In Offenbach bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt

Tauziehen um die Jugendlichen

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Offenbach - Unternehmen buhlen um Jugendliche in Stadt und Kreis. Diese haben immer bessere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Um sie werben unter anderem die Handwerker in Offenbach. Von Marc Kuhn 

Die Aussichten auf eine Lehrstelle sind für Jugendliche in der Region erneut besser geworden. Gleichzeitig werben die Agentur für Arbeit Offenbach, die hiesige Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerker verstärkt für die duale Ausbildung, um freie Stellen überhaupt besetzen zu können. „Abitur ist für viele nicht der Königsweg“, sagte Agenturchef Thomas Iser gestern in Offenbach. Die Gymnasien müssten erkennen, dass Berufsorientierung nicht gleich Studienorientierung sei, fügte IHK-Vizepräsident Joachim Giegerich hinzu. „Wir versuchen, Schülern den Weg ins Handwerk zu ebnen“, erklärte Bernd Sieber, Leiter der Abteilung berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

Bei der Agentur für Arbeit Offenbach seien für das Ausbildungsjahr 2013/14 fast 2 080 Lehrstellen gemeldet gewesen, berichtete Iser. Das seien über elf Prozent oder 207 Stellen mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig habe es 3 310 Bewerber gegeben, 2,1 Prozent oder 71 Personen weniger als 2012/13. 42 Jugendliche hätten keine Lehrstelle gefunden, erläuterte Iser. Zudem hätten rund 100 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können. Bei der IHK sind fast 1 350 Lehrverträge registriert worden, wie Giegerich erklärte. Das seien fast so viele wie im Vorjahr. Sieber sagte, dass die Handwerker in Stadt und Kreis 587 neue Lehrlinge eingestellt hätten. Die Zahl sei in etwa so hoch wie im Vorjahr, berichtete Uwe Czupalla, Geschäftsstellenleiter Offenbach der Handwerkskammer. Im Kreis habe es ein leichtes Plus, in der Stadt ein deutliches Minus gegeben. Allerdings gibt es auf den Internetbörsen von IHK und Handwerkern noch mehr als 200 offene Stellen.

Kaum Betriebe melden ihre Stellen

Von den etwa 6.500 Offenbacher Handwerksbetrieben würde rund jeder Fünfte ausbilden, erläuterte Czupalla. „Wir fordern die Betriebe auf, Stellen zu melden.“ Doch die wenigsten würden dies auch tun. Nach den Worten von Iser sind bei der Agentur etwa 70 Prozent der tatsächlich angebotenen Ausbildungsplätze registriert. Und Friedrich Rixecker, bei der IHK für Ausbildung zuständig, ergänzte, das komplette Angebot an Lehrstellen in der Region sei bei der Agentur und der Kammer nicht bekannt.

Allerdings melden immer mehr Betriebe ihre offenen Lehrstellen bei der Agentur. „Denn sie konkurrieren mit zahlreichen anderen Unternehmen im gesamten Rhein-Main-Gebiet um Bewerber“, sagte Iser. Rixecker fügte hinzu: „Die Wirtschaft reagiert auf den Fachkräftemangel.“ Und Giegerich betonte: „Wir trommeln aktiv weiter.“ In diesem Ausbildungsjahr habe die IHK fast 130 Unternehmen gewonnen, die erstmals ausbilden. Auf diese Weise seien etwa 200 zusätzliche Stellen geschaffen worden. „Die haben wir bitterlich gebraucht“, sagte Giegerich. „Nicht nur, sondern auch wegen des demografischen Wandels.“

Von einer positiven Entwicklung für junge Leute in Stadt und Kreis sprach Iser. „Die Chance auf einen Ausbildungsplatz ist gestiegen.“ Statistisch gesehen würden sich 1,6 Bewerber um eine Lehrstelle bemühen, im vergangenen Jahr seien es 1,8 Interessenten gewesen. In Hessen liegt das Verhältnis bei eins zu 1,4. Allerdings würden die Wünsche der Jugendlichen nicht immer mit dem Angebot übereinstimmen, erklärte Iser. „Das Töpfchen passt nicht zum Deckelchen.“ Viele Jugendliche würden sich auf „gängige Stellen“ konzentrieren. So habe es 115 Bewerber für den Beruf des Mechatronikers bei 20 Stellen gegeben. Deshalb will die Agentur nach Angaben von Iser Jugendliche intensiver über alternative Berufe informieren. Sieber erinnerte daran, dass es in Deutschland etwa 340 staatlich anerkannte Berufe gibt, 120 davon im Handwerk.

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Über Kooperationen mit Schulen versuchen die Handwerker für ihre Lehrsstellen zu werben. So habe die Kammer in Offenbach fünf Vereinbarungen betroffen, berichtete Czupalla. Mit 16 Schulen seien die Handwerker im Gespräch. In den Schulen wird nach den Worten von Czupalla unter anderem mit Veranstaltungen „aktive Berufsorientierung“ betrieben. Zudem wollen die Handwerker mit Studienabbrechern ins Gespräch kommen.

Iser berichtete von einem Projekt der Arbeitsagentur für eine sogenannte assistierte Ausbildung für Jugendliche, deren Noten nicht so gut sind. Sie sollten bei der Lehre unterstützt werden. Derzeit werde nach einem Partner, zum Beispiel einem Bildungsanbieter, gesucht, sagte Iser. „Wir dürfen keinen Jugendlichen auf dem Weg zurücklassen.“

Quelle: op-online.de

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