Lernen am Riesenflieger A380

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Lehrberufe in der Region

Frankfurt - Unter der Motorhaube ihres Autos nach dem Rechten sehen? Kein Problem mehr für Jacqueline Finkler: „Wenn ich den A380 reparieren kann, dann muss das auch beim PKW klappen“, gibt die 24-Jährige lachend zu. Von Katharina Hempel

Nach dem Abitur entschied sich die Aschaffenburgerin für eine Ausbildung zur Elektronikerin für luftfahrttechnische Systeme (ELS) bei Lufthansa Technik. „Das war reiner Zufall, dass ich auf diesen Ausbildungsberuf gestoßen bin“, erzählt Jacqueline. „Ich bin im Internet auf die Lufthansa-Seite gekommen und habe mich dann einfach mal beworben. Ich wollte immer was in Richtung Elektrotechnik machen. Hätte ich keinen Ausbildungsplatz bekommen, hätte ich das studiert. “.

Laut Martin Brandes, Leiter der technischen Berufsausbildung bei Lufthansa Frankfurt, gibt es jedes Jahr mehrere tausend Bewerber für technische Ausbildungsberufe an allen Standorten. Die Einstellungszahl variiert je nach Bedarf. Bei Jacqueline Finkler im Lehrjahr waren es 24 Auszubildende - neben Jacqueline nur ein weiteres Mädchen.

Dreieinhalb Jahre dauert die ELS-Ausbildung

Nach einem Online-Test wurden die Bewerber der engeren Auswahl zu einem Gespräch eingeladen. „Wir waren zu viert, mussten in Gruppenarbeit einen Turm bauen und alleine Elektrobausteine zusammensetzen. Später folgte noch eine ärztliche Untersuchung und dann hatte ich den Job“, berichtet Jacqueline.

Dreieinhalb Jahre dauert die ELS-Ausbildung - egal ob mit Hauptschulabschluss oder Abitur. „Elektroniker können nicht verkürzen, sie haben einfach zu viel Lernstoff“, spricht Jacqueline Finkler aus Erfahrung. Im ersten Ausbildungsjahr büffelte sie die Grundlagen der Mechanik und Elektronik. Welche Werkzeuge sie wie und wann verwendet, gehörte auch dazu. „Elektro-, Digital- und Analogtechnik der Sensorik, Messtechnik und der Flugzeugelektronik“ steht im zweiten Lehrjahr auf dem Stundenplan. „Das dritte Lehrjahr war am besten. Die Zeit habe ich in den verschiedenen Flugzeughallen verbracht, bei der Wartung und Überholung. Da habe ich am meisten gelernt, was ich auch für den Beruf brauchen kann“, resümiert die Elektronikerin, die seit 2011 ausgelernt hat.

Jacqueline kümmert sich um den Airbus A380

Interesse an Mathe und Physik ist genauso wichtig wie Englischkenntnisse: „In den Handbüchern ist alles auf Englisch. Aber die Begriffe wiederholen sich, daher muss man sie nur einmal lernen. Das ist daher machbar“, findet die Aschaffenburgerin.

Jacqueline kümmert sich um den Airbus A380. Acht Stück der Superjumbos sind in der Lufthansa-Flotte aktiv. „Mein erster Tag beim A380 war genau vor einem Jahr“, erinnert sie sich, „der bestand aber nur aus Einweisungen. Da war ich noch nicht so produktiv.“ Das ist mittlerweile anders: Als Elektronikerin wartet Jacqueline das Flugzeug, überprüft, ob etwas kaputt ist, repariert oder ausgewechselt werden muss und macht Routinechecks. „Die könnte man mit der Inspektion beim Auto vergleichen“, erklärt sie. Die 24-Jährige wechselt Batterien und überprüft regelmäßig die Flugzeug-Software. „Der A380 sammelt alle Daten, die müssen regelmäßig gelöscht werden. Er sendet die Infos schon im Anflug, damit am Boden alles bereit ist, sobald er gelandet ist.“

Alle Geräte doppelt bis dreifach vorhanden

Am häufigsten muss jedoch die Innenbeleuchtung gewartet werden, die WC-Lampe zum Beispiel, bei der das Licht gedimmt wird, oder der Pax-Call. Der Pax-Call sind die Lämpchen über den Passagiersitzen, die angehen, wenn der Fluggast die Stewardess ruft. Computer für die Küchenkühlung oder die Monitore im Flieger gehören auch zu den häufigeren Posten auf der Reparaturliste. „Alle Sachen, die wichtig sind, sind mehrfach eingebaut. Der A380 ist wahnsinnig redundant, da sind alle Geräte doppelt bis dreifach vorhanden.“

Mit dem Riesenflieger hat Jacqueline Finkler einen Glücksgriff gelandet. „Theoretisch könnte ich an allen Flugzeugen arbeiten, für jeden Typ werden Lehrgänge angeboten, aber im A380 gibt es viel Computer und Software“, erklärt sie. „Gerade für Elektroniker find ich den am besten.“

Quelle: op-online.de

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