Versuchter Terroranschlag auf Radrennveranstaltung

Mutmaßlicher Islamist schweigt zum Prozessauftakt

+
Der mutmaßliche Islamist Halil D. (r) betritt das Landgericht in Frankfurt. Neben ihm steht sein Verteidiger Ali Aydin (l).

Frankfurt - Mit viel Polizei und strengen Einlasskontrollen hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten aus Oberursel begonnen. Ob er einen Terroranschlag auf das populäre Radrennen durch den Taunus plante, soll voraussichtlich bis Juni geklärt werden.

Als die Staatsschutzkammer am ersten Verhandlungstag den Saal II E betritt, bleibt Halil D. auf der Anklagebank sitzen. Er hält sich noch die braune Mappe vors Gesicht, mit dem er sich zuvor vor den Fotografen abgeschirmt hat. Trotz mehrfacher Aufforderung der Vorsitzenden Richterin Clementine Englert erhebt sich der 36-Jährige nicht. Auch nicht nach ihrer Androhung von Zwangsmitteln. "Es ist islamisch verboten für Menschen aufzustehen", begründet der vollbärtige Mann sein Verhalten. Darüber hinaus sagt der Deutsche mit türkischen Wurzeln während der zweistündigen Verhandlung am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht wenig - zur Anklage kein einziges Wort. Er werde sich im Laufe des Prozesses aber wahrscheinlich noch äußern und auch Angaben zu seiner Person machen, kündigt sein Wahlverteidiger Ali Aydin an.

Halil D., der eine weite, kuttenartige dunkle Steppweste trägt, soll aus dschihadistischen Motiven einen Terroranschlag auf eine Großveranstaltung geplant haben. Dabei habe er es auf das Leben von Menschen abgesehen, die in Deutschland leben, heißt es in der Anklage. Eine fertige Rohrbombe, Waffen und gefährliche Chemikalien soll er sich zu diesem Zweck besorgt und aufbewahrt haben. Darunter sind auch drei Liter Wasserstoffperoxid, die er zusammen mit seiner Frau - unter Angabe falscher Personalien - in einem Baumarkt kaufte. Die Chemikalie ist eine mögliche Zutat für Sprengkörper.

Ob es der Angeklagte auf das traditionsreiche Radrennen am 1. Mai durch den Taunus abgesehen hat, und die Polizei dies gerade noch rechtzeitig verhinderte, soll der bis Mitte Juni terminierte Prozess klären. Die Sportveranstaltung "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" war nach der Festnahme des inzwischen 36-Jährigen und dem Fund der Waffen aus Sicherheitsgründen wenige Stunden vor dem Start abgesagt worden. Der Anklagevorwurf lautet: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Verteidiger Ali Aydin hält dies für völlig unbegründet: "Er hat keinen Anschlag geplant - höchstens auf den Schimmel in seiner Wohnung", sagte er nach der Verhandlung. Denn um diesen zu bekämpfen, habe sein Mandant das Wasserstoffperoxid gekauft.

Warum Halil D. eine Rohrbombe und trotz geringer Einkünfte einen hohen Geldbetrag zu Hause hatte, wolle Aydin vor der Beweisaufnahme nicht sagen. Nur so viel: "Es gibt Anhaltspunkte, dass die Rohrbombe vielleicht schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte alt ist." Viele der Unterstellungen der Anklage seien reine Alltagshandlungen. "Es wird geschildert, wie er da (im Taunus) mit seiner Familie spazieren ging und wie er im parkenden Auto saß." Vor dem Gerichtsgebäude ist während des Prozessauftakts viel Polizei zu sehen, die Einlasskontrollen für Zuschauer und Journalisten sind extrem streng. Der Zuschauerraum, in dem die Schwester des Angeklagten und mehrere junge Männer, sitzen, die wie Salafisten gekleidet sind, ist durch eine Glasscheibe vom Verhandlungssaal getrennt.

Weil Halil D. zu Prozessbeginn nicht aufgestanden ist, als die drei Richter samt Schöffen den Verhandlungssaal betraten, muss er 200 Euro bezahlen oder vier Tage in Ordnungshaft. Denn - so die Vorsitzende Richterin Englert: "Er hat dem Gericht nicht die gebotene Ehre erwiesen und die Würde des Gerichtes nicht geachtet." Mit Spannung wird nun erwartet, wie sich der Angeklagte an den 29 weiteren Verhandlungstagen verhält.

Bilder: Auftakt im Prozess gegen mutmaßlichen Islamisten

dpa

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion