Ausgesetzt wie Moses - Bilanz der Helfer

Frankfurt ‐ Wie Moses in einem Weidenkörbchen wurde Anna-Lena vor zehn Jahren auf einem Parkplatz in Hofheim gefunden. Von ihren Eltern keine Spur. Von Ira Schaible (dpa)

Das Schicksal der ausgesetzten Neugeborenen gab den letzten Anstoß für die Einrichtung der ersten Baby-Auffangstation in Hessen vor rund achteinhalb Jahren. „Moses“ taufte der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) dann auch seine Anlaufstelle in Frankfurt für Schwangere und Mütter in Not; gestern zog er eine Bilanz des Modellprojekts, aus dem ein breites Hilfsangebot des Familienzentrums Monikahaus hervorgegangen ist.

Im Mittelpunkt von Moses steht die kostenfreie Notrufnummer 0800/7 800 900, die rund um die Uhr erreichbar ist. Ungewollt schwangere Frauen können sich hier nicht nur anonym beraten lassen und über Hilfsangebote informieren, sondern auch die Übergabe eines neugeborenen Kindes ausmachen. Diese „Arm-in-Arm-Übergabe ermöglicht einen Kontakt zur Mutter und damit die Möglichkeit, für das Kind und die Mutter notwendige Dinge zu besprechen sowie ihr weitergehende Beratung und medizinische Hilfe anzubieten“, heißt es in der Bilanz des Modellprojekts.

Dunkelziffer der ausgesetzten Säuglinge ist vermutlich enorm

Wie viele Säuglinge jedes Jahr ausgesetzt werden, wird statistisch noch immer nicht erfasst, stellt der SkF fest. Das Familienministerium geht von 40 bis 50 pro Jahr in Deutschland aus, die Dunkelziffer wird auf 1000 geschätzt. Die Zahl habe sich seit Beginn des Projektes Moses nicht wesentlich verändert, heißt es beim SfK.

26 Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen oder ihr Neugeborenes zur Adoption freigeben wollten, sind im Projektzeitraum (September 2001 bis Dezember 2007) beim SkF in Frankfurt betreut worden. 15 von ihnen übergaben ihr Baby den Mitarbeiterinnen, eine Mutter entschied sich dann aber doch für das Zusammenleben mit ihrem Sohn. Die anderen elf Frauen wurden entweder an Projekte in anderen Orten vermittelt, der Kontakt brach ab, oder ihre Probleme - wie illegaler Aufenthalt - konnten in den Beratungsgesprächen gelöst werden. Insgesamt gingen in dem Projektzeitraum rund 15 600 Anrufe ein, davon nur etwa 760 ernsthaft auf Moses bezogene.

Von den 15 Frauen, die ihr Baby dem SkF übergaben, verzichteten elf schließlich auf ihre Anonymität. Die meisten (acht) waren zwischen 20 und 25 Jahre alt, zwölf waren ledig und zwei verheiratet, sieben waren berufstätig und neun hatten bereits Kinder. Sechs hatten einen Migrationshintergrund, acht Frauen lebten allein, vier zusammen mit einem Partner und drei noch zu Hause.

Alle Betroffenen „vermittelten das Gefühl des Alleinseins, der Vereinzelung. Es gab niemanden, mit dem sie sprechen, dem sie sich anvertrauen konnten oder mochten“, stellt die Frankfurter SkF-Geschäftsführerin Margit Grohmann im Projektbericht fest. Den Frauen fehlten gleichzeitig Informationen, wo sie Hilfe finden könnten. „Ein tiefgreifendes Gefühl der Überforderung durch ein Kind war in allen Fällen greifbar.“

Quelle: op-online.de

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