Prominent besetzt und überaus unterhaltsam

„Aufguss“ in der Frankfurter Komödie: Frech-frivoles Feuerwerk

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Reden gekonnt aneinander vorbei: Hugo Egon Balder, Jeanette Biedermann und René Heinersdorff

Frankfurt - Es gibt mitunter nichts Schöneres, als sich an Missverständnissen zu weiden. Erst recht, wenn diese in der Doppeldeutigkeit eines Wortes begründet sind, das sehr unterschiedliche Assoziationen weckt. Von Maren Cornils

Das muss sich auch René Heinersdorff gedacht haben, als er „Aufguss“ schrieb, eine frivole Boulevardkomödie, in der es um das Thema Samenspende geht. Die nämlich offeriert Dieter, bindungsscheuer Multimillionär aus der Waschmittelbranche, seiner Lebensgefährtin Mary in einem schicken Wellnesshotel. Ein Geschenk, das keinesfalls selbstlos ist, denn Dieter hat sich, was er Mary verheimlicht hat, schon Jahre zuvor für eine Sterilisation entschieden und möchte die Langzeitfreundin über dieses vermeintlich großzügige Entgegenkommen loswerden. Kurzerhand hat er dafür Fitnesstrainer Alain alias „The Brain“ engagiert, der ihm einen Gefallen schuldet und Mary noch im Hotel beglücken soll. Nur, dass der durchtriebene Strippenzieher dabei nicht mit den anderen Gästen gerechnet hat.

Denn wissend, dass sich Dieter in diesem Hotel einquartiert hat, hat dort auch Lothar Logis genommen: Leiter einer Kinderklinik, der auf eine weitere Spende des großzügigen Förderers seines Hauses hofft. Begleitet wird er von Emilie, seiner Assistentin, die wiederum eine Affäre mit Dieter hat. Und damit nehmen eine Menge Missverständnisse ihren Lauf: Mary hält Lothar für den Samenspender, Emilie fordert „The Brain“ unmissverständlich auf, für einen guten Zweck zu spenden und Dieter hat alle Hände voll zu tun, seine Affären auseinanderzuhalten. Was er nicht weiß, ist, dass auch Mary und Alain sich bestens kennen und dass eine Schwangerschaft längst nicht mehr zur Disposition steht …

RTL-Urgestein Hugo Egon Balder gibt den windigen Hallodri mit übergroßem Ego in Badelatschen und Saunakluft - und er füllt die Rolle des Gönners perfekt und mit viel Selbstironie aus. Überhaupt sind die Männer in diesem Stück von Heinersdorff, der bei „Aufguss“ als verpeilter Gutmensch Lothar glänzt und selbst Regie führte, die eindeutig Dominanteren. Es ergeben sich wunderbare Missverständnisse wie in Emilies Spenden-Akquisitionsgespräch mit „The Brain“, der Lothars Assistentin für seine Kundin hält. Ganz locker wird da über Handarbeit, das „Abdrücken“ und einen reichen Kindersegen gesprochen, wobei alle Beteiligten dabei gekonnt aneinander vorbeireden. Da flüstert Emilie - mit Jeanette Biedermann als attraktivem grauem Mäuschen gut besetzt - „The Brain“ zu, dass es schließlich auch Freude bereiten solle, abzudrücken und zückt schonmal eifrig das Scheckbuch, während ihr Gegenüber verschämt an seinem Badelaken herumzupft. Und Klinikchef Lothar prahlt Mary gegenüber damit, er habe schon viele Kinderbettchen füllen können.

Ein frech-frivoles Feuerwerk der Zweideutigkeiten, das mehr als zwei Stunden bestens unterhält. „Aufguss“ fügt sich als moderne Beziehungskomödie nahtlos an „Achtung, Deutsch!“, mit dem die Komödie erst vor kurzem bewies: Junge deutsche Boulevard-Autoren können Klassikern wie Neil Simon durchaus das Wasser reichen. Noch bis 13. Dezember in der Frankfurter Komödie, Neue Mainzer Straße 14-18. Karten gibt es unter Tel.: 069/284580.

Quelle: op-online.de

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