Aufruhr in den Kliniken

Hunderte bei Protestaktionen gegen Personalmangel

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Berlin/Offenbach - Es gibt kaum Zweifel: Viele Krankenhäuser haben zu wenig Personal. Die Klinken in der Region haben nun auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

Ob in Offenbach, Hanau oder Langen: Hunderte von Beschäftigten haben in vielen Kliniken der Region gestern gegen den Personalmangel demonstriert. Aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi, nach deren Berechnungen bundesweit 162.000 Mitarbeiter in den Krankenhäusern fehlen. Beispiel Langen: Betriebsratsvorsitzender Martin Schwärzel beklagt an der Asklepios Klinik „eine enorm hohe Arbeitsverdichtung“. Da von den Krankenkassen nicht ausreichend Geld für eine angemessene Betreuung der Patienten zur Verfügung gestellt werde, würden die Krankenhäuser beim Personal sparen. In Langen werde mit der absoluten Mindestbesetzung gearbeitet, so Schwärzel: In der Frühschicht vier ausgebildete Pflegekräfte pro Station, in der Spätschicht drei. Und nachts sei gar nur eine Krankenschwester für 32 Patienten da. Schwärzels Forderung: „Nachts müssen es mindestens zwei Pflegekräfte sein.“

Im Sana-Klinikum in Offenbach sind sich Geschäftsführung und Betriebsrat einig, dass auf die bundesweite Personalnot aufmerksam gemacht werden muss. Geschäftsführer Sascha John prophezeit, dass sich die jetzige Situation noch durch die geplante Klinikreform verschärfen wird. Er befürchtet, dass durch die geplante Maßnahme wie etwa Leistungskürzungen noch einmal 500 Millionen Euro in den Kassen der Krankenhäuser fehlen werden und damit die Anforderungen ans Personal weiter steigen. Auch werde es so immer schwieriger, „Nachwuchs für den Pflegeberuf zu begeistern“.

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Verdi hatte zu der Protestaktion mit Blick auf die in Bad Dürkheim tagenden Gesundheitsminister von Bund und Ländern aufgerufen. Den Ministern wurde von der Gewerkschaft ein „Bad Dürkheimer Appell“ übergeben, in dem die Politik zur Problemlösung aufgefordert wird. Bislang hätten die Gesundheitspolitiker nicht erkennen lassen, dass sie die Personalengpässe in den Kliniken tatsächlich ernst nehmen, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler: „Wer den Mangel kennt und nichts dagegen tut, nimmt die Gefährdung von Patienten wissentlich in Kauf.“ Bühler forderte ein Gesetz für eine verbindliche Personalvorgabe in den Kliniken sowie eine sichere Finanzierung. Das von der Bundesregierung geplante Krankenhausstrukturgesetz reiche nicht ansatzweise aus.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Thomas Reumann, erklärte, die Krankenhäuser müssten gut bezahlte und attraktive Arbeitsplätze bieten können. „Im krassen Widerspruch dazu stehen viele der vorgesehenen Neuregelungen zur Krankenhausfinanzierung.“

ad

Quelle: op-online.de

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