Die mit dem Ball tanzen

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Footbag hat sich auch außerhal von Schulen und Grünflächen einen Namen gemacht.

Wer einen hat, hat ihn fast immer dabei. Häufig knallbunt, etwa 50 Gramm schwer und mit Sand oder Granulat gefüllt, begleitet der Footbag seinen Besitzer in den Park, auf den Schulhof oder in die Stadt, um ihm dort die Zeit zu vertreiben. Von Verena Bongartz 

Dass die kleinen Bällchen, die unter dem Markennamen „Hacky Sack“ bekannter sind, auch die Grundlage diverser Sportdisziplinen bilden, wissen viele der Park-Kicker überhaupt nicht. Um die Sportart Footbag besser kennen zu lernen, haben wir den Frankfurt Footbag e.V. besucht und uns dort einige Tricks der Freestyler abgeschaut.

Seit zehn Jahren gibt es den Frankfurter Footbag Verein, der von einigen Freizeitspielern gegründet wurde und mittlerweile zu einem der besten Klubs Europas zählt.

Die unterschiedlichsten Disziplinen werden hier dreimal wöchentlich trainiert. Philipp Schäfer ist bereits seit 2001 aktiv und erklärt die verschiedenen Varianten des Sports: „Die meisten Footbag-Spieler fangen als Jugendliche zunächst mit Freestyle an, das sind die kleinen Kunststückchen, die man auch im Park oder im Freibad häufig sieht.“

Erlaubt ist alles, was kreativ ist

Beim Freestyle kommt es darauf an, den Ball so lange wie möglich mit Füßen, manchmal auch mit Knien oder dem Rumpf, in der Luft zu halten und dabei zusätzliche Tricks einzubauen. Für jede Zusatzbewegung wie eine Körperdrehung oder eine Umkreisung des Balls mit dem Fuß gibt es weitere Punkte. Theoretisch kann der Spieler dabei unbegrenzt viele Tricks hervorzaubern; erlaubt ist alles, was kreativ ist.

Den Wettbewerb gewinnt, wer den höchsten Schwierigkeitsgrad und die größte Variation bietet, dabei am besten mit dem Publikum und mit der Musik interagiert - und natürlich, wer den Ball am seltensten fallen lässt. „Freestyle ist extrem anstrengend. Eine zweiminütige Performance ist Hochleistungssport“, erklärt der 29-jährige Schäfer, „ich selbst bin fast schon zu alt, um das noch durchzuhalten.“

Immer mir der Sohle voraus:  Beim Footbag ist Körperkontrolle, Sprungkraft und jede Menge Ballgefühl gefragt.

Für die etwas „gesetzteren“ Sportler ab Mitte Zwanzig bietet sich daher das Spiel am Netz an. Netz wird auf einem Badminton-Feld gespielt und funktioniert wie Volleyball mit den Füßen. Im Einzel- oder Doppelwettkampf müssen die Spieler versuchen, den kleinen Ball über das Netz ins Spielfeld des Gegners zu befördern. Im Doppel sind dabei, wie etwa beim Beachvolleyball, drei Ballberührungen erlaubt. Im Einzel spielt sich der Sportler hingegen selber den Ball hoch, um dann den Angriff zu starten. Eine Bundesliga gibt es zwar nicht, dafür viele nationale und internationale Turniere.

Nur sechs oder sieben Vereine gibt es hierzulande

Beim Netzwettkampf sind die Frankfurter seit einigen Jahren sehr erfolgreich. 2006  trug der Verein sogar die Weltmeisterschaft aus und stellt aktuell mit Florian Götze einen der beiden Weltmeister im Doppel-Netzwettbewerb. National haben die etwa 40 Mitglieder des Frankfurt Footbag e.V. wenig Konkurrenz. Lediglich sechs oder sieben eingetragene Vereine gibt es in Deutschland, rund 300 bis 400 Aktive zählt der Sport hierzulande. Ganz anders sieht es dagegen in den USA aus. Im Mutterland des Footbags sind natürlich auch die besten Spieler beheimatet.

 „Witzigerweise hat der Entwickler des Sports Footbag in den 70er Jahren als Rehabilitationsbewegung entwickelt.John Stallberger hatte große Knieprobleme und wollte eine knieschonende Sportart schaffen. Mittlerweile ist es doch sehr leistungsbezogen und anstrengend geworden“, erklärt Schäfer.

Interesse geweckt? Ansprechpartner, Trainingszeiten und weitere Informationen gibt es auf der Frankfurt Footbag-Homepage

In Deutschland entwickelte sich erst zu Beginn des Jahrtausends das Interesse am Footbag. Noch immer ist das Spiel mit dem Sandsäckchen aber eher ein Nischensport. Der 30-jährige Florian Götze kennt die Probleme der Randsportart: „Man muss eine gewisse spielerische Qualität erreichen, um Spaß am Geschehen zu haben. Kleine Erfolgserlebnisse stellen sich schnell ein, aber um ein flüssiges Spiel zustande zu bringen, braucht ein Spieler schon ein paar Monate Übung.“

Warum dennoch so viele Menschen Spaß am Spiel mit dem Footbag haben, hat nach Meinung der Frankfurter Truppe viele Gründe: „Es ist ein absoluter Sommersport, der eben auch dieses fröhliche Feeling vermittelt. Wir sind total ungebunden, können spielen wann und wo wir wollen. Außerdem ist der Sport sehr ästhetisch. Mit dem Ball solche Kunststücke zu vollführen, sieht einfach immer gut aus“, so Schäfer.

Quelle: op-online.de

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