Kommentar: Ausstieg per Stiller Post

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Peter Schulte-Holtey

Stellt Eon still und leise die Weichen für den Ausstieg aus dem geplanten Mega-Neubau im Kohlekraftwerk Staudinger? Fest steht: Bis zur Klärung aktueller Rechtsstreitigkeiten liegt alles auf Eis. Von Peter Schulte-Holtey

 Die Entscheidung, ob Block 6 von Staudinger kommt, wird damit womöglich erst in einigen Jahre gefällt.

Völlig überraschend ist das Votum des Energieriesen sicherlich nicht. Weil der in der Region höchst umstrittene Neubau, gegen den Bürger, Verbände und Kommunen klagen, wenn überhaupt, nur mit großer Verzögerung ans Netz geht, hatte Eon bereits eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung für Block 1 beantragt.

Feiern können jetzt diejenigen, die seit Jahren gegen das Großprojekt klagen. Dass es durch Einwände zu einer Verzögerung von mittlerweile schon fünf Jahren beim Bau gekommen ist, ist zum großen Teil ihr Verdienst. Auch Sozialdemokraten werden jubeln. Sie hatten ja errechnet, dass sich vier Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen ließen, wenn das Geld nicht in einen großen konventionellen Kraftwerksblock gesteckt würde, sondern in kleine dezentrale Heizkraftwerke im Rhein-Main-Gebiet.

Viele offene Fragen müssen nun beantwortet werden. Zuletzt waren auch von den Stadtwerken in der Region Zweifel an der Stromnetzstabilität im Rhein-Main-Gebiet laut geworden. Just darauf hatte auch Edgar Kaufhold, der Leiter des Kraftwerks Staudinger, vor wenigen Wochen in einer Podiumsdiskussion hingewiesen. Schon heute könne der bestehende Block 5 nicht zu jeder Zeit abgeschaltet werden, ohne die Stromversorgung zu gefährden. Auf Bitten der Netzagentur habe im Frühjahr 2011 ein geplante Revision verschoben werden müssen, eine ähnliche Anfrage gebe es auch für 2012. Eon wird nun erklären müssen, welche Bedeutung der Staudinger-Ausbau tatsächlich für den Strommarkt noch hat.

Quelle: op-online.de

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