Deeskalieren, auffangen und unterstützen

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Dasa Szekely hat kürzlich ihr Werk „Gefühls-Inventur - Das Buch über mich“ veröffentlicht.

Frankfurt - Die Situation ist für Dasa Szekely ungewohnt. Normalerweise ist sie es, die sich Notizen macht. Doch heute soll die 47-Jährige einmal selbst erzählen.  Von Katharina Skalli

Die Frankfurterin steht vor ihrer Kaffeemaschine und wartet, bis sich die kleine gelbe Tasse in ihrer Hand mit dem tiefbraunem, dampfendem Espresso füllt. Wer zu ihr in den Coachingladen nach Sachsenhausen kommt, soll sich wohlfühlen. Für Dasa Szekely gehört eine Tasse mit gutem Kaffee dazu. Seit 2007 hat der Coach sein Büro in der Schulstraße 1, zwischen kleinen Designerläden, Bars und Pubs bietet sie unter anderem „Coaching to go“ - Lebensberatung in der Mittagspause oder wann auch immer Großstadtmenschen ihre Hilfe brauchen. Mit einer langwierigen Psychotherapie hat das wenig zu tun.

Schon eine halbe Stunde Coaching reiche manchmal aus, um neue Sichtweisen zu entdecken und damit auf neue Handlungsoptionen aufmerksam zu werden. Für den Perspektivenwechsel stehen auch die vielen leeren Bilderrahmen, die Dasa Szekely in ihrem Laden an die Wand gehängt hat. Auch am Schaufenster lassen unterschiedliche Rahmen, mal verschnörkelt, mal schlicht, einen Blick durch die Milchglasfolie zu. Wenn Klienten mal nicht weiter wissen, sollen sie ihr Problem oder ihre Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachten. „Schnell kommen sie dann selbst auf Lösungswege“, sagt die schlanke Frau und lächelt wissend.

Katastrophen haben in ihrem Leben keine Chance

Dasa Szekely beschreibt sich selbst als lösungsorientierten Menschen. Katastrophen haben in ihrem Leben keine Chance. Irgendwie fand die Absolventin der Hochschule für Gestaltung immer einen Weg. Keinen geradlinigen aber dafür einen umso spannenderen. Als sie einmal tatsächlich nicht weiter wusste, nahm sie selbst die Unterstützung eines Coachs in Anspruch und entdeckte ihr Talent fürs Zuhören und ihre Fähigkeit, Komplexes schnell zusammenzufassen. Dass musste sie auch als Texterin bei Jung von Matt. Ihre jetzige Tätigkeit hat nichts mehr mit Werbung zu tun. Statt Strategien zu entwickeln und Produkte zu vermarkten, sortiert sie die Gedanken und Gefühle von Menschen.

„Coaching ist ein Luxus, aber mittlerweile ein notwendiger“, sagt die Tochter italienisch-ungarischer Eltern. „Was ich hier mache, ist wichtig!“, sagt sie. „Weil die Gesellschaft immer mehr vom Einzelnen fordert und gleichzeitig immer weniger Anlaufstellen bietet, die Menschen auffangen.“ Die Hemmschwelle, sich von einem Coach beraten zu lassen, ist niedriger als die, zum Psychologen zu gehen. Dasa Szekely findet ohnehin, dass vielen Menschen oft mit ein paar Coachingsitzungen mehr geholfen wäre als mit einer langwierigen Therapie. Immer vorausgesetzt, der Mensch ist gesund. Sie hilft ihren Klienten in akuten Krisensituationen, arbeitet aber auch prophylaktisch.

„Die Deutschen sind sehr verschreckt“

Zu ihr kommen Abiturienten, die nicht wissen, was sie studieren sollen, gestresste Hausfrauen, unzufriedene Arbeitnehmer, mit dem großen Traum von der Selbständigkeit sowie Führungskräfte und Manager. Einigen fehle es an den nötigen sozialen Kompetenten, andere fühlten sich gefangen in Mustern und Verhaltensweisen. Häufig geht es in den Gesprächen, die meistens in einem kleinen Raum in Zweiersitzungen geführt werden, auch um die Frage „Freiheit oder Sicherheit“. Als Selbstständige kennt auch Dasa Szekely die Vor- und Nachteile.

Während sie selbst recht entspannt mit Zweifeln umgehen kann, plagen ihre Klienten oft extreme Ängste. „Die Deutschen sind sehr verschreckt“, sagt sie. Sie selbst gibt den Dingen eine Chance und sieht nicht immer gleich das Schlechte. Außerdem weiß sie: „Schlimme Dinge gehören zum Leben.“ Vor Menschen die wirkliche Dramen erleiden, hat sie großen Respekt. Wer zu ihr kommt, erhofft sich oft simple Ratschläge, doch der Coach will die Menschen dazu bringen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Sie geht individuell auf die Menschen die zu ihr kommen ein. Die Klienten nehmen in anthrazitfarbenen Sesseln mit bunten Kissen statt und dürfen erst mal erzählen.

Ausfüllen von Formularen ist die Lieblingsmethode

Weil Dasa Szekely kreativ ist, wird auch mal gemalt oder in eine Rolle geschlüpft. Eine ihrer Lieblingsmethoden ist aber das Ausfüllen von Formularen. Damit hat sie kürzlich ein ganzes Buch bestückt. „Gefühls-Inventur – Das Buch über mich“ heißt ihr Werk, das sich an sowohl an Menschen richtet, die vor ihrem ersten Besuch bei einem Coach stehen als auch an diejenigen, die erst einmal alleine einen intensiveren Blick auf ihr Innerstes werfen möchten. Der Coachingladen ist bestückt mit Schönem. Eine Mischung aus Sperrmüll-Fundstücken, jungem Design und Selbstgestaltetem füllt die drei Räume. An den Wänden hängen die leeren Rahmen, ein Flipchart und zwei große Tafeln.

Ein wenig hat die Coachingzentrale etwas von einem Klassenzimmer. Auf dem Schreibtisch der Expertin stehen eine Thermoskanne, Äpfel und ein Globus. An der Tafel klemmt ein kleiner Schwamm, der an vergangene Zeiten im Klassenzimmer erinnert. Mit ihrer „Schule des Lebens“ würde sie am liebsten die ganze Welt verbessern. „Ich sehe meinen Laden als eine Keimzelle“, sagt sie. „Wenn ich in einzelnen Leben etwas verändern kann, trägt sich das weiter.“

Eine Sitzung bei Dasa Szekely kostet 80 bis 120 Euro - je nach Einkommen des Klienten. Das Erstgespräch ist kostenlos. Im Schnitt kommen Menschen vier bis sechs Mal. Informationen gibt es im Internet.

Quelle: op-online.de

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