Fünf Varianten stehen zur Auswahl

Bangen um die Lärmpausen

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Mit den Lärmpausen soll das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen faktisch von sechs auf sieben Stunden ausgedehnt werden.

Frankfurt - Für Hessens Verkehrsminister Al-Wazir (Grüne) sind die Lärmpausen in Frankfurt ein wichtiges Vorhaben. Von seinen fünf möglichen Modellen bringen rechnerisch zwei Entlastung, doch sie könnten noch am Widerstand der Fluglärmkommission (FLK) scheitern.

Falls die Kommission alle fünf Varianten für ungeeignet hält und ablehnt, wären sie vom Tisch, sagte gestern der Vorsitzende des Gremiums, der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD). Über ein solches Votum könnte sich das Ministerium nicht hinwegsetzen, denn es gehe in dieser Frage nicht um betriebliche Abläufe, sondern um reine Lärmschutzmaßnahmen.

Die Beratungen in der Kommission seien noch nicht abgeschlossen. Jühe widersprach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“, nach dem eines der fünf Modelle zumindest für erprobenswert gehalten wird. Noch lägen nicht alle Daten vor. „Es bleibt kompliziert“, sagte Jühe. Er erkenne die Bemühungen des Verkehrsministers um mehr Lärmschutz aber an. Nach monatelanger Prüfung seien auch interessante positive Effekte entdeckt worden. „Es hat sich gelohnt, über das Modell zu diskutieren. Es wird dazu führen, dass sich der Status quo trotz positiver und negativer Effekte verbessert“, sagte Jühe. „Wir werden ein belastbares Ergebnis haben und das Ganze nicht in Bausch und Bogen verdammen“, so der Raunheimer Bürgermeister. Mit den Lärmpausen soll das Nachtflugverbot faktisch von sechs auf sieben Stunden ausgedehnt werden. Jühe erklärte, man erwarte bis kommenden Montag weitere wichtige Berechnungen, die entscheidend zur Bewertung des Lärmpausen-Konzepts beitragen würden. In der nächsten Woche werde eine Arbeitsgruppe dem FLK-Vorstand eine Empfehlung für einen Beschluss geben, sagte Jühe. Eine Abstimmung darüber sei bei der nächsten Sitzung der FLK am kommenden Mittwoch geplant.

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Die FLK und das Verkehrsministerium haben in den vergangenen Monaten berechnet, welches Modell wie viele Anwohner be- oder entlasten würde. Den größten positiven Saldo gibt es offenbar beim Modell 4 in Westbetrieb, wenn Maschinen aus Osten landen. Dabei sollen zwischen 22 und 23 Uhr die Nordwestlandebahn und die nördliche der Parallelbahnen (Centerbahn) nicht mehr für Landungen genutzt werden. 105.000 Menschen würden entlastet, aber auch 65.000 Menschen von Hanau bis Neu-Isenburg stärker belastet. Modell 4 gilt aber als problematisch, weil sich Landungen auf der Südbahn und Starts auf der Startbahn West kreuzen.

Im Ostbetrieb scheint rechnerisch Modell 2 am günstigsten, bei dem abends nicht auf der Nordwestlandbahn und der Südbahn gelandet wird. Hier würden 65.000 Anwohner entlastet und 57.000 belastet. Zu diesen zählen aber auch 12.000 Menschen im Nahbereich des Flughafens in Rüsselsheim. Die FLK will keinem Modell zustimmen, bei dem Menschen in unmittelbarer Nähe zum Airport noch mehr Lärm ertragen müssen.

mic/dpa

Quelle: op-online.de

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