Vom Streben nach Glück

Das Ausstellungsjahr 2016 im Museum Angewandte Kunst

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Manchmal muss man auf der Suche nach Glück auch ein wenig strampeln: Installation aus Stefan Sagmeisters „The Happy Show“

Frankfurt - Glück ist das Leitmotiv des Frankfurter Museum Angewandte Kunst im Ausstellungsjahr 2016. Geplant sind neun Präsentationen aus Design, Kunst und Alltagswelt. Von Carsten Müller 

Die erfreuliche Entwicklung der Besucherzahlen ist nicht der einzige positive Aspekt in der Jahresbilanz von Matthias Wagner K. Auf der Haben-Seite verbucht der Leiter des Museum Angewandte Kunst in Frankfurt die Einrichtung von vier neuen Depots, Restaurationen, Schenkungen und Zukäufe sowie die starke Zunahme an Sponsoren- und Fördergeldern – nicht zuletzt die Bewilligung einer Stelle zur Provenienzforschung, die in den nächsten zwei Jahren die Museumssammlung auf Raubkunst untersuchen soll.

Überhaupt die Sammlung: Vor seinem Amtsantritt seien 1275 Stücke aus dem Museumsfundus dauerhaft gezeigt worden, in den vergangenen 33 Monaten waren es rund 4 000, allerdings im Wechsel, rechnet Matthias Wagner K vor und reagiert damit auf Kritik, die Sammlung sei nicht präsent genug. „Man muss das MAK nun öfter besuchen als zuvor.“ Und dafür bietet das gestern vorgestellte Jahresprogramm für 2016 reichlich Anlass. Neun Ausstellungen schlagen Brücken zwischen lokaler und internationaler Gestaltung, hinterfragen Lebenswelten und huldigen Kunstformen wie Fotografie und Illustration.

Mit der Schau „ZeitRaum“ (30. Januar bis 11. September) nach Richard McGuires gefeierter Graphic Novel „Here“ serviert das MAK gleich starken Tobak. Denn im Richard-Meier-Bau nimmt die vom ehemaligen Punkmusiker auf 300 Zeichenblättern verewigte Wohnzimmerecke als begeh- und bespielbarer Bühnenraum Gestalt an. Der Besucher wird zur Figur der Comic-Erzählung, die munter durch die Zeitebenen springt. Kurz darauf gastiert der German Design Award am Schaumainkai, wo vom 13. bis 28. Februar unter anderem Sieger aus der Disziplin Kommunikationsdesign gezeigt werden. Der Titel der Depotschau „Glück und Verheißung“ (17. Februar bis 10. April) gibt das Leitmotiv für das Ausstellungsjahr vor. 99 Stücke aus den Sammlungen und ein Kurzfilmprogramm erzählen vom mannigfaltigen Streben nach einem glücklichen Leben.

Ein Glücksfall für Frankfurt war die städtebauliche Modernisierung nach dem Ersten Weltkrieg, die als „Das Neue Frankfurt“ in die Architekturgeschichte einging, aber auch in Typografie und Grafik ihre Spuren hinterließ, wie die Ausstellung „Alles neu!“ (25. März bis 21. August) mit Blick auf renommierte Gestalter, Agenturen und Hochschulen beleuchtet. Immerhin wurde mit der Futura eine der ersten populären Reformschriften am Main entwickelt. Pures Glück trägt auch Stefan Sagmeisters „The Happy Show“ (23. April bis 25. September) im Titel. Der New Yorker „Superstar des Grafikdesigns“ zeigt in einer Wanderausstellung, die nach Stationen in Philadelphia, Paris und Wien am Main gastiert, die Ergebnisse seiner zehnjährigen Recherchen zum Thema „Glück“ anhand von Kurzfilmen, Installationen und „hochgradig emotionalen Infografiken“.

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In ganz anderer Hinsicht aufwühlend dürfte die Präsentation „Über Waffen. Fire and Forget 2“ (10. September bis 8. Januar 2017) werden, die den Spuren folgt, die Waffen und Gewalt in unserem Alltag, in Design, Mode und Kunst hinterlassen. Ein wichtiges Kapitel deutscher Designgeschichte blättert das MAK mit der Ausstellung „Lamy. Design als Prozess“ (24. September bis 26. Februar 2017) auf, die erfolgreiche Produktgestaltung als kreatives Gemeinschaftswerk beschreibt, und zwar am Beispiel des zwischen 1963 und 1965 entwickelten Füllfederhalters Lamy 2000, der noch immer gebaut wird und als Designikone weltweit zu musealen Ehren gekommen ist.

Japans Tor zur Welt öffnete sich im Fischerdorf Yokohama, als dort Mitte des 19. Jahrhunderts US-Schiffe anlandeten, im Schlepptau europäische Fotografie-Pioniere, die ein Katalysator für die Entwicklung der noch jungen Kunstform im Reich Nippons waren. Wie die Fotografie tradierte Bildträger wie den Ukiyoe-Holzschnitt verdrängte, der zur Jahrhundertwende letzte skurrile Blüten trieb, fängt die Ausstellung „Als die Bilder leuchten lernten“ vom 8. Oktober bis 29. Januar 2017 ein. Um des Besuchers Glück vollkommen zu machen, fährt die Schau „Ewig flüchtig“, die sich vom 14. Oktober bis 26. März 2017 mit Kunst und Gestaltung rund um die Düfte beschäftigt, sogar eine Duftorgel auf, die nach einer Partitur Gerüche erzeugt. Ein kostspieliges wie komplexes Gerät, wie MAK-Chef Matthias Wagner K sagte. Wenn’s denn glücklich macht ...

Quelle: op-online.de

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