Bahn-Unfälle:Leichtsinn kann Leben kosten

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Immer wieder überqueren Fußgänger die Bahngleise trotz Warnsignal.

Offenbach ‐  Wie sicher sind Bahnübergänge und Bahnanlagen wirklich - nimmt der Leichtsinn zu? Der Tod eines Mannes in Heusenstamm, der trotz geschlossener Halbschranke die Schienen überqueren wollte, sorgt für Zündstoff in der Debatte. Von Peter Schulte-Holtey

Wilfried Staub vom Fahrgastverband „Pro Bahn“, spricht von einer Verrohung der Sitten im Verkehr und warnt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Fußgänger, Radfahrer, Frauen mit Kinderwagen usw. überqueren Bahnübergänge trotz roter Blinklichter und geschlossener Schranke; manche machen sich daraus sogar einen Sport.“ Sicherheitsbehörden bestätigen diesen Eindruck.

Immer wieder furchtbare Fahrlässigkeit: An den S-Bahn-Stationen Jügesheim oder Nieder-Roden überqueren Leichtsinnige regelmäßig die Gleise. Auch beim Bahnhof Urberach wird abgekürzt, um noch schnell die Dreieichbahn zu erreichen. Ähnlich das Bild in Dietzenbach-Mitte: Fahrgäste meiden die Fußgängerunterführung, laufen über die Gleise. Zäune werden gefordert, doch Bahn und Stadt schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu. Immerhin: Ein Teil der Strecke wurde jetzt gesichert.

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Halbschranken sind sehr sicher

Bahnpolizeisprecher Ralf Ströher erinnert daran, dass der Leichtsinn das Leben kosten kann. Und er warnt: „Die Vorstellung, Bahnen sind laut, ist irrig. S-Bahnen sind an den Haltestellen erst kurz vor der Einfahrt zu hören.“ Handy und MP3-Player stuft die Polizei als weitere Risikofaktoren ein. Ströher: „Die Stöpsel in den Ohren sind ein Problem. Der Krach im Ohr lenkt ab - Züge und S-Bahnen werden noch schneller überhört oder übersehen.“ Bahn-Experte Schaub fordert mehr Kontrollen an Gefahrenpunkten, da der „Appell an Vernunft offensichtlich nicht fruchtet“.

Leichtsinnige sollten zudem beachten, dass das Überqueren eines Bahnübergangs bei Rotlicht und geschlossenen Halbschranken teuer werden kann: 700 Euro für Autofahrer, 350 Euro für Fußgänger. Wer dabei eine Gefahr für andere verursacht, begeht eine Straftat - bis zu fünf Jahre Haft drohen.

Quelle: op-online.de

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