Einrichtung setzt auf frühe Diagnose

Forscher kämpfen gegen das Handicap Autismus

Frankfurt - Seine führende Stellung in Deutschland bei der Behandlung junger Patienten will das Autismustherapie- und Forschungszentrum Frankfurt (ATFZ) ausbauen. Hierzu sind personelle Verstärkungen im Wissenschaftsbereich vonnöten. Von Harald H. Richter 

Bundesweit sind 800 000 Menschen und damit etwa ein Prozent aller Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, von einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) betroffen. Es handelt sich um ein Handicap mit genetischen und biologischen Ursachen sowie Umweltrisikofaktoren. Es wirkt stark beeinträchtigend auf das Alltagsleben. So sind sozialer Austausch und Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen eingeschränkt, Interessen und Verhalten folgen Stereotypen, sich wiederholenden Mustern. Nach neuerer Forschung kann nur jeder zehnte Patient im Lauf des Lebens relativ symptomfrei werden. Bei den meisten erschwert das anhaltende und situationsübergreifende Wesen der Krankheit Lebensführung und -qualität erheblich.

„Um für sie, ihr familiäres und soziales Umfeld, aber auch gesamtgesellschaftlich die Folgen der ASS positiv zu beeinflussen, kommt es auf frühzeitige Diagnosestellung an“, sagte Professor Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters sowie Leiterin des Autismustherapiezentrums. Unter ihrer Regie greifen die Erforschung von ASS auf Grundlagen- und Praxisebene sowie die multimodale Therapie ineinander.

Die Hirnfunktion wird mit verschiedenen Bildgebungsverfahren untersucht. Deren Ergebnisse sorgen schon heute für eine präzisere Erkennung. Zugleich dienen Bildgebungsmarker dazu, Therapieerfolge auf neuronaler Ebene zu messen. Um genau beobachten zu können, wie eine medikamentöse oder Psychotherapie die Hirnfunktion verbessert, wird eigens eine Professur eingerichtet.

Genetische Risikofaktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der ASS. „Deswegen wollen wir diese Einflussgrößen mithilfe funktioneller Proben und Zellmodelle nachweisen und deren Funktion verstehen“, erläutert Dr. Andreas Chiocchetti vom molekularbiologischen Labor der Klinik. „Sind die biologischen Folgen der genetischen Risikomerkmale genauer aufgeklärt, können neue Medikamente entwickelt werden.“ Bei diesen Erbgutstudien kooperieren die Frankfurter international mit drei großen Forschungsprojekten.

Intensivieren möchte die Klinik die Behandlungsangebote für die von ASS betroffenen Familien durch Frühförderung junger, oft geistig beeinträchtigter Kinder, Stärkung der Sozialkompetenz sowie durch Elterntraining. „Das ist deshalb wichtig, weil wir mehrmonatige Wartezeiten zur Aufnahme in die Therapieprogramme haben“, erklärt Diplom-Psychologin Karoline Teufel. Aktuell werden etwa 70 Mädchen und Jungen zwischen zwei und 21 Jahren behandelt.

Quelle: op-online.de

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