Aziz Shokhakimov zeigt am hr-Dirigierpult und auf der Leinwand Flagge

Gereiftes Wunderkind

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2008 scheiterte der blutjunge Dirigent beim Sir-Georg-Solti-Wettbewerb, sieben Jahre später meldet er sich zurück. 

Frankfurt - Beim Dirigier-Wettbewerb der Alten Oper scheiterte Aziz Shokhakimov in der Vorrunde. Dennoch kommt der junge Usbeke zu doppelten Ehren: Heute steht er am Pult des hr-Sinfonieorchesters, Von Axel Zibulski 

Zudem ist er einer der Protagonisten im Film „Conduct! Jede Bewegung zählt“, der beim Lichter Filmfest uraufgeführt wird.

Wie kommt ein blutjunger Musiker in Usbekistan auf einen ebenfalls ziemlich jungen Dirigentenwettbewerb in Deutschland? Übers Internet, natürlich. 2008 bewarb sich Aziz Shokhakimov für die vierte Auflage des Frankfurter Wettbewerbs Sir Georg Solti, wurde in die Vorrunde eingeladen und reiste zum ersten Mal in seinem Leben nach Deutschland. Mit gerade 20 Jahren leitete er damals bereits das Nationalorchester seines Heimatlandes.

„Ich war zwölf, als ich anfing, den Dirigentenberuf zu studieren. Drei Jahre später habe ich dann ganz und gar verstanden, wie viel ich eigentlich noch lernen muss“, erinnert sich der werdende Pultstar im Gespräch.

Vom Wunderkind zum seriös und nachhaltig arbeitenden Künstler: Als Shokhakimov 2008 in der Vorrunde des Solti-Wettbewerbs mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester zusammentraf, konnte er nicht jeden der Profimusiker von seinen musikalischen Ideen überzeugen. Der Regisseur Götz Schauder hielt das damals für seinen Film „Conduct! Jede Bewegung zählt“ fest. Schauder, Absolvent der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, begleitete mit der Kamera fünf Kandidaten durch den Wettbewerb, darunter Shokhakimov, der damals in Frankfurt nicht die Finalrunde erreichte.

Premiere beim Licher-Filmfest

Am morgigen Samstag (21. März) wird „Conduct“ erstmals öffentlich gezeigt, und zwar beim Lichter-Filmfest in der Astor-Filmlounge. Dorthin, in die Frankfurter Zeilgalerie, wird neben Regisseur Schauder und dem renommierten Dirigenten Michael Sanderling auch Aziz Shokhakimov kommen, um sich im Anschluss an die Vorführungen (um 16 und 18 Uhr) einem Gespräch über den Film zu stellen. Nicht einfach findet es der usbekische Musiker, sich selbst auf einer großen Leinwand zu sehen. „Außerdem blicke ich nicht so gern zurück. Aber natürlich möchte ich bestmöglich meinen guten Freund Götz Schauder unterstützen, der so viele Tage mit dem Projekt verbracht hat.“ Beim Lichter-Filmfest wird „Conduct!“ als Weltpremiere in der Langfilm-Kategorie ins Rennen gehen.

Ganz ohne Wettbewerbs-Anspannung und beobachtende Filmkameras („von denen habe ich beim Dirigieren gar keine Notiz mehr genommen“) leitet Shokhakimov heute Abend das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks im Frankfurter Sendesaal. Natürlich passt der 1988 in Taschkent geborene Musiker dort noch immer ins Konzept der „Debüt“-Reihe: Antonin Dvoráks Konzert für Cello und Orchester sowie Claude Debussys sinfonische Skizzen „La mer“ („Das Meer“) wird er interpretieren, dazu Musik von Smetana und Bartók.

Traumhafte Arbeit mit Rundfunk-Musikern

„Mit solchen Orchestern wie den Rundfunk-Musikern zu arbeiten ist ein Traum; deren Sensibilität und musikalische Qualitäten sind einzigartig.“ Und natürlich sei es heute für ihn ein wenig leichter geworden, Orchester mit seiner zwischenzeitlich in zahlreichen Ländern gewonnenen Erfahrung von seinen Vorstellungen zu überzeugen. Und die Wettbewerbs-Herausforderung, die hat er auch noch bewältigt, nämlich 2010, als er beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker auf dem Siegertreppchen stand.

Aziz Shokhamikov dirigiert heute um 20 Uhr das hr-Sinfonieorchester im Sendesaal des Frankfurter Funkhauses. Das Lichter Filmfest zeigt Götz Schauders Dirigenten-Film „Conduct! Jede Bewegung zählt“ morgen (Samstag, 16 und 18 Uhr) in der Astor-Filmlounge (Frankfurter Zeil-Galerie).

Quelle: op-online.de

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