Autohändler zwischen Hoffen und Bangen

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Hohe Rabattvorstellungen einiger Kunden machen Autohändlern zu schaffen. 30 Prozent Nachlass sind ohne Abwrackprämie oder Maßnahmen der Hersteller nicht realistisch.

Offenbach ‐ Einen Einbruch von etwa 25 Prozent im Neuwagenverkauf im Vergleich zum Abwrackjahr 2009 befürchten Experten für das Bundesgebiet. Selbst im Vergleich zum schwachen Jahr 2008 wäre dies immer noch ein Rückgang von zehn Prozent. Von Max Rempel

Die Erfahrung von Händlern in der Region mit der Umweltprämie und dem Leben danach schwanken beträchtlich. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass VW von den deutschen Herstellern am meisten profitiert hat“, heißt es beim Autohaus Brass in Dietzenbach. Dementsprechend ist man dort vom bisherigen Jahresverlauf positiv überrascht. Nach der „Verschrottungsorgie haben wir mit einem größeren Rückgang gerechnet“, gesteht ein Sprecher.

Manfred Stegbauer, Geschäftsführer beim Autohaus Max in Offenbach, das ebenfalls VW und Audi vertreibt, berichtet: Direkt nach dem Ende der Prämie „sind wir in ein tiefes Tal gefallen“. Rund zwei Monate habe völliger Stillstand geherrscht. „Aber so langsam füllen sich die Auftragsbücher wieder.“

2009 und 2010 nicht vergleichbar

Auch der Autoservice Hartmann (Ford) in Dietzenbach erlebt „den totalen Einbruch“. „Die meisten Käufer hätten sich sowieso dieses oder nächstes Jahr einen neuen Wagen angeschafft“, mutmaßt eine Sprecherin des Unternehmens. „Hinzu kommt, dass wir zwar schon jahrelange Service-Erfahrung haben, aber erst seit 2009 als Händler aktiv sind. Dementsprechend hat das Jahr der Abwrackprämie uns erst mal überfordert.“ Zusätzlich fielen nun weniger Reparaturen an. Dabei seien gerade im Servicebereich die Margen besser als im Neuwagengeschäft. Für Thomas Schroth, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses für Opel und Suzuki in Langen, sind die Jahre 2009 und 2010 nicht vergleichbar.

Aber: „Die Verkäufe befinden sich zur Zeit auf einem ähnlichen Niveau wie 2008. Opel ist 2009 sehr gut gelaufen, obwohl wir schon eine kleine Delle gespürt haben, als das Unternehmen plötzlich doch bei GM geblieben ist“, sagt Schroth. Aber mittlerweile sei das kein Thema mehr. Bei Suzuki hingegen seien die Verkaufsfördermaßnahmen des Herstellers bereits im April gestoppt worden. Der Hintergrund: Das Jahresziel war bereits erreicht. Andere Hersteller hätten hingegen weiter hohe Zuschüsse gewährt. „Dadurch fehlen 2 000 Euro im Kleinwagensegment, da kann man nicht mithalten.“

Ford: Vier Leute eingestellt

„Toyota hat gut von der Abwrackprämie profitiert, da wir über die passende Produktpalette im Kleinwagensegment verfügen“, erklärt Falko Schenkel, Geschäftsführer vom Autohaus Giese und Zirnsak in Hainburg. Auch 2010 sei man durchaus positiv gestartet - bis zu den negativen Pressemeldungen wegen der Rückrufaktionen: „Danach hat das Neukundengeschäft stark nachgelassen. Es ist ein Fleck auf der weißen Weste, aber keiner, der sich nicht heraus waschen lässt“, hofft Schenkel.

Für das Ford-Autohaus Odenwaldring in Offenbach ist das Jahr bisher hervorragend gelaufen. Nachdem ein direkter Ford-Konkurrent die Tore schließen musste, deckt man nun das gesamte Gebiet alleine ab. „Seit Februar haben wir vier Leute eingestellt. Wenn es so weitergeht, werden wir auch noch weitere einstellen“, frohlockt Geschäftsführer Siegward Kunze.

