Ende der dunklen Ekel-Ecken

Bahn verpasst dem Frankfurter Hauptbahnhof ein Facelifting

+
450.000 Reisende nutzen täglich den Verkehrsknotenpunkt Frankfurter Hauptbahnhof. Dagegen wirkt der Frankfurter Flughafen fast schon klein.

Frankfurt - Das Zwischengeschoss des Grauens - wer unter dem Frankfurter Hauptbahnhof durch muss, dem hilft nur: Augen und Nase zu und durch. 2020 soll es zwischen Fernbahnhof und U- und S-Bahnen sowohl Tageslicht als auch nette Läden und behindertengerechte Zugänge geben. Von Sandra Trauner

Fahrstühle außer Betrieb und Rolltreppen stillgelegt. Schmutzige Ecken mit dunklen Gestalten. Treppen, die nach Urin stinken. Verrammelte Läden und mitten drin ein eingezäunter Weihnachtsbaum. Wer heute das Zwischengeschoss des Frankfurter Hauptbahnhofs durchquert, setzt auf das Motto: Augen - und Nase - zu und durch! Die Frankfurter nennen sie „B-Ebene“. Für Auswärtige könnte man erklären: Das Stockwerk des Grauens zwischen U- und S-Bahnen im Keller und dem eigentlichen Bahnhof oben. Ab Mitte 2020 soll es hier schön, schick und hell werden. Gestern stellten die Deutsche Bahn und die Stadt Frankfurt die Umbaupläne vor und unterzeichneten einen Vertrag über die Aufteilung der Kosten.

135 Millionen Euro stehen für den gesamten Bauabschnitt bereit - neben der B-Ebene wird dabei auch die zweite Hälfte der Ladenzeile im Bahnhof plus Nordausgang renoviert. Das meiste zahlt die Deutsche Bahn, der der Bahnhof gehört. 27,5 Millionen Euro steuert die Stadt bei, die davon profitiert, dass der unübersichtliche „Fuchsbau“ mit seinen „Schmuddelecken“, wie Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagt, baldmöglichst der Vergangenheit angehört. Der 1888 eröffnete Hauptbahnhof gehört mit rund 450 000 Reisenden und Besuchern pro Tag zu den größten Verkehrsknotenpunkten Europas. Hier treffen sich Fern- und Regionalzüge, U- und S-Bahnen, Straßenbahnen, Autofahrer, Radfahrer, Taxis und Fußgänger. Im Vergleich dazu ist der Frankfurter Flughafen mit 163 000 Reisenden fast ein Provinznest. Nach Abschluss der Bauarbeiten im und unter dem Bahnhof komme dann endlich der Vorplatz an die Reihe, verspricht Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne). Weitere zehn Millionen Euro stehen dafür bereit, nächstes Jahr sollen die Stadtverordneten die Pläne verabschieden. Der große Wurf ist vom Tisch: Die Straßenbahnhaltestelle bleibt da, wo sie ist - eingekeilt zwischen zwei Straßen, über die Fahrgäste tagtäglich todesmutig durch den Verkehr hasten.

Wo heute eine breite Treppe vom Bahnhofsvorplatz zur B-Ebene hinabführt, soll ab 2020 eine Lichtkuppel Tageslicht nach unten lenken. Statt vieler kleiner Zugänge zum Zwischengeschoss werde es dann wenige breite geben, sagt Ulrich Kipp, Leiter des Bau- und Anlagenmanagements der Bahn. Einheitliche Glasfronten vor den dann größeren Läden sollen zum Bummeln animieren. Indirektes Licht unter einer hellen Deckenverkleidung soll Wohlfühl-Atmosphäre schaffen. Seit Jahren wird am Hauptbahnhof ständig irgendwo gewerkelt: Vor der Fußball-WM 2006 hatte die Bahn 117 Millionen in die Renovierung des Sackbahnhofs gesteckt. Vor 2013 wurde die Restaurant-Meile runderneuert, 2014 die Sanierung des Hauptportals abgeschlossen.

Wohnen in der Trafo-Station: Ideen für echte Traumhäuser

Thomas Schwemmer von der Fahrgastinitiative Pro Bahn ist dennoch nicht zufrieden. „Für uns sind die Schwerpunkte falsch gesetzt“, sagte der Regionalsprecher für den Großraum Frankfurt. Das meiste Geld fließe in „die Aufhübschung von Einkaufspassagen“. Die Fahrgäste brauchen aus seiner Sicht aber nicht mehr Einkaufsmöglichkeiten, „wichtig ist, dass man gut hin- und wegkommt“. Mit Widerstand gegen den Umbau ist - im Gegensatz zu anderen Städten - nicht zu rechnen. Anders als bei „Stuttgart 21“ wurden ähnliche Pläne am Main schon vor 15 Jahren eingestampft. Mit „Frankfurt 21“ sollte der Bahnhof unter die Erde verlegt werden, statt des Kopfbahnhofs sollte ein Durchgangsbahnhof gebaut werden, oben drauf ein neuer Stadtteil entstehen.

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare