Bahn setzte Kurz- statt Langzug ein

Streik ließ Länge der S8 schrumpfen

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Offenbach - Die Lokführer streiken, die Lufthansa-Piloten befinden sich im Ausstand. Derzeit ist es nicht die reine Freude, Kunde öffentlicher Verkehrsmittel zu sein. Von Michael Eschenauer 

Hinzu kommt, zumindest ist dies der Eindruck von Frank Zimmer aus Rodgau, die Unflexibilität von RMV und Bahn AG. „S8 oder S9, mit der ich morgens um 5.28 Uhr ab Offenbach-Marktplatz zu meiner Arbeitsstelle am Flughafen fahre, quillen über, aber man reagiert nicht“, beschwert er sich. Grund seien nicht nur die Berufstätigen, sondern insbesondere Reisende, die wegen des Pilotenstreiks auf die Bahn ausweichen würden. Zimmer hat nicht nur die Vermutung, dass auf den verstärkten Andrang nicht reagiert wird, er glaubt vielmehr festgestellt zu haben, dass die Zuglänge seit Anfang Oktober sogar noch verringert wurde - und das auch bei anderen Morgenzügen ab Offenbach.

Der Verdacht ist nicht falsch, gab gestern ein Sprecher der Bahn AG zu. „An den Streiktagen verkehrte der 5.28 Uhr-Zug der S8 tatsächlich als Kurzzug.“ Grund seien die veränderten Umläufe des Fahrzeugparks. Möglicherweise seien auch weitere einzelne Züge betroffen gewesen. Eine Reaktion der Bahn auf Streiks im Luftverkehr dahingehend, mit längeren Zügen Umsteiger aufzufangen, sei nicht sinnvoll, da gerade auf der Strecke zwischen Offenbach und Frankfurt-Hauptbahnhof der Takt derart eng gefahren werde, dass überzählige Fahrgäste ohne Probleme nur Minuten später den folgenden Zug nehmen könnten.

RMV-Sprecherin Petra Eckweiler betont, dass man bei der Bahn AG Vollzüge mit zwei Wageneinheiten für 5.28, 5.42 und 5.58 Uhr bestellt habe. Ein eher flapsiges „Wir spielen hier nicht Modelleisenbahn“ hat sie für den Vorwurf übrig, der RMV reagiere zu langsam auf das verstärkte Fahrgastaufkommen beim Pilotenstreik. Man erfahre selbst erst aus den Medien, wann und wo es zu Arbeitsniederlegungen komme. Es sei extrem schwer, in derart kurzer Zeit die Zuglängen zu verändern. Eckweiler stellt eine Verbesserung mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember in Aussicht. Dann würden 100 neue Züge eingesetzt, die man bei der Bahn AG bestellt habe. Für den 5.43er sei bereits ein Langzug geordert. Auch Verbesserungen auf anderen Strecken werde man prüfen.

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Quelle: op-online.de

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