Fund der Hafen-Überreste verzögert Umbau

Attraktion ersten Ranges

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Blick auf Rententurm, Bernusbau (M.) und Burnitzbau des Historischen Museums.

Frankfurt - Der Um- und Neubau des Historischen Museums in Frankfurt dauert länger und wird teurer. Entsetzt ist deswegen aber niemand - schließlich ist diese Abweichung einer archäologischen Sensation geschuldet. Von Christian Riethmüller

Im Frühsommer dieses Jahres stießen Arbeiter bei den Aushubarbeiten für den Museumsneubau auf dem Römerberg auf Überreste des Flusshafens, der hier im Hochmittelalter (12. bis 14. Jahrhundert) direkt an den staufischen Saalhof anschloss. Dieser Fund musste selbstverständlich erhalten und deshalb auch die Planung für den Museumsbau modifiziert werden.

Wie Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums, am Donnerstag sagte, sind die Planungen nun abgeschlossen und sollen am 17. Januar dem Kulturausschuss präsentiert werden, bevor dann die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung das Vorhaben zu verabschieden hat. Bei Mehrkosten von 3,7 Millionen Euro soll das Bauvorhaben nun im Herbst statt im Frühjahr 2015 abgeschlossen sein. Bis Herbst 2016, so Gerchow, könnte dann das gesamte Museum mit seinem Sammlungsbestand von rund 630.000 Objekten eingerichtet sein.

Auf die Überreste des Flusshafens können Museumsbesucher gleich beim Eintritt ins Foyer einen fast fünf Meter tiefen Blick werfen. Multimedia-Stationen entführen den Betrachter in vergangene Zeiten und sollen die Bedeutung des Hafens für die Entwicklung der Stadt Frankfurt erklären.

Attraktive Außenzone

Die Freilegung der Hafenüberreste erfordern allerdings den Verzicht auf die komplette Überdachung des Innenhofs zwischen Bernusbau und (neuem) Nordflügel. Das Museum verliere deshalb zwar etwas Fläche, sagte Gerchow, gewinne aber eine „attraktive, begehbare Außenzone. Außerdem sei so auch von höheren Stockwerken der umgebenden Gebäude aus der Blick auf die Hafenüberreste möglich. Weil diese in Höhe des Grundwasserspiegels liegen, warnten Restauratoren und Denkmalpfleger vor einer Überbauung und rieten stattdessen zur freigelegten Variante, die den nötigen Luft- und Feuchtigkeitsaustausch gestattet. Die vermutlich im Jahr 1303 gefällten massiven Eichenbalken der einstigen Hafenmole müssen zwar konservatorisch behandelt werden, leiden nach Expertenangaben aber nicht unter den Witterungseinflüssen.

Das Historische Museum ist überzeugt, mit dem staufischen Hafen eine Attraktion ersten Ranges bieten zu können, hofft aber auch jetzt schon auf einen regen Besucherstrom, der die Fortschritte auf der Baustelle oder bereits fertiggestellte Gebäudeteile wie den sehenswerten Rententurm gegenüber des Eisernen Stegs begutachten will. Ausstellungen im nächsten Jahr beschäftige sich etwa mit den „Architekten Burnitz“, der „Sammlung Kotzenberg“ oder dem „Archipel Gastarbeiter“. Über diese und weitere Projekte informiert auch die kostenlose Schrift „Aura“, die an den Kassen der Museumsfamilie (Historisches Museum, Caricatura, Kindermuseum) erhältlich ist oder auf der Website des Museums bestellt werden kann.

Quelle: op-online.de

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