Sammler aus Leidenschaft

Ausstellung im Filmmuseum zeigt private Kino-Erinnerungen

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Auch die signierte Videokassette von Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ ist mit einer persönlichen Geschichte verbunden.

Frankfurt - Manche sammeln Eintrittskarten, andere lassen sich Filmfiguren tätowieren: Kinobesuche hinterlassen bleibende Spuren. In der Ausstellung „Zusammen sammeln“ vereint das Deutsche Filmmuseum Erinnerungsstücke und Geschichten ihrer Besitzer. Von Carsten Müller 

„Wir sind vor allem an den persönlichen Geschichten interessiert“, erzählt Museumsleiterin Claudia Dillmann, deren Haus mit der Mitmach-Ausstellung Neuland betritt. Ob nun die Erinnerung an den ersten Besuch im Kasseler Kino „Kaskade“, wo Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth als Kind „Und ewig singen die Wälder“ sah, oder das elektrisierende Erlebnis von BAP-Sänger Wolfgang Niedecken, der nach dem Besuch von „A Hard Days Night“ für die Beatles entflammt war – persönliche Erfahrungen sind das verbindende Element der Schau.

Sie werden in Videobeiträgen und Schrifttafeln nacherzählt, aber auch anhand der von 101 Filmfans eingereichten Exponate, die nach Aufrufen in Medien und bei sogenannten „Collection Days“ zusammengetragen wurden. Annabell Filiszar aus Offenbach hat beispielsweise sämtliche Eintrittskarten ihrer Kinobesuche aufgehoben, jeweils mit handschriftlichem Vermerk, wann sie welchen Film gesehen hat.

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Teilweise signierte Tickets, Autogrammkarten, Programmhefte, Illustrierte und Soundtracks füllen Vitrinen. Hinzu kommen stumme Zeugen einer verschwundenen Kino-Kultur wie Notsitze, Stühle und Beleuchtungselemente sowie ein Sarotti-Bauchladen, aber auch Zeugnisse hingebungsvoller Film-Zuneigung, die sich in selbstgebauten „Star Wars“-Dioramen“ oder einer Nachbildung der Bundeslade aus „Indiana Jones“ nebst Indi-Kostüm für den einjährigen Sohn spiegelt. Raritäten sind zu bestaunen wie Linsenrasterbilder und ein TED-Projektor, eine Klappe aus „Der Herr der Ringe“ oder die Ohren eines Hobbits. Wandhoch wirbt ein zeitweise als Abdeckplane genutztes Banner auf Französisch für „Der große Eisenbahnraub“ (1979). Dillmanns Lieblingsstück ist ein Patchwork-Pullover, zusammengesetzt aus Autogramm-Stofffetzen.

Diesen wertvollen, mitunter skurrilen privaten Memorabilien stehen 45 Objekte aus dem Museumsdepot gegenüber, die der Ausstellung zusätzliche Attraktivität verleihen: ein riesiger Studioscheinwerfer, Maria Schells Abendkleid, das Bühnenbild zu „Der Golem, wie er in die Welt kam“, die Guillotine aus „Baron Münchhausen“, kostbare Filmplakate und Miniatur-Figuren in Ölzeug, die für Wolfgang Petersens „Das Boot“ verwendet wurden.

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Mit diesen konservatorisch anspruchsvollen Exponaten endet der Gang durch die Ausstellung, die in die Abschnitte „Erinnern“, „Sammeln“ und „Bewahren“ unterteilt ist und gleichsam den Weg eines Objekts ins Museum nachvollzieht. Letzte Station ist eine Vitrine, in der Handschuhe und Verpackungsmaterial bereit liegen: Für Neuzugänge – die Schau soll ja noch weiter wachsen.

„Zusammen sammeln. Wie wir uns an Filme erinnern“ bis 16. Mai im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, Schaumainkai 41. Geöffnet: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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