„Dachte an Londoner Anschläge“

Aufmerksame Baumarkt-Verkäuferin verhindert möglichen Anschlag

Frankfurt - Was da im Einkaufswagen liegt, macht die Angestellte eines Baumarkts stutzig. Sie schaltet die Polizei ein und verhütet damit möglicherweise einen Anschlag. Vor Gericht schildert sie den Fall.

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Drei große Flaschen Wasserstoffperoxid in hoher Konzentration: Der Verkäuferin eines Frankfurter Baumarktes erschien der Einkauf eines Ehepaares im März vergangenen Jahres so verdächtig, dass sie am Abend die Kriminalpolizei verständigte. „Ich dachte an die Anschläge von London und wollte deshalb andere entscheiden lassen, ob der Einkauf gefährlich ist“, sagte die 35 Jahre alte Diplom-Biologin und Baumarktangestellte heute vor dem Landgericht Frankfurt. Sie sagte dort als Zeugin im Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten aus Oberursel aus. Ihr Anruf setzte eine umfangreiche Observation des 36 Jahre alten Kunden in Gang und führte schließlich zu dessen Festnahme Ende April. Das am 1. Mai geplante Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Normalerweise werde die Chemikalie zur Pflege von Gartenteichen benutzt, erklärte die Zeugin vor Gericht. „Teichbesitzer, die so etwas kaufen, haben normalerweise aber auch andere Teichutensilien im Wagen. Man kennt schließlich seine Leute“, sagte die Verkäuferin.

Nicht nur der ansonsten leere Einkaufswagen und die hohe Konzentration der Chemikalie von 19,9 Prozent, sondern auch die große Menge seien ihr verdächtig vorgekommen. „Nur eine Flasche reicht für vier bis fünf Monate, das muss dann schon ein sehr großer Teich gewesen sein“. Der Angeklagte hatte beim Kauf des Mittels einen falschen Namen angegeben und als Verwendungszweck „Teichpflege“. Dem 36-jährigen Deutsch-Türken wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last gelegt. In der Wohnung des Verdächtigen fand die Polizei eine mit Nägeln gefüllte Rohrbombe, Teile eines Sturmgewehrs, eine Übungsgranate und Chemikalien. Eine andere Verkäuferin im Markt sagte im Zeugenstand, sie habe sich von dem Kunden nicht den Personalausweis zeigen lassen, weil dies nicht vorgeschrieben sei. Nach Aussage der Diplom-Biologin aber reagierte die Geschäftsleitung mittlerweile auf den Vorfall, indem sie Wasserstoffperoxid in derart hoher Konzentration ganz aus dem Sortiment genommen habe.

Bilder: Auftakt im Prozess gegen mutmaßlichen Islamisten

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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