Parkwächter in Frankfurt

Mit dem Auto bis zur Grillwiese

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Auf dem Lohrberg bruzzeln sie bis in den Herbst hinein. Die „Grillpolizei“ sorgt dafür, dass alles korrekt zugeht.

Frankfurt - Bis unters Dach beladen mit Decken, Geschirr und Grillgut rollt ein Kombi den breiten Weg von der Ostparkstraße Richtung Wiese entlang. Zwei Herren in hellblauen Hemden und schicken Krawatten gehen sofort auf den Wagen zu. Einer von ihnen ist Karim Ayubi. Von Martha Schmidt

Er tippt auf die Seitenscheibe, woraufhin der Fahrer das Fenster herunterkurbelt. „Guten Tag“, begrüßt Karim den Mann hinter dem Steuer. „Wissen Sie, hier dürfen keine Autos ‘reinfahren. “ „Ich will nur alles da vorne auf der Wiese ausladen“, meint der Fahrer. „Das geht nicht, das ist hier verboten. Fahren Sie bitte wieder vorsichtig zurück. “ Der Fahrer hätte natürlich lieber die gesamte Ausrüstung bis auf die Grillwiese kutschiert, aber er weicht dem nachdrücklichen Charme Karims, legt den Rückwärtsgang ein und lässt sich von ihm nach oben zurück auf die Straße dirigieren.

Frankfurts beliebteste Parks werden an den Wochenenden im Auftrag der Stadt kontrolliert. Das ist Karims Job: Dafür sorgen, dass die Leute die Regel beachten. „Manche wissen nicht, dass sie hier nicht ‘reinfahren dürfen. Wir sagen das dann und dann ist es okay.“ Bis in den Herbst hinein kommt es im Ostpark immer wieder vor, das Autofahrer die breiten Fußwege benutzen, um Ihre Grillausrüstung auf die Wiese zu fahren. Damit der Park nicht zum Parkplatz wird, gibt es Karim Ayubi und seine Kollegen und Kolleginnen: die Parkwächter.

Die Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ verantwortet den Einsatz der Parkwächter. Im Auftrag der Stadt engagiert sie private Sicherheitsdienste, die an den Wochenenden jeweils zwei Mitarbeiter auf Streife schicken.

Müll, Vandalismus, frei laufende Hunde

Die Parkwächter gibt es, seit der zuständige Ortsbeirat einen entsprechenden Beschluss fasste. Müll, Vandalismus, frei laufende Hunde, unbefugtes Befahren hatten das Wochenendvergnügen in den grünen Zonen beeinträchtigt. Peter Postleb leitet die Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“: „Die Parkwächter sind dafür da, dass die Regeln in den Parks eingehalten werden. Sie gehen freundlich auf die Leute zu und weisen sie auf die Parkordnung hin.“

Den Begriff „Grillpolizei“ mag Peter Postleb nicht, denn die Sicherheitsmitarbeiter träten nicht wie Polizisten auf. „Wir wollen keine Rambos haben, die sich als Sheriff aufspielen.“ Die Parkwächter in eher unauffälliger Kleidung tragen lediglich ein Schild des Sicherheitsdienstes am Hemd und haben ein Schreiben dabei, das sie als von der Stadt Beauftragte ausweist. „Sie haben gar keine Befugnisse“, erklärt Postleb. „Sie können keinerlei Zwangsmaßnahmen einleiten.“ Ihre Instrumente sind einzig und allein Auftreten und Überzeugungskraft. Sollten sie mit diesen Mitteln nichts erreichen, rufen sie die Polizei.

„Ich habe die Arbeit erst seit zwei Wochen“, erzählt Karim Ayoubi. „Dafür habe ich eine Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer gemacht. Eine ganze Woche lang sind wir in die Aufgaben eingewiesen worden.“ Aufgrund dieser Ausbildung kann Karim Ayoubi auch andere Objekte bewachen. So bestreift er werktags den Campus der Goethe-Universität. „Das ist ein bisschen langweilig. Hier im Park ist die Arbeit schöner. Ich bin draußen und habe mit den Leuten zu tun“, erzählt Karim lachend. „Mein älterer Kollege macht das schon lange, den kennen viele Parkbesucher und sie winken ihm zu, wenn er vorbeikommt.“

Zusammenarbeit mit Polizei

An seinem ersten Wochenende musste Karim eine Gruppe junger Leute von einer Stelle im Ostpark außerhalb der Grillzone wegschicken. Obwohl er ihnen das freundlich erklärt hatte, wollten sie nicht gehen. Er rief dann in der Zentrale seines Sicherheitsdienstes an. Ein Kollege hat dort immer Bereitschaft. Der wollte schon die Polizei alarmieren, aber bis dahin hatten die Jugendlichen bereits den Grill weggeräumt. „Ich kann auch die Polizei anrufen, wenn es nötig ist“, fügt Karim hinzu. „Aber an meinem ersten Tag wollte ich erst mal Rat von der Zentrale holen.“

Karim und sein älterer Kollege gehen samstags von 14 bis 22 Uhr und sonntags von 12 bis 20 Uhr durch den Ostpark. Gelegentlich fährt die Polizei dort Streife, und Karim hat die Polizisten inzwischen schon kennengelernt.

Von Park zu Park sind die Aufgaben der Sicherheitsbediensteten unterschiedlich. Im Ostpark geht es vor allem darum, die Leute auf die ausgewiesenen Grillplätze hinzuweisen und die Autofahrer davon abzuhalten, auf die Wiese zu fahren. „Anfangs“, so Peter Postleb, „waren drei Parkwächter dort unterwegs mit einem Wachhund. Inzwischen sind es nur noch zwei Kollegen, die auch keinen Hund mehr dabei haben“.

Lohrberg: Jägerzaun verfeuert

Auf dem Lohrberg hätten die Parkwächter vor allem in der Anfangszeit darauf achten müssen, dass es nicht zu Vandalismus kommt. „Da hatten schon mal welche einen Jägerzaun verfeuert.“ Wie im Ostpark sei auch auf dem Lohrberg der Müll nach einem Grillwochenende das große Problem. „Dort sind bereist größere Müllbehälter aufgestellt“, berichtet der Leiter der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“, aber die können den gesamten Grillmüll nicht fassen. „Zumindest bringen die Leute den Müll jetzt zum Mülleimer“, konstatiert er. „Am besten wäre es natürlich, sie würden ihn mit nach Hause nehmen.“ Im Günthersburgpark gibt es kein Grillmüllproblem, da dort Grillen grundsätzlich verboten ist. In diesem kleineren unter den Stadtparks achten die Parkwächter darauf, dass die Hunde an der Leine und auf den Wegen bleiben. „Das freut Kinder und Jogger“.

„Das Projekt ist auf positive Resonanz bei den Bürgern gestoßen“, weiß Postleb. „Je länger es läuft, um so weniger ist zu tun.“ Karim Ayoubi hofft jedoch, dass er als Parkwächter noch eine ganze Weile gut zu tun hat: „Der Job ist gut.“

Quelle: op-online.de

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