Höchster Manufaktur setzt unter anderem auf den Export

„Asiaten verrückt nach Porzellan“

Frankfurt - Die Höchster Porzellanmanufaktur will moderner werden. Sie setzt auf den Export und nimmt Asien ins Visier. Von Axel Wölk 

Beim Gespräch über Porzellan fällt meist der Name Meißen. Doch auf die Landkarte der bedeutenden Porzellanmanufakturen gehört nicht ohne Grund auch Frankfurt-Höchst. „Wir sind die zweitälteste Porzellanmanufaktur Deutschlands“, sagt Geschäftsführer Jörg Köster stolz. Von der Qualität her könne es die Höchster Porzellanmanufaktur durchaus mit der berühmten Konkurrenz aus Sachsen aufnehmen. Zehn Minuten Fußweg vom Höchster Bahnhof entfernt firmiert das Traditionsunternehmen aus der Region, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1746 zurückgehen. In Höchst spielt sich das gesamte Unternehmensgeschehen ab. Produktion, Direktverkauf, Verwaltung – alles sitzt unter einem Dach. Der große Stolz der 20 Mitarbeiter ist die exklusive Handfertigung. Es handelt sich um eine gläserne Manufaktur, durch die regelmäßig Besuchergruppen geführt werden. Fachkräfte wie etwa Porzellandreher und -gießer stellen die hochwertigen Produkte her.

Gebrannt wird bei etwa 1 400 Grad. Für den Rohstoff, aus dem später Geschirr, Vasen, Schalen oder auch Schüsseln entstehen, gilt fast so etwas wie ein Reinheitsgebot: Hinein kommen nur Feldspat, Kaolin und Quarz. Dieser Porzellanmasse wird Wasser beigefügt. Im Prinzip funktioniert ein großer Teil der Fertigung dann wie beim klassischen Töpfern. „Es ist nur viel schwieriger“, gibt Köster zu bedenken. Porzellanware mit Hohlräumen – wie etwa bei Teekannen – wird dagegen in Formen gegossen. Seinen Fokus legt Köster auf Wohnaccessoires wie Schalen, Vasen oder auch Leuchter.

Teure Stücke von bis zu 2000 Euro

Im Hochlohnland Deutschland auf Handarbeit zu setzen, erfordert Mut. „Wir sind nicht preiswert“, räumt Köster ein. Die teuersten Stücke, die in den Verkaufsräumen hinter Vitrinenglas stehen, können den Porzellanliebhaber bis zu 2 000 Euro kosten. Einsteigerprodukte sind aber ab 20 Euro zu haben. Die Probleme, sich auf einem hart umkämpften Markt zu behaupten, kennt Köster nur zu gut. Im Jahr 2017 will der Unternehmensinhaber wieder schwarze Zahlen schreiben. Den Weg dahin hat er genau vor Augen: Export und Optimierung der Vertriebswege. „Die Asiaten sind verrückt nach Porzellan made in Germany.“ Nach Südkorea exportieren die Höchster bereits. China nehmen sie gerade in Angriff. Mittelfristig könnte auch Japan folgen. Ziel ist es, die Exportquote von momentan 25 Prozent kräftig zu steigern.

Die Vertriebskanäle sind der zweite Teil von Kösters Strategie. Jahrzehntelang dämmerte die Höchster Porzellanmanufaktur – die einzige in ganz Hessen – im Dornröschenschlaf vor sich hin. Die beiden Eigner Dresdner Bank sowie der Pharma- und Chemieriese Hoechst eigneten sich die Produkte des Unternehmens ganz praktisch als Geschenke für Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten an. Am Markt musste die Manufaktur eigentlich nicht bestehen. Die Fertigung konzentrierte sich auf Waren, wie sie im 18. Jahrhundert als modisch galten. „Wir brauchten dringend Produktentwicklung“, resümiert Köster. Das Unternehmen, das jährlich um die 1,3 Millionen Euro umsetzt, will nunmehr verstärkt den Zeitgeist treffen. Mit dem neuen Sortiment sollen die Vertriebskanäle des Einzelhandels möglichst effektiv genutzt werden. Für die nahe Zukunft haben die Höchster einen besonderen Clou vor: Dann können die Kunden das Design der von ihnen bestellten Porzellanware auch selbst bestimmen.

Alleinstellungsmerkmal der Höchster ist ihre Marke. Das Logo mit dem auffälligen „Mainzer Rad“ gehört zu den ältesten Markenzeichen, das sich bis jetzt in Deutschland erhalten hat. Gerade diese Tradition reizte den Marketing- und Vertriebsexperten Köster, die Firma zu kaufen, der er vorher bereits als Geschäftsführer diente. „Ich wollte mich schon immer selbstständig machen und hatte stets eine Branche gesucht.“ Vor kurzem hat Köster dann einen Investor mit an Bord genommen. Den Namen möchte er nicht nennen. Was dem Firmenchef wichtig ist: Es handele sich um einen finanzkräftigen Sammler von Porzellan, der auch bei der Entwicklung neuer Ideen mitmache.

Auf Rückenwind aus dem Frankfurter Rathaus können sich die Höchster laut Köster regelmäßig verlassen. Die Stadt erwerbe immer wieder Porzellan aus der Manufaktur. Die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth etwa habe einst den kompletten Römer mit Höchster Porzellan ausstatten lassen. Der Firmenchef dankt es der Politik und erklärt klipp und klar: „Wir werden niemals den Standort Frankfurt aufgeben.“ Das Historische Museum Frankfurt betreibt gar ein eigenes Porzellanmuseum mit Exponaten aus Höchst.

Sollte neuerlich ein Investor bei der Manufaktur einsteigen wollen, müsse der ein klares Bekenntnis zu den Mitarbeitern abgeben. Dass es bei den ehrgeizigen Expansionsplänen in Richtung Asien demnächst zu eng in der Manufaktur wird – insbesondere für die zwölf Handwerker in der Fertigung – sieht Köster zunächst einmal nicht. „Die Kapazitäten lassen sich erweitern.“

Quelle: op-online.de

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