Vor allem Lage der Rentner macht Sorgen

Armutsrisiko in Hessen steigt weiter an

Frankfurt - Trotz guter Konjunktur wächst für die Menschen in Hessen die Gefahr, in die Armut abzurutschen, meint der Paritätische Wohlfahrtsverband. Auch die Diakonie in Hessen warnt: Arm sind immer öfter auch Menschen, die arbeiten.

Während sich in neun anderen Bundesländern die Armut verringere und die Gefährdung auch im Bundesschnitt leicht gesunken sei, halte in Hessen der negative Trend an, teilte der Verband mit. Der Hauptgrund sei der Arbeitsmarkt. Die sogenannte Armutsgefährdungsquote lag nach Angaben des Verbands in Hessen 2014 bei 13,8 Prozent, im Jahr zuvor seien es noch 13,7 Prozent und 2010 erst 12,1 Prozent gewesen. Im Bundesdurchschnitt habe die Quote 2014 zwar bei 15,4 Prozent und damit über dem hessischen Wert gelegen, sie sei aber um 0,1 Prozentpunkte leicht zurückgegangen. Das größte Armutsrisiko trügen Arbeitslose, Alleinerziehende, Kinderreiche, Schlechtqualifizierte, Ausländer und Rentner. Alarmiert zeigte sich Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider von der Lage der Rentner. Bei ihnen sei die Armut seit 2005 etwa zehnmal so stark gestiegen als beim Rest der Bevölkerung. „Es ist eine Armut, die sich zum Großteil ganz knapp oberhalb des Sozialhilfeniveaus bewegt.“

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Besserung ist nach Einschätzung des Verbandes nicht in Sicht, denn Teilzeitstellen und geringe Bezahlung führten automatisch auch künftig zu niedrigen Renten. Felix Blaser, Armutsexperte der Diakonie Hessen, erinnert im Interview mit unserer Zeitung daran, dass besonders viele Frauen betroffen sind. Gefährdet seien vor allem die, die jahrelang nur einen Minijob hatten. Unter den Bundesländern bleibt Hessen dennoch auf Platz drei hinter den Ländern mit der geringsten Armutsgefährdung, Baden-Württemberg (11,4 Prozent) und Bayern (11,5 Prozent). Regional stellte der Verband große Unterschiede fest: In Nordhessen liegt die Armutsquote mit 16,3 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt; in der Rhein-Main-Region beträgt sie nur 12,5 Prozent. „Auch in Hessen muss die Armut endlich gestoppt werden“, sagte der Landesgeschäftsführer des Verbands, Günter Woltering. Er fordert eine stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen und sehr großer Vermögen. Zentrale politische Aufgabe sei es, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Jeder Fünfte in Deutschland von Armut betroffen

Der Armutsbericht basiert auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Armutsgefährdet sind demnach alle, die in Haushalten leben, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. 2014 lag die Armutsschwelle für einen Singlehaushalt bei 917 Euro netto, für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern bei 1 926 Euro. Alle Menschen, die keinen eigenen Haushalt führen, wie Obdachlose, Bewohner von Pflegeheimen oder Flüchtlinge in Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften blieben unberücksichtigt.

dpa/psh

Quelle: op-online.de

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