Aufregung um das Carolinum

Frankfurt (isi) - Das Carolinum kriecht auf dem Zahnfleisch. Dieses Bild drängt sich angesichts der Probleme des zahnmedizinischen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt fast von selbst auf.

Die finanzielle Lage des Zentrums der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZZKM) ist dem Vernehmen nach äußerst angespannt, der Landeszuschuss von mindestens 7,435 Millionen Euro jährlich reicht nicht aus für den Betrieb. Die das Institut betreibende Stiftung Carolinum sieht sich kaum mehr in der Lage, die Verluste auszugleichen, ohne das Vermögen der am 16. Oktober 1890 von Freifräulein Hannah Louise von Rothschild gegründeten Stiftung zu gefährden.

Doch nicht nur die finanzielle Situation ist angespannt. Zu viele Studierende balgen sich um Seminarplätze und Arbeitsmöglichkeiten in den Laboren des merklich in die Jahre gekommenen Institutsgebäudes, das auf dem Campus Niederrad neben dem Universitätsklinikum liegt. Eigentlich für etwa 80 Zahnmedizin-Studenten pro Jahr angelegt, muss das Institut nun nach einem Verwaltungsgerichtsurteil 127 Studierende jährlich aufnehmen - immer mehr angehende Zahnmediziner hatten sich einen Studienplatz auf dem Klageweg erstritten.

Finanzielle Mittel fehlen um Mängel auszugleichen

Für die fehlt es nun aber an Platz, Gerätschaften und wissenschaftlichem Personal. Dieser Mangel dürfte kaum auszugleichen sein, weil schlicht die finanziellen Mittel fehlen. Nicht zuletzt deshalb wird über die Zukunft des Carolinums nachgedacht, das nicht nur eine bedeutende Rolle in der Ausbildung künftiger Zahnärzte spielt, sondern gerade an den Wochenenden eine wichtige Anlaufstelle als zahnärztlicher Notdienst in der Region spielt. Im Raum steht nun eine mögliche Überführung des Betriebs in eine gemeinnützige GmbH, aus der die Stiftung sich dann zurückgezogen hätte. Eine GmbH kann allerdings in eine Insolvenz-Situation geraten oder sich aus Tarifverträgen verabschieden.

Das Carolinum einfach dem Fachbereich Medizin an der Goethe-Universität zu unterstellen, scheint ebenfalls schwierig - nicht allein wegen möglicher Verletzung von Stiftungsstatuten, sondern auch wegen der Verluste, die das Institut schreibt und die der ebenfalls Sparzwängen unterworfene Fachbereich nicht tragen will und kann.

Die ungewisse Zukunft ihres Instituts hat nun Beschäftigte und Studierende veranlasst, das Aktionsbündnis „ProCarolinum“ zu gründen, das vor allem fordert, an den Entscheidungsprozessen beteiligt zu werden und sowohl vom Wissenschaftsministerium in Wiesbaden wie auch von der Universitätsleitung Informationen zu erhalten, wie es mit der Zahnmedizin in Frankfurt weitergehen soll. Das Bündnis schlug gestern einen runden Tisch aller Beteiligten vor.

Quelle: op-online.de

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