Deborah Rudolph fertigt von Hand Geschirr

Außergewöhnliche Tischkultur

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Ein Backstein kann auch als Suppentasse und eine Granitplatte als Teller dienen. Deborah Rudolph zeigt ihre Entwürfe, für die es eigentlich keines Löffels bedarf.

Offenbach/Frankfurt - „Es wird alles gezeigt. Das Äußere und das Innere“, schwärmt Deborah Rudolph. Die Faszination der in Offenbach arbeitenden Schmuckdesignerin gilt Gestein, besonders Steinplatten. Von Christian Riethmüller

Von diesen liegen einige auf einem Tisch in Rudolphs Atelier im Gründerzentrum Ostpol. Dort arbeitet die 34-Jährige, die ursprünglich aus Halle/Saale stammt, gerade an einem ganz besonderen Auftrag: Sie entwirft Geschirr. Allerdings kein Service für den Alltag. Auch keine Sonderedition für eine Porzellanmanufaktur. Rudolph fertigt von Hand insgesamt 40 Sets von je fünf Objekten, auf denen Anfang September bei einer außergewöhnlichen kulinarischen Veranstaltung in Frankfurt ein Fünf-Gänge-Menü dargeboten werden soll.

„Steinbeissers Experimentelle Gastronomie“ heißt das in den Niederlande bereits erfolgreich umgesetzte Projekt, das Kreativität und Kulinarik auf quasi ganzheitliche Weise verknüpfen will. Gefragt ist nicht nur die Finesse des zuständigen Kochs, der aus rein pflanzlichen Zutaten (vegan) aus biologisch-dynamischem Anbau regionale Küche zu zaubern hat. Auch die Tischkultur soll außergewöhnlich sein und wird jeweils eigens für die Veranstaltung von Designern entworfen. In Frankfurt, wo das Projekt für jeweils 35 Gäste am 5., 6. und 7. September im frisch renovierten „Lindenberg“, einem ungewöhnlichen Hotel im Ostend, durchgeführt wird, stammt das Besteck von dem estnischen Eisenschmied und Designer Nils Hint, der Metall- und Werkzeug-Restbestände aus Sowjet-Zeiten zu Messer, Gabel und Löffel umformt.

Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk

Für das Geschirr ist Deborah Rudolph zuständig, die Anfang dieses Jahres gefragt wurde, ob sie Lust auf einen Entwurf hätte. Die vor zwei Jahren mit dem Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk ausgezeichnete Künstlerin sagte spontan zu, obwohl sie sich in ihrer Karriere bislang vorrangig auf Schmuck konzentrierte. „Ich kannte Steinbeisser aber schon über Ausstellungen, die sie in den Niederlande machen. Die sind immer sehr spannend und gehen über ein normales Galeriekonzept hinaus“, erzählt Rudolph, die selbst von einer niederländischen Agentur vertreten und auf den einschlägigen Schmuckmessen, etwa in London, präsentiert wird.

www.deborahrudolph.de

Infos und Reservierungen für „Experimentelle Gastronomie“

Rudolphs Faszination für Gestein ist nun auch bei ihren Geschirr-Entwürfen zu merken. Als Teller oder Platten dienen schwarze Granittafeln, die an Rudolphs Studienort Idar-Oberstein zurechtgeschnitten worden sind. In der Edelstein-Hochburg hat sie auch einen Bestand an deutschem Achat sichern können, der gebohrt dazu dienen könnte ein flüssiges Gericht aufzunehmen. Deborah Rudolph kooperiert bei ihrer Arbeit eng mit dem Frankfurter Zwei-Sterne-Koch Matthias Schmidt („Villa Merton“), der das Drei-Tage-Spektakel kulinarisch leitet. Der hat sich in Rudolphs Geschirr-Set zwei Gefäße ausbedungen, in denen Flüssiges serviert werden kann. Als „Suppenteller“ wird daher ein glasierter Backstein mit einer kreisrunden Ausbuchtung dienen. Besonderer Gag an diesem Behältnis: Es ist ein Stein, der aus dem „Lindenberg“, der früheren Villa Holzmann, stammt und nach der Renovierung bei einer Baufirma abgelagert wurde. Rudolph hat diese Firma ausfindig gemacht und einige Backsteine für ihr Vorhaben gesichert.

Welchen Zweck dieses außergewöhnliche Geschirr nach der Veranstaltung erfüllen wird, muss sich noch weisen. Möglicherweise wird es gleich dort noch verkauft oder später auf Messen präsentiert. Ein oder zwei Sets hat Deborah Rudolph für sich vorgesehen. Die will sie dann auch in ihrem neuen Atelier im von vielen Künstlern bevölkerten alten Zollamt in der Frankfurter Straße in Offenbach präsentieren. Dorthin wird die Schmuck- und mittlerweile auch Geschirr-Designerin Ende dieses Monats umziehen.

Quelle: op-online.de

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