Alicja Kwades bedrohliche Installation in der Schirn-Rotunde

Bahnhofsuhr zieht Kreise

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„Die bewegte Leere des Moments“ hat die Künstlerin ihre eigens für die Kunsthalle angefertigtes Werk benannt.

Frankfurt - Ein gleichmäßiges, lautes, den Raum durchdringendes Ticken. Eine analoge Bahnhofsuhr kreist, an einer Kette aufgehängt, über den Köpfen der Betrachter.  Von Eugen El 

Etwas höher, mit einigem Abstand zur Uhr, ebenfalls an einer Kette angebracht, rotiert ein großer, an einen Asteroiden erinnernder Stein.

Die beiden Objekte werden von einem an der Deckenmitte befestigten Motor angetrieben. Sie sind Teil der Installation „Die bewegte Leere des Moments“ der 1979 geborenen Berliner Künstlerin Alicja Kwade, die in der öffentlich zugänglichen Rotunde der Frankfurter Schirn Kunsthalle zu erleben ist.

Kwades eigens für den zylinderförmigen Raum entwickelte Installation entfaltet ihre Wirkung auf mehreren Ebenen. Die live wiedergegebene, verstärkte Geräuschkulisse der tickenden Uhr und des Steins wirkt einschüchternd. Durch den Raum geht ein regelrechtes Dröhnen. Das beständige Kreisen der schweren Gegenstände steigert den Effekt zusätzlich. Je länger man sich in der Schirn-Rotunde aufhält, desto bedrohlicher wird der Raumeindruck. Während der Pressekonferenz passieren verwirrt und verängstigt wirkende Passanten den momentan einzig verfügbaren Durchgang zwischen Dom und Römerberg.

Installation mit poetischen Qualitäten

Doch auch poetische Qualitäten sind der Installation abzugewinnen, mit der Kwade an frühere Werke anknüpft. Uhren, die Wahrnehmung von Zeit und auch die Kreisform hat die Absolventin der Berliner Universität der Künste immer wieder aufgegriffen.

Im Vorbeiflug spiegeln sich die Bahnhofsuhr und der Stein in den mit Folie verkleideten, schmalen Fenstern der Schirn-Rotunde. Jeweils für einen kurzen Augenblick sieht man sie dort aus einer anderen Perspektive. So entsteht ein genuin filmischer Effekt. Treffend spricht Kwade von der beabsichtigten Anmutung eines Filmstreifens.

Alicja Kwades Installation lässt vielerlei Assoziationen zu. Jenseits von möglichen Deutungen wirkt sie ganz unmittelbar auf den Betrachter. Eindrücklich gelingt es der Künstlerin, den sonst leeren Raum der Rotunde in ein intensives Erlebnis zu verwandeln. Sie ist sensibel und doch entschieden auf die räumlichen Gegebenheiten eingegangen. Derweil kreist über dem Glasdach der Schirn-Rotunde ein Kran der ebenfalls dröhnenden Altstadt-Baustelle, Kwades Versuchsanordnung ungewollt aufnehmend.

Quelle: op-online.de

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