Aufs richtige Gleis gehoben

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aurelis-Geschäftsführer Joachim Wieland präsentiert den Lageplan für das Europaviertel in Frankfurt.

Frankfurt - Von oben sieht die Welt ganz anders aus. Wer vom 15. Stock der Zentrale der Deutschen Bahn in Frankfurt Richtung Westen blickt, schaut auf eine weite Brache. Von Christian Riethmüller

Vor gut zehn Jahren rangierte die Bahn hier noch Güterzüge und verlud Fracht. In spätestens einem Jahrzehnt wird man von dieser Vergangenheit nichts mehr ahnen. Dann dürfte eine der größten innerstädtischen Konversionsflächen Europas in ein neues Frankfurter Stadtquartier verwandelt worden sein: das Europaviertel.

Die Weichen für die künftige Nutzung der großen, zwischen Messe - und Rebstockgelände gelegenen Freifläche werden schon seit einigen Jahren gestellt. Mittlerweile ist auch die Entwicklung im Wesentlichen - um im Bild zu bleiben - aufs Gleis gehoben. Wie das für die Vermarktung des Geländes zuständige Projektentwicklungsunternehmen aurelis Real Estate Management, die Stadt Frankfurt und weitere Projektgesellschaften gestern in Frankfurt mitteilten, sind derzeit fast Dreiviertel des Baulands von 303 000 Quadratmetern (netto) verkauft. Etwa 80 000 Quadratmeter Bauland stehen noch zur Verfügung, für die es den Angaben nach schon Interessenten gibt. Die Verhandlungen sind laut aurelius im „fortgeschrittenen“ Stadium. Insgesamt dürfte das Investitionsvolumen bei 1,3 Milliarden Euro liegen.

Das citynah und sehr verkehrsgünstig gelegene Europaviertel wird den Vorstellungen der Stadtplaner gemäß „Menschen und Wirtschaft zusammenbringen“. Ein Viertel der Flächen ist für Wohnungen vorgesehen, ein Viertel für Büros und Geschäfte, ein Viertel für Grünanlagen und ein Viertel für die Messe, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Frankfurter Rangierbahnhofs bereits erweitern konnte.

Den Eingang zu dem neuen Stadtquartier markiert das von Christoph Mäckler entworfene Hochhaus Tower 185, das in diesem Jahr weitestgehend fertiggestellt werden soll. Hinter diesem Wolkenkratzer führt die Europa-Allee hinein in das neue Quartier. Diese Straße wird eine Art Achse des Viertels bilden. Längs dieser Achse wird dann auch einmal die U-Bahn-Linie führen. Die Linie U 5, die derzeit noch am Hauptbahnhof endet, wird ab 2013 in Richtung Galluswarte verlängert. Der U-Bahnbau wird voraussichtlich im Jahr 2017 abgeschlossen sein. Dann wird man in zwei Minuten vom Europaviertel zum Hauptbahnhof und in sechs Minuten zum Römerberg gelangen können.

Diese gute Anbindung spräche auch für das Quartier als möglichen Standort des von der Stadt geplanten Behördenzentrums, über das noch vor der Kommunalwahl am 27. März entschieden werden soll. Doch weder der zuständige Stadtrat Edwin Schwarz (CDU) noch aurelis-Geschäftsführer Joachim Wieland wollten solchen Mutmaßungen Nahrung geben.

Gesichert ist hingegen der Bau von vier größeren Wohnquartieren. Rund 10 000 Menschen sollen einmal im Europaviertel wohnen, in dem gut 30 Prozent der Wohnflächen für öffentlich geförderte Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen werden. Das im Westen des Geländes gelegene Quartier „Helenenhöfe“ wird hier mit etwa 450 Wohneinheiten das größte Projekt in diesem Bereich sein. Hinter diesem Quartier werden außerdem eine Schule und Kindergärten errichtet.

Größere Brieftaschen sind beim Quartier „Parkend“ oberhalb des zentralen Europagartens gefragt. Hier werden insgesamt 800 Eigentumswohnungen im gehobenen und im Luxus-Segment errichtet.

Neben insgesamt etwa 3800 Wohnungen und dem Park, der bereits diesen Sommer eröffnet werden soll, wird das Europaviertel den Planungen zufolge auch reichlich Büroflächen bieten. 32 000 Menschen sollen einmal hier arbeiten. Hinzu kommen außerdem vielfältige Einkaufsmöglichkeiten für Bewohner wie Besucher. Besonderer Anziehungspunkt soll dabei das als Einkaufs- und Kongresszentrum konzipierte Skyline Plaza sein. Der Baubeginn für den Konsumtempel ist für dieses Jahr vorgesehen.

Quelle: op-online.de

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