Verleger und Berufener

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Wenige Tage nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 schaut Axel Springer vom Ölberg herab auf Jerusalem.

Frankfurt - Einer der meistgehassten Männer in Deutschland war der beliebteste Deutsche in Israel. Und dies, obwohl bekannt war, dass etliche frühere Nazis zu seinem engsten Beraterkreis gehörten und prächtige Karrieren in seinem Verlagsimperium hinlegen durften. Von Christian Riethmüller

Aber auch die hatte Axel Cäsar Springer (1912 - 1985) - wie jeden anderen Mitarbeiter seiner vielen Zeitungen und Zeitschriften - zur Erklärung verpflichtet, „die Lebensrechte des israelischen Volks zu unterstützen“.

Die ganz besondere Verbindung des Erfinders der „Bild“-Zeitung zu den Juden im Allgemeinen und zu Israel im Besonderen beleuchtet nun eine hochspannende Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt, die unter dem durchaus provokanten Titel „Bild dir dein Volk!“ das vielschichtige Verhältnis von „Axel Springer und den Juden“ dokumentiert.

Der Hamburger Verleger, dessen Geburtstag sich am 2. Mai zum hundertsten Mal jährt, fühlte sich als Berufener, als Mann mit einer Mission, als Erlöser gar, meint Dmitrij Belkin, Kurator der Schau, die mit vielen Fotos und Dokumenten die nachkriegsgeschichte aufleben lässt. Springer habe es als ganz persönliche Aufgabe betrachtet, Juden und Deutsche nach dem Holocaust miteinander auszusöhnen.

Positive Grundhaltung gegenüber Israel

Nicht allein, dass die Springer-Blätter stets ausführlich und mit positiver Grundhaltung über Israel berichteten, der Verleger selbst reiste fast 30 Mal in jenes Land, das ihm als tiefgläubigem Christen heilig war und das er mit vielfältigen und großzügigen Spenden bedachte, für das „Israel Museum“, für Universitätslehrstühle, für Krankenhäuser.

Zum „Heiligen“ wird Springer in der Schau aber gewiss nicht erklärt, auch wenn ihm solch eine Charakterisierung sicher gefallen hätte, wie etwa das obige Foto nahelegt, dass ihn in einer Jesus-Pose auf dem Ölberg über Jerusalem zeigt. Die Ausstellung zeigt vielmehr die Diskrepanz in der Beurteilung einer schillernden Persönlichkeit, die mancher wegen der reaktionären Kampagnen ihrer Zeitungen gern enteignet gesehen hätte, während er anderseits als große aussöhnende Kraft wirkte.

Die Ausstellung „Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden“ ist bis 29. Juli im Jüdischen Museum Frankfurt, Untermainkai 14-15 zu sehen. Öffnungszeiten: täglich 10 - 17 Uhr, Mi bis 20 Uhr. Mo geschlossen. Zur Schau ist ein informativer Katalog erschienenen. Weitere Infos, auch zum Begleitprogramm, gibt's im Internet.

Quelle: op-online.de

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