Job betroffen. Die Armutsquote hat laut Diakonie in Hessen mit 13,2 Prozent und deutschlandweit mit 16,1 Prozent einen Höchststand seit der Wiedervereinigung erreicht. Von Peter Schulte-Holtey

Auf die alarmierende Armuts-Entwicklung wird in einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ aufmerksam gemacht. Ende 2013 hätten bundesweit rund 3,1 Millionen Erwerbstätige ein Einkommen unterhalb der Armutsschwelle bezogen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine aktuelle Datenübersicht des Statistischen Bundesamtes. 2008 habe die Zahl noch bei 2,5 Millionen gelegen. Dies sei eine Steigerung um 25 Prozent.

Den Angaben zufolge konnten 379.000 der armutsgefährdeten Erwerbstätigen ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen, 417.000 verzichteten auf ein angemessenes Heizen. Rund 538.000 sparten beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen. Für jeden zweiten Betroffenen war schon ein einwöchiger Urlaub unbezahlbar. 600.000 verzichteten auf einen eigenen Pkw, weil sie sich ihn nicht leisten konnten. DGB-Vorstand Annelie Buntenbach sagte, der gesetzliche Mindestlohn werde nicht reichen, um Armut trotz Arbeit zu beseitigen. Nötig seien bessere Sozialleistungen. „Vielerorts explodieren die Mieten - deshalb muss dringend das Wohngeld angehoben werden.“ Höhere Sozialleistungen fordern auch Sozialverbände.

Die Diakonie sieht vor allem Arbeitslosigkeit und Niedriglohn als Hauptursachen von Armut in Hessen. Nach Berechnungen des Verbands waren Ende 2014 über 235.000 Menschen ohne Arbeit. Das sind 53.000 mehr als in der offiziellen Arbeitslosenstatistik, die bestimmte Personengruppen herausrechnet, zum Beispiel Arbeitslose, die älter als 58 Jahre sind oder sich in einer befristeten beruflichen Förderung befinden, aber selbst damit keine dauerhafte Perspektive im Berufsleben haben. Darüber hinaus arbeitet rund jeder fünfte Hesse im Niedriglohnbereich. Die meisten der von Armut Betroffenen gehören zur Gruppe der Hartz-IV-Bezieher; zwei Drittel sind dabei Kinder, Erwerbstätige im Niedriglohnbereich, Alleinerziehende oder Menschen, die Angehörige pflegen. Der Anteil der Menschen, die in Hessen in den letzten 20 Jahren von der gesellschaftlichen Teilhabe mehr und mehr ausgeschlossen werden, ist nach Angaben der Diakonie kontinuierlich gestiegen.

Jeder Fünfte in Deutschland von Armut betroffen

Jeder Fünfte in Deutschland von Armut betroffen

Als armutsgefährdet gilt, wer einschließlich aller staatlichen Transfers wie Wohn- oder Kindergeld weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens erzielt. Zuletzt lag diese Schwelle bei 979 Euro netto im Monat, für einen Vierpersonenhaushalt betrug sie etwa 2086 Euro.

Quelle: op-online.de

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