„Ein schwuler Tatort-Kommissar fehlt noch“

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Jung, schwul und vom bayerischen Land: der Autor und Wahl-Hesse Roland Gramling. - Foto: 

Frankfurt - Die Türen zum Haus in der Ackerpflaumenallee 33 schließen sich. Der Autor Roland Gramling hat sein Buch „Auf dem Sprung“ veröffentlicht und damit seine Trilogie beendet und die Geschichte rund um die WG von Luke und seinen Freunden. Von Jaqueline Vieth

Auch in dem dritten Werk Gramlings geht es um essenzielle Fragen über Beziehungen: zwischen Männern, die sich lieben, zwischen Frauen, die sich lieben. Und alles, was dazwischen und daneben steht. Roland Gramling wurde 1982 in einem kleinen Dorf im bayerischen Unterfranken geboren. Nach Frankfurt brachte ihn das Studium. Und obwohl er derzeit in Berlin lebt, nennt er doch die Mainmetropole seine Heimat.

Roland, wie lebt es sich eigentlich als Schwuler in Frankfurt?

Ich glaube, Frankfurt ist für jeden sehr lebenswert. Und die in Deutschland am häufigsten unterschätzte Großstadt. Die schwule Szene in Frankfurt ist kleiner und überschaubarer als etwa in Köln oder Berlin, bietet aber trotzdem genügend Möglichkeiten. Natürlich kann es passieren, dass man sich einen dummen Spruch anhören muss, wenn man mit seinem Freund Händchen haltend über die Zeil läuft. Und es kommt auch hier in Frankfurt zu homophoben Übergriffen. Das beweist: Es gibt noch viel zu tun. Das ändert aber zugleich nichts daran, dass dieses Stadt sehr weltoffen ist.

Du hast mit „Auf dem Sprung“ das letzte Buch einer Trilogie veröffentlicht. Einer der Hauptcharaktere ist Luke, ein schwuler junger Mann. Wieso hattest Du das Verlangen, vom Leben eines Schwulen zu schreiben?

Als ich wegen meines Studiums ins Rhein-Main-Gebiet gezogen bin, als junger Schwuler vom bayerischen Land, war das eine unglaublich aufregende Erfahrung. Spannend. Witzig. Traurig. Ich weiß noch, dass ich auf meinem ersten Christopher Street Day (CSD) stand und die ganze Zeit nur gedacht habe: „Oh mein Gott, wir sind so viele? Wirklich so viele?“ Diese Eindrücke habe ich damals in Kurzgeschichten und Texten verarbeitet. Letztlich wurde aus diesen persönlichen Aufzeichnungen die Geschichte von Luke. Wobei seine Erlebnisse wirklich nicht eins zu eins auf mich übertragbar sind. Eher seine Gefühle und seine Verhaltensweisen. Seine Naivität zum Beispiel. Irgendwann kamen dann die anderen Charaktere und Handlungsstränge hinzu. Aber das war erst einige Jahre später.

Ist Dein Buch auch was für Heteros?

Gegenfrage: Ist eine heterosexuelle Liebesgeschichte auch was für Homos? Natürlich. Abgesehen davon ist eine der Hauptpersonen Tina, Mutter von drei Kindern, Vermieterin und Freundin von Luke. Sie ist die unangefochtene Regentin über das Haus in der Ackerpflaumenallee 33, das den Mittelpunkt der Geschichte bildet. Nicht zu vergessen natürlich ihr fester Freund Jörg. Abgesehen davon, lohnt es sich vielleicht auch für alle Heten, einen Blick in das Buch zu werfen, die bisher die schwule Subkultur, wenn überhaupt, nur aus dem Fernsehen kennen. Manches wird sie womöglich überraschen. Und das eine oder andere Klischee werden sie bestätigt sehen. Aber auch das ist gut so. Mit Klischees und Erwartungen zu spielen, macht doch am meisten Spaß.

A propos Klischees: Glaubst Du, dass das Thema Homosexualität in den deutschen Medien ausreichend präsent ist? Und wie wird es deiner Meinung nach dargestellt?

Ich warte noch immer auf einen schwulen Tatort-Kommissar. Ansonsten empfinde ich die Berichterstattung meisten als halbwegs okay. Wobei es natürlich immer wieder Ausreißer nach unten gibt. Die beweisen eben, dass Aufklärung und Minderheitenschutz keine Einbahnstraßen sind. Das Erreichte ist nicht selbstverständlich und muss immer wieder aufs Neue verteidigt werden.

Wie fühlst Du Dich jetzt, nachdem Du die Trilogie beendet hast?

Es ist ein seltsames Gefühl. Wie gesagt, die ersten Ideen und Geschichten habe ich vor mehr als zehn Jahren verfasst. Die Figuren und Charaktere haben mich also durch meine 20er-Jahre begleitet. Und jetzt sind Luke und seine Freunde plötzlich weg. Die Tür zur Ackerpflaumenallee 33 hat sich geschlossen. Aber in jedem Abschied liegt ja auch die Chance auf einen Neuanfang.

Was können wir noch von Dir erwarten?

Es spuken ein paar Ideen in meinem Kopf herum. Ich habe Lust auf etwas komplett anderes. Vielleicht einen Krimi. Oder Science-Fiction. Und in einigen Jahren... Wer weiß, vielleicht ist es dann auch mal wieder an der Zeit zu schauen, wie es Luke und seinen Freunden in der Zwischenzeit so ergangen ist. Auf jeden Fall werde ich weiterschreiben. Es macht einfach zu viel Spaß.

Quelle: op-online.de

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