Augen auf beim Kauf von Frischfisch

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Auch beim Einkauf von Garnelen sollte auf Bezugsquellen geachtet werden.

Offenbach - Die in Brüssel vorgestellten Reformpläne für die EU-Fischereipolitik haben in Deutschland unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Von Peter Schulte-Holtey

Während das Vorhaben nach Einschätzung des Verbands der deutschen Kutter- und Küstenfischer enorme Gefahren für kleinere Fangflotten birgt, verfehlt sie laut Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) den dringend notwendigen Kurswechsel für Europas Fischerei.

Jenseits politischer Diskussionen stellt sich für Verbraucher die Frage, worauf sie beim Einkauf von Fisch jetzt mehr denn je achten sollten. Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen nach:

Wer sich beim Einkauf von Frischfisch über Fanggebiet oder Herkunftsland und Produktionsmethode informieren will, muss sehr genau hingucken. Haben Sie den Eindruck, dass die Angebote an Frischfisch im Einzelhandel ausreichend gekennzeichnet sind?

Zwei Drittel der Angebote an Frischfisch sind im Einzelhandel nur unvollständig gekennzeichnet. Das zeigte ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen im März 2010 in Frankfurt und Gießen. 209 Fischangebote von zehn Einzelhandelsgeschäften und vier Marktständen in Frankfurt und Gießen unter die Lupe genommen. Nur ein Drittel der gecheckten Angebote war korrekt gekennzeichnet. Zwölf der 14 Händler verstießen gegen die europaweit geltenden Kennzeichnungsvorschriften für Fisch. Nur zwei Mal war die Kennzeichnung vorbildlich. Bei nahezu der Hälfte der Fischangebote waren weder Fanggebiet noch Herkunftsland angegeben. In fast jedem dritten Fall erfuhren Verbraucher nicht, ob der Fisch aus Wildfang stammt oder in Aquakultur gezüchtet wurde.

Die miserablen Ergebnisse des Marktchecks belegen also, dass die Mehrheit der Fischhändler die Kennzeichnungsvorschriften nicht beachtet?

Ja! Das ist besonders ärgerlich für Kunden, die für nachhaltige Fischerei sind und zum Beispiel Produkte aus überfischten Fanggebieten meiden wollen. Verbraucher sollten sich direkt im Laden beschweren und die Lebensmittelüberwachung informieren. Diese ist aufgefordert, gerade beim leicht verderblichen Lebensmittel Frischfisch verstärkt und konsequent zu kontrollieren und Verstöße spürbar zu ahnden.

Worauf sollten Kunden vor allem achten?

Kaum ein Fischfreund weiß, ob der Bestand des Lachses im Atlantik oder eher im Pazifik gefährdet ist. Hier hilft beim Einkauf nur das MSC-Siegel, das für einen umweltgerechten Fang wildlebender Fische steht. Die internationale, unabhängige Organisation „Marine Stewartship Coucil“, kurz MSC, hat einen Umweltstandard für nachhaltige Fischereibetriebe entwickelt. Sie vergibt dafür ein blaues Siegel mit einem stilisierten Fisch, das zukünftig noch einen Hinweis auf nachhaltige Fischerei trägt. Eine umfangreiche Liste mit Geschäften, die entsprechende Produkte führen, ist übrigens im Internet zu finden unter http://www.msc.org/wo-kaufe.

Gibt es auch Siegel für Zuchtfisch aus Aquakulturen?

Nein - bislang nicht. Aquakultur ist aber nur dann eine Alternative zu Wildfisch, wenn sie umweltfreundlich betrieben wird. Hier kann ein zu dichter Besatz mit Fischen mit großem Futterbedarf und hohem Medikamenteneinsatz zu Problemen führen.

Was bedeutet dies für Verbraucher?

Bei Fisch aus Aquakultur sollten sie daher Bioware bevorzugen. Bisher sind Produkte mit dem neuen Biolabel der Europäischen Union auf dem Markt und mit den Siegeln der anerkannten ökologischen Anbauverbände Bioland und Naturland, die nach strengeren Kriterien zertifizieren.

Eine weitere Orientierungshilfe beim Fischkauf bieten zum Beispiel die Einkaufsführer der Umweltschutzorganisationen Greenpeace und WWF ...

Ja - sie zeigen auf, welche Arten der Verbraucher kaufen sollte und welche lieber nicht. Die Vorgaben von Greenpeace sind dabei wesentlich strikter. Der WWF will ein neues Nachhaltigkeitssiegel nach dem Vorbild des „Marine Stewardship Council“ - das Kürzel ist wie gesagt MSC - für Zuchtfisch auf den Weg bringen. Er entwickelt derzeit zusammen mit Fischzüchtern, Umweltschützern, Regierungsvertretern und anderen Interessengruppen gemeinsame Standards für nachhaltige Aquakulturen. Es entstehen Umwelt- und Sozialstandards für neun typische Zuchtfische wie Shrimps, Lachs, Pangasius und Forelle. Diese Regeln werden die Grundlage für das „Aquaculture Stewardship Council“ - das ist das ASC-Label - bilden. Das Label Safe - ein springender Delphin und der Schriftzug „Safe“- signalisiert Thunfischfang unter Einsatz von für Delphinen ungefährlichen Fangmethoden. Wer auf Thunfisch nicht verzichten mag, findet unter www.delphinschutz.org eine Liste mit Produkten, die nach dem SAFE-Standard, einem internationalen Kontrollprogramm für „delfinsicheren“ Thunfisch, zertifiziert sind.

Auch die Größe des Fischs spielt eine Rolle ...

Das ist ein wichtiges Kriterium beim Kauf von frischem Fisch. Babyfische sollten weder gefangen und verkauft noch von Verbrauchern beim Kauf gewählt werden. Sie haben sich noch nie fortgepflanzt und konnten somit nicht zum Erhalt ihrer Art beitragen.

Ratschläge gibt es ja auch bei der Verbraucherzentrale Hessen ...

Stimmt! Wir unterstützen Fischfans mit dem Einkaufsführer „Markenfleisch und Zuchtfisch aus der Region“. Er liefert Bezugsquellen für Süßwasserfische aus hessischen Fischzuchtbetrieben. Er ist im Internet unter www.verbraucher.de in der Rubrik Ernährung zu finden.

Habe ich als Verbraucher denn gute Möglichkeiten, frischen Fisch zu erkennen?

Folgende Tipps sollten beim Frischfisch-Kauf berücksichtigt werden: Kauft man den Fisch im Ganzen, ist die Frische an feuchten, hellroten und fest anliegenden Kiemen zu erkennen. Die Augen sind klar und glänzend und treten leicht hervor; die Haut glänzt, ist fest und haftet am Fleisch und die unversehrten Schuppen sind fest mit der Haut verbunden. Zudem: Das fleckenlose Fleisch gibt auf Druck leicht nach und löst sich nicht von den Gräten. Frischer Fisch riecht nicht intensiv fischig, anderenfalls haben schon Verderbnisprozesse eingesetzt, die zu Erkrankungen führen können. Der Transport vom Laden in den Kühlschrank sollte möglichst kurz sein und mit Kühltasche erfolgen. Fisch gehört zu den sehr leicht verderblichen Lebensmitteln. Er sollte immer gut durchgegart werden, mögliche Larven des Heringswurmes werden so sicher abgetötet.

Quelle: op-online.de

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