Ausbildung statt Arbeitslosengeld

Frankfurt - In Frankfurt absolvieren jetzt 140 Langzeitarbeitslose eine Ausbildung zum Erzieher, statt auf Dauer von Hartz-IV leben zu müssen.

Eine Idee, von der beide Seiten profitieren sollen, wie Bürgermeisterin Jutta Ebeling bei der gestrigen Auftaktveranstaltung den Teilnehmern des Projekts erläuterte. „Sie haben sich da einen krisensicheren Job ausgesucht“, machte Ebeling den angehenden Erziehern Mut für ihre dreijährige Ausbildung. Zudem profitiere auch die Stadt Frankfurt. Der mangelt es derzeit nämlich an ausgebildeten Erziehern, ein Zustand der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen wird, denn die Stadt plant künftig ihr Betreuungsangebot für Unter-Dreijährige auszudehnen. Rund 1 000 zusätzliche Krippenplätze sollen so jedes Jahr entstehen, wie Ebeling ankündigte. „Bis zum Jahr 2013 brauchen wir zusätzlich 4 000 Erzieherinnen und Erzieher“, erläuterte Daniela Birkenfeld, Stadträtin und Vorsitzende der Werkstatt Frankfurt. Der Verein hat das Projekt zusammen mit den Beruflichen Schulen Berta Jourdan ins Leben gerufen.

Insgesamt 3 000 Langzeitarbeitslose habe man gefragt, 400 hatten sich schließlich um einen Platz in dem Programm beworben. Nach den notwendigen Einstellungstests haben im Februar 140 von ihnen mit der Ausbildung in den Frankfurter Kindergärten begonnen.

Besonders freute sich Daniela Birkenfeld über die vergleichsweise hohe Zahl der männlichen Bewerber, die ein Drittel der Ausbildungsteilnehmer stellen. Zwar liege Frankfurt mit einer Männerquote von acht Prozent bei den Erziehern bereits deutlich über dem Bundesdurchschnitt (vier Prozent), jedoch sei man an einer Erhöhung der Zahl interessiert. Warum weiß Sven Becker vom Eigenbetrieb Städtische Kitas: „Die Kinder brauchen auch männliche Bezugspersonen als Vorbilder.“ Gerade in der heutigen Medienwelt fehle den Jungen neben Idolen wie beispielsweise Spiderman und Superman oft ein reales Vorbild. Dies sei jedoch gerade bei der steigenden Zahl von Trennungskindern, die ohne einen Vater aufwachsen, nicht immer der Fall. Daher sei das Ziel, so Becker, dass in jeder Einrichtung mindestens ein Mann arbeite.

Positiv beurteilt Bürgermeisterin Jutta Ebeling auch den großen Anteil von Bewerbern mit Migrationshintergrund. Zahlreiche Nationalitäten seien demnach unter den zukünftigen Erziehern vertreten. „So ist Frankfurt und so soll Frankfurt sich auch in den Kitas präsentieren“, sagt Ebeling. Auch Sven Becker freut sich über die verschiedenen Nationalitäten. Dadurch lernten die Kinder andere Kulturen kennen.

In den drei Jahren ihrer Ausbildung durchlaufen die angehenden Pädagogen insgesamt drei verschiedene Stationen. Das erste Jahr hospitieren die 140 Auszubildenden in den Frankfurter Kindergärten, bevor sie anschließend in den Berta Jourdan Schulen den theoretischen Teil der Ausbildung absolvieren. Der Vorteil dieser praktischen Erfahrung am Anfang sei, dass die Teilnehmer schnell herausfänden, ob der Erzieherberuf wirklich etwas für sie sei, erläuterte die Bürgermeisterin. Zu guter Letzt gelte es dann, das Anerkennungsjahr erfolgreich abzuschließen. Zu diesem Zeitpunkt - während der ersten beiden Jahre beziehen die Teilnehmer noch das Arbeitslosengeld-2 - bekämen die angehenden Erzieher bereits ein festes Gehalt und zahlten bereits wieder in die Sozialversicherung ein, so Conrad Skerutsch, Geschäftsführer der Werkstatt Frankfurt.

Quelle: op-online.de

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