Hessische Hochschulen haben unterschiedliche Strategien zur Vermeidung von Plagiaten

Aufrüsten gegen Abschreiber

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Körper des Wissens: Jaume Plensas Skulptur „Body of Knowledge“ auf dem Frankfurter Westend-Campus Foto: dpa

Frankfurt - Koch-Mehrin, Schavan, zu Guttenberg: Die Plagiats-Affären bekannter Politiker haben die Wissenschaft sensibilisiert. Viele Hochschulen wollen strenger hinschauen, bevor sie einen Titel verleihen. Auch in Hessen wird aufgerüstet - aber eher mit weichen Waffen. Von Sandra Trauner

Wenn es ums Abschreiben geht, ist das Internet Fluch und Segen zugleich: Es ist leichter geworden, Textstellen für eine wissenschaftliche Arbeit zu finden und zu kopieren. Doch es ist auch einfacher geworden, solche Betrugsversuche zu enttarnen. Viele Hersteller bieten inzwischen Plagiatserkennungs-Software an. An den hessischen Hochschulen werden sie bislang aber nicht flächendeckend eingesetzt.

FRANKFURT : An der Goethe-Universität wird Plagiatssoftware in großen Fachbereichen wie Rechtswissenschaft seit Jahren genutzt. Von einer flächendeckenden Einführung solcher Technik hält die Goethe-Uni nichts. „Gute Wissenschaft basiert stets auf einem Vertrauensverhältnis“, sagt Sprecher Olaf Kaltenborn. An Hessens größter Hochschule wurde aber die Rahmenpromotionsordnung geändert: Wer einen Doktortitel erwerben will, muss eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben und versichern, „sich an die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu halten“. Plagiatsfälle gab es zuletzt keine.

GIESSEN : An der Justus-Liebig-Universität bekommen ab dem Wintersemester alle Studierenden bei der Einschreibung - gegen Unterschrift - ein Merkblatt. In dem Flyer werden die Grundsätze beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten erläutert, auch das Thema Plagiate wird dort behandelt. Die Uni Gießen wird Erkennungs-Software einsetzen, berichtete Sprecherin Caroline Link. Wo genau und in welchem Umfang, ist noch nicht entschieden. Anfang 2012 gab es in Gießen einen Plagiatsfall.

KASSEL : An derUniversität Kassel gibt es schon seit 2011 eine „Untersuchungskommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“, die über Verdachtsfälle berät. Darüber hinaus gibt es Vertrauenspersonen, an die sich Hochschulangehörige wenden können, wenn sie einen Kollegen im Verdacht haben, unsauber zitiert zu haben. Wie mit der Gefahr von Plagiaten umgegangen werde, liege „weitestgehend in der Verantwortung der Fachbereiche“, sagte Sprecher Karl Guido Rijkhoek. Die Studiendekane hätten sich gegen eine uniweite Lösung ausgesprochen, unter anderem, weil sich viele Softwarelösungen in Tests nicht bewährt hätten.

MARBURG : Die Philipps-Universität checkt alle Arbeiten „im Zuge der Prüfungsbewertung“, wie Sprecherin Gabriele Neumann erklärte. Dabei kämen hin und wieder technische Hilfsmittel zum Einsatz. Plagiatserkennungs-Software jedoch werde nicht benutzt. „Es gibt zwar eine Vielzahl von Produkten, aber auch eine Vielzahl von Problemen, die damit verbunden sind“, etwa bei Zuverlässigkeit oder Datenschutz. 2012 gab es in Marburg zwei neue Verdachtsfälle, die noch geprüft werden. In den vergangenen zehn Jahren wurden vier Doktortitel entzogen.

DARMSTADT : An der Technischen Universität wurde keine zentrale Software angeschafft. „Wir sind der Auffassung, dass man nicht technisch aufrüsten sollte, um die Misstrauenskultur zu befördern“, sagte Sprecher Jörg Feuck. „Wir wollen den umgekehrten Weg gehen und für ein sauberes Arbeiten und ein Klima des Vertrauens werben.“ Die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge seien ohnehin weniger gefährdet. Für die Abschlussarbeit müssten die Studierenden eigene Versuche oder Messreihen machen, „da kann man gar nicht abpinnen“. 2012 gab es keinen Verdachtsfall.

Seit prominente Plagiatoren am Pranger standen, seien die Hochschulen aufmerksamer geworden, sagen viele. Die Erkenntnis, dass man mit einem Plagiat noch nach vielen Jahren auffliegen könne, habe durchaus „einen abschreckenden Effekt“, glaubt nicht nur der Sprecher der Goethe-Universität. dpa

Quelle: op-online.de

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