Frankfurter Tiertafel

Auch Rocky bekommt sein Futter

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Gertrud Hellwig (78) aus Offenbach sitzt mit ihrem Hund Rocky in Frankfurt im Wartezimmer der Frankfurter Tiertafel.

Frankfurt - Sie füttern viele hungrige Mäuler: Das Team der Frankfurter Tiertafel verteilt jeden Monat tonnenweise Futter an Tierbesitzer, die sich die Verpflegung ihrer Lieblinge nicht mehr leisten können. Damit hilft die Tafel Mensch und Tier.

Geschäftiges Treiben im Lager der Frankfurter Tiertafel: Katja Hensel packt Nass- und Trockenfutter für Katzen in eine Einkaufstüte. Noch viele Tüten wird die 36-Jährige heute füllen. Allein an diesem Samstag erwartet die Tiertafel 200 Tierbesitzer aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Nach dem Vorbild der Tafeln, der kostenlosen Essensausgabe für Arme, wurde die Frankfurter Tiertafel 2007 gegründet. Sie ist eine von zwei Einrichtungen ihrer Art in Hessen. Insgesamt 25 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich hier regelmäßig. In Gießen gibt es noch eine weitere, kleinere Futtermittelausgabe.

Kostenloses Tierfutter gibt es allerdings nicht für jeden

Die 29 Jahre alte Offenbacherin Anita H. kommt seit drei Jahren regelmäßig in die Frankfurter Tiertafel. Früher konnte sie das Futter für ihre zwei Hunde problemlos bezahlen. Ihr Mann hat als Selbstständiger genug verdient. Nach einem Arbeitsunfall war für ihn an Arbeit nicht mehr zu denken, sie selbst ist arbeitssuchend. „Ich bin heilfroh, dass ich hier herkommen kann“, sagt sie.

Kostenloses Tierfutter gibt es allerdings nicht für jeden. Die Mitarbeiter der Tiertafel achten streng darauf, dass nur Bedürftige etwas bekommen. Wer Futter möchte, muss sich registrieren und seine Bedürftigkeit nachweisen, zum Beispiel mit einem Frankfurt-Pass oder Hartz-IV-Bescheiden. Allerdings: Wer arbeitslos wird und sich aus Langeweile einen Hund anschafft, hat keine Chance, Futter von der Tiertafel zu erhalten. „Wir unterstützen keine Neuanschaffungen“, stellt Conny Badermann, Vorsitzende der Frankfurter Tiertafel, klar.

„Manche wären schon tot, wenn sie ihr Tier nicht hätten“

Rocky ist eigentlich immer mit dabei. Heute hat er einen neuen Regenmantel geschenkt bekommen, denn bei der Frankfurter Tiertafel gibt es nicht nur Futter, sondern bei Bedarf auch Haustierzubehör. Der 13 Jahre alte Mischlingshund gehört Gertrud H. Die 78 Jahre alte Offenbacherin ist eine Nachbarin von Anita H. Die 29-Jährige hilft der älteren Dame, die schwere Tasche mit Hundefutter nach Hause zu bringen. Auch Gertrud H. ist auf die Hilfe der Tiertafel angewiesen, ihre kleine Rente reicht kaum zum Leben. Ein Leben ohne Hund, sagt sie, könne sie sich gar nicht vorstellen.

„Für viele ältere Menschen ist das Haustier ihr Lebensinhalt. Manche wären schon tot, wenn sie ihr Tier nicht hätten“, meint Badermann. Auch für viele Hartz-IV-Empfänger wäre es schlimm, wenn sie ihre Tiere abgeben müssten. „Die kämen dann gar nicht mehr vor die Tür“, meint Badermann. „Das Schöne an der Arbeit hier ist: Man hilft beiden, Mensch und Tier“, betont Katja Hensel. Sie hat selbst zwei Katzen zu Hause. Vor zwei Jahren hat sie Katzenfutter, das ihre beiden Haustiger nicht fressen wollten, der Tiertafel geschenkt. Seither packt sie regelmäßig bei der Ausgabe mit an.

Pro Monat gibt die Tiertafel in Frankfurt etwa fünf Tonnen Futter aus. Die Spenden kommen von großen Futtermittelherstellern und Zoogeschäften, aber auch von Menschen wie Maria Greile. Zusammen mit ihrem Mann hat die 48-Jährige ordentlich eingekauft, nun beladen die Mitarbeiter der Tiertafel einen Einkaufswagen mit Futter. „Wir spenden mindestens viermal im Jahr“, sagt Greile. Von dem Projekt der Tiertafel ist sie begeistert. Dadurch werde verhindert, dass Tiere nur aus Kostengründen ins Tierheim kämen.

Jedes Tier soll entsprechend seinen Bedürfnissen versorgt werden. Deshalb hat die Tiertafel auch Spezialfutter auf Lager, etwa für nierenkranke Hunde oder Katzen mit sensiblem Magen. Das ist besonders teuer. „Wenn wir das ganze Futter, das wir ausgeben, kaufen müssten, würde das etwa 7000 Euro monatlich kosten“, rechnet Badermann vor. „Das könnten wir nie bezahlen.“

Trotz vieler Spenden werden die Vorräte manchmal knapp. „Wir leisten in der Regel keine Vollversorgung“, sagt Hensel. „Dafür sind unsere Kapazitäten zu gering.“ Die meisten Tierbesitzer erhalten Vorräte für etwa zehn Tage. Den Rest müssen sie sich dazu kaufen. Kranke Tiere bekommen jedoch das teure Spezialfutter gleich für zwei Wochen mit.

dpa

Quelle: op-online.de

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