BMW und Mercedes haben nach eigenen Angaben nur wenig von der Umweltprämie profitiert. So berichtet Rudolf Buehl, Geschäftsführer der BMW-Niederlassung in Offenbach: „Weder hat es im letzten Jahr einen Ausreißer nach oben gegeben, noch gibt es dieses Jahr einen nach unten“. Diese Aussage deckt sich mit denen anderer Händler im Premiumsegment.

Händler leiden unter Rabattvorstellungen

Allgemein gibt es einen Trend zu größeren und besser ausgestatteten Modellen in 2010. „Die Preisbewussten haben bereits letztes Jahr gekauft“, sagt Schroth (Opel). Ein anderer berichtet: „Im letzten Jahr war der Absatz mit allem, was im Ansatz nach Freizeit, Spaß und Lebensfreude klingt, schwierig. Aber aktuell kehrt diese Lebensfreude zurück“.

Allerdings leiden die Händler weiterhin unter den Rabattvorstellungen einiger Kunden und sind sich einig: 30 Prozent Nachlass sind ohne Abwrackprämie oder verkaufsfördernde Maßnahmen der Hersteller einfach nicht realistisch. „Zu solchen Konditionen würden wir selbst gerne einkaufen“, betont Stegbauer vom Autohaus Max. Ähnlich äußert man sich auch beim Autoservice Hartmann: „Da frage ich mich, wo die Autos herkommen und wer da draufzahlt. Das Auto steht mit Sicherheit hier bei keinem Händler auf dem Hof“. Zwar gebe es Internetangebote mit 20 Prozent Nachlass, allerdings übersähen die Kunden dann häufig das Kleingedruckte. Dem stimmt auch Schenkel (Toyota) zu: „Von zehn Interessenten mit Internetangeboten kaufen am Ende doch neun bei mir“.

Die unsichere Wirtschaftslage bereitet vielen Händlern weiter große Sorge. „Kurzarbeit und die Angst vor der Arbeitslosigkeit führen zur Zurückhaltung bei den Kunden“, berichtet Schenkel. Auch die Überkapazitäten im Autosektor bringen viele zur Verzweiflung: „Die Preisschlacht der Händler ist eine Katastrophe“, stöhnt eine Sprecherin des Autoservice Hartmann. „Es ist auch wichtig, manches Geschäft nicht zu machen“, ergänzt Kunze vom Autohaus Odenwald. Allerdings benötigt man im Autohandel viel Kapital, um die Wagen vorzufinanzieren. „Sobald die Banken da streiken, gibt es Probleme“, erklärt Schroth (Opel).

Gebrauchte sind besonders heiß begehrt

„Bei Gebrauchtwagen hat es im letzten Jahr einen extremen Preisverfall für alle Modelle gegeben, die nicht prämienfähig waren“, erläutert Stegbauer. Sein Kollege Schenkel fügt hinzu: „Bei Toyota war der Gebrauchtwagenbereich komplett tot, da wir bei gewerblich genutzten Jahreswagen kaum eine Rolle spielen“. Nun habe das Geschäft merklich angezogen.

Auch bei Opel in Langen läuft es nach einem schlechten Jahr wieder wie geschmiert. „Günstige Gebrauchte sind wieder besonders heiß begehrt. Wir haben kaum Zeit, Preisschilder anzubringen, da gibt es schon Interessenten“, freut sich Schroth. Bei Brass in Dietzenbach hingegen „fehlen dieses Jahr etwa 20 bis 30 Prozent im Vergleich zu 2008“, erklärt ein Mitarbeiter, fügt aber lachend hinzu: „Letztes Jahr wurde wohl einfach zu viel verkauft“. Das liegt daran, dass das Autohaus hauptsächlich Jahreswagen vertreibt und somit von der Staatssubvention ordentlich profitierte.

Quelle: op-online.de

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