Ergänzung des Öffentlichen Nahverkehrs

Autofahrten im Busplan

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Auf diesem Fahrzeug in Sontra wird für das „Mobilfalt“-Projekt geworben.

Kassel - Seit einem halben Jahr stehen in einigen Gebieten Nordhessens auch private Autofahrten im Busfahrplan. Der Start des Pilotprojekts ist für die Macher ermutigend. Und es soll nicht das einzige Projekt dieser Art bleiben. Von Timo Lindemann

Das Projekt ist bundesweit einzigartig: Private Autofahrten werden in einigen Regionen Nordhessens im Busfahrplan ausgewiesen. Ein halbes Jahr nach dem Start des Pilotprojekts Mobilfalt hat der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) ein positives Fazit gezogen. Und 2014 zieht der Odenwald nach. Auch hier soll das Netz des öffentlichen Nahverkehrs durch Taxen und Privatfahrer dichter werden.

Derzeit nehmen mehr als 500 Menschen am Mobilfalt-Projekt teil, darunter 90 Fahrer und etwa 420 Mitfahrer. „Da wir bisher noch am Anfang des Pilotprojektes stehen, ist die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr absolut ermutigend“, sagte NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel.

Bundesweit einmaliges Projekt

Das bundesweit einmalige Projekt läuft seit Mitte April. So sollen Menschen im ländlichen Nordhessen von A nach B kommen, auch wenn mal kein Bus fährt. Der Preis pro Fahrt für den Fahrgast ist in der Pilotphase mit einem Euro kalkuliert, der private Fahrer erhält 30 Cent pro Kilometer. Mit Mobilfalt habe der NVV „nach kurzer Zeit etwas für die Menschen in der Region getan und nicht nur dicke Projektberichte erstellt, die dann nur auf dem Schreibtisch liegen“, sagte Dippel.

Etwa 1300 Mobilfalt-Fahrten gab es in den ersten sechs Monaten, allerdings waren nur knapp ein Zehntel davon wirklich Fahrten mit Privatautos. Der Rest war mit dem Taxi als Rückfallebene unterwegs, wenn keine private Fahrt angeboten wurde. Die Kosten dafür bislang: rund 5000 Euro.

Deshalb soll es Mitte Oktober für einen Erfahrungsaustausch „und zur weiteren Motivation“ ein Treffen der interessierten Fahrer geben. „Durch persönliche Ansprache soll die Zahl der privaten Fahrten erhöht werden, dazu wollen wir uns auf die Wünsche und Bedürfnisse vor allem der Fahrtanbieter einstellen“, betonte Dippel. Ziel sei es, einen Anteil von 30 Prozent durch Privatfahrten zu erreichen.

Ziel: Anbieter und Fahrgäste zusammen bringen

Zudem werde über eine direkte Vermittlung über die Mobilitätszentrale nachgedacht, um Anbieter und Fahrgäste zusammenzubringen. „Wenn jemand Interesse an einer Fahrt hat, wird zum Beispiel ein möglicher Fahrer angerufen, um nachzufragen, ob er nicht statt zum Beispiel um 10 Uhr schon um 9 Uhr die Fahrt anbieten kann.“

Das Modell aus Nordhessen macht Schule: Im nächsten Jahr sollen im Odenwald morgens, abends und an den Wochenenden Lücken im öffentlichen Nahverkehr geschlossen werden. Ein gerade in ländlichen Regionen ehrgeiziges Projekt, wie der Nahverkehrs-Anbieter Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG) meint.

Der Startschuss für „Garantiert mobil“ dürfte in der zweiten Hälfte 2014 fallen, sagte der für den OREG-Geschäftsbereich Nahverkehr zuständige Projektinitiator, Peter Krämer. An sieben Tagen die Woche soll zwischen 4 Uhr früh und 22 Uhr abends das Netz durch Taxen und Privatfahrer dichter werden - zu einem möglichst günstigen Preis.

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Ein Clou sei die Buchung und das Angebot der Anbieter, alles im Internet. Auch sei nur ein Ticket pro Strecke nötig und kein neuer Fahrschein beim Umsteigen. Privatleute und Taxifahrer könnten Leerfahrten anmelden, so dass der eigentlich übliche Taxi-Aufpreis wegfallen könnte und nur der ÖPNV-Tarif bezahlt werden muss. So liege eine zwischen fünf und sieben Kilometer lange Strecke im günstigsten Fall bei 2,70 Euro bis 3,25 Euro. Selbst kleinste Ortschaften würden so erreichbar sein.

Muss allerdings ein Taxi extra gebucht werden, kostet es auch extra, etwa zwischen 10 und 15 Euro. „Wir wollen keinen Sozialtarif, sondern ein kostendeckendes Angebot“, sagte Krämer. Wer aber ein Taxi frühzeitig bucht, könne einen Rabatt ergattern.

‹ www.mobilfalt.de

‹ www.nvv.de

‹ www.odenwaldmobil.de

Quelle: op-online.de

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