Hessen passt sich dem Klimawandel an

Die Asiatische Tigermücke ist angekommen

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Ungebetener Gast: Durch den Klimawandel fühlt sich die Tigermücke im hessischen Ried wohl. 

Wiesbaden - Der Klimawandel scheint auch in Hessen unaufhaltsam - derzeit werden die Auswirkungen im Land von Behörden und Hochschulen untersucht. Die schwarz-grüne Regierung will in diesem Jahr noch Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen. Von Thomas Maier 

Die asiatische Tigermücke ist im hessischen Ried bereits angekommen: Fast unmerklich verändert das sich wandelnde Klima auch Hessens Fauna und Flora. Unbekannte Insekten tauchen auf, andere wie die kalte Gewässer liebende Bachforelle machen sich rar. Die Neuankömmlinge sind dabei meist weniger gern gesehen. So kann die Tigermücke Gelbfieber übertragen. Hessens Einwohner spüren derzeit aber vor allem, dass die höheren Temperaturen das Wetter verändern. Eher trockene Sommer wechseln sich mit nassen und milden Wintern ab. Künftig wird sich dieser Trend noch verstärken. Hinzu kommen oft Starkregen oder Stürme wie etwa im vergangenen Juli, als das Übertreten eines kleinen Bachs den ganzen Kurpark in Wiesbaden verwüstete.

Extreme Wetterereignisse werde es künftig immer öfter geben, sagt der Präsident des Landesamts für Umwelt und Geologie (HLUG), Thomas Schmid in Wiesbaden. Das vor sieben Jahren gegründete Fachzentrum Klimaschutz seiner Behörde stellt sich dort bis zum 20. Februar mit einer Ausstellung vor. Im vergangenen Jahr - dem wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen - lag der Durchschnittswert in Hessen erstmals bei über zehn Grad. Schmid rechnet damit, dass die Temperaturen in Hessen bis zum Jahr 2100 deutlich höher sein werden. Ein „Jahrhundertsommer“ wie 2003 mit wochenlanger Hitze sei dann eher der Normalfall. Eher pessimistisch ist er, ob das globale Ziel erreicht wird, den Temperaturanstieg bis 2050 auf zwei Grad zu begrenzen.

Klare Vorgaben gegen Treibhausgase

Zur Reduzierung der Klimakiller gibt es nach Ansicht Schmids aber keine Alternative. Bis 2050 müsse global 90 Prozent an CO2 eingespart werden, fordert er. In der Atmosphäre machen sich die Treibhausgase erst mit großer Verspätung bemerkbar. „Was wir momentan an Schadstoffen emittieren, wirkt sich in der Atmosphäre erst 2050 aus.“ Vom Klimaschutz, auf den sich Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag verpflichtet hat, war bisher von der neuen Landesregierung nicht viel zu hören. Ein Konzept werde aber in diesem Jahr erarbeitet, verspricht Lena Keul, die seit vergangenem Oktober im grün geführten Umweltministerium für den Klimaschutz zuständig ist.

Der Energiesektor und der Verkehr soll klare Vorgaben zur Verminderung der Treibhausgase erhalten. „Ohne Ziele geht es nicht“, sagt Keul. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben sich bis 2020 bereits eine Verminderung von 25 Prozent an CO2 im Vergleich zu 1990 vorgenommen. Das Umwelt-Landesamt untersucht derweil, wie sich Hessen am besten an den Klimawandel anpassen kann - etwa in der Stadtplanung. Zusammen mit den Städten Mainz und Wiesbaden werden die Auswirkungen der Klimaprojektionen auf die Entwicklung von Neubaugebieten untersucht. Auch die Stadt Frankfurt hat eine „Anpassungsstrategie“ entwickelt.

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In der Forstwirtschaft geht es darum, welche Bäume den Klimawandel verkraften und welche nicht, sagte Schmid. An der Hochschule Geisenheim wird zusammen mit Wissenschaftlern in Gießen und Marburg erforscht, wie sich der erhöhte CO2-Gehalt in der Luft auf Gemüse oder Reben auswirkt. Niemand wisse derzeit, wie der Wein oder das Radieschen der Zukunft schmecken werde, sagte Claudia Kammann, Professorin für Klimaschutzfolgen in Geisenheim. Es geht auch um die kleinen Veränderungen in den ökologischen Nischen: So wacht der Siebenschläfer derzeit in seinen Höhlen wegen des milden Winters früher auf - und macht sich dann über die ausgeschlüpfte Vogelbrut her, die bisher in Höhlen vor dem Nager sicher war. Bei der Bedrohung durch die Tigermücke gibt es immerhin weiter Hoffnung: Die Population im Ried gilt noch nicht als stabil.

dpa

Quelle: op-online.de

